Workshop zum Thema Verkehrskonzept

Foto: Privat

Beitrag vom Donnerstag, 01. Dezember 2022

Mobilitätskonzept: Vorrang für Radfahrer und Fußgänger

Das Aachener Büro für Stadt- und Verkehrsplanung (BSV) erarbeitet derzeit im Auftrag der Stadt Norderney ein Mobilitätskonzept für die Insel. Schon im vergangenen Juli und im Oktober hatten die Planerinnen und Planer dafür die Verkehrssituation auf Norderney analysiert, waren auf allen Buslinien der Insel mitgefahren, hatten die Radwege abgefahren, Verkehrszählungen durchgeführt, das Angebot an Parkplätzen untersucht und sich die Straßenbeschilderungen angeschaut. Auch Gespräche mit Norderneyer Unternehmen, sozialen Einrichtungen, Behörden und anderen Akteuren gehörten zu der Analyse, ebenso eine Online-Umfrage, bei der Bürgerinnen und Bürger ihre Vorschläge und Beschwerden zum Verkehr im Stadtgebiet äußern konnten. Das vierköpfige Team um Dr. Michael Baier ist erneut auf der Insel, um an verschiedenen Orten der Innenstadt die Verkehrsströme zu zählen und die Parksituation im Stadtgebiet zu untersuchen.

Sie präsentierten in einem öffentlichen Workshop die vorläufigen Ergebnisse aus der Bestandsaufnahme und stellte die ersten Ideen für ein mögliches Konzept zur Diskussion.

Insbesondere über die hohe Beteiligung an der Online-Umfrage zeigte sich Baier erfreut, denn es wurden insgesamt 295 Punkte auf der interaktiven Karte gesetzt, zu denen es 7.648 Bewertungen gab: „Das ist verdammt viel. Wir haben weniger solcher Meldungen in Städten mit 50.000 Einwohnern.“

88 Prozent dieser Mitteilungen waren von Inselbewohnern abgegeben worden.
Als Erkenntnis dieser detaillierten Analyse schlagen die Verkehrsplaner vor, dem Fußgänger- und dem Radverkehr Vorrang einzuräumen, diese aber auch gezielt voneinander zu trennen und den Radverkehr auf definierten und verständlich gekennzeichneten Haupt- und Nebenrouten zu bündeln. „Im Moment gibt es nicht vorhandene, nicht erkennbare und schlecht ausgebaute Radverkehrsanlagen, die manchmal plötzlich enden“, so Baier. Zudem seien sie oft nicht regelkonform, weil viel zu schmal. Die vorhandenen Radwege sollten daher ausgebaut und, wo erforderlich, neu angelegt werden. Auch die Einführung von Fahrradstraßen sei eine Option. Außerdem brauche es eine klare Beschilderung der Fußgängerzonen. Im Stadtgebiet, an den Zugängen zum Strand und am Hafen müssten zudem weitere Fahrradabstellanlagen geschaffen werden.
Klare Haupt- und Nebenachsen brauche es auch für den Fußgängerverkehr, so die Ideen der Planer. Die Fußgängerzone könnte durch verkehrsberuhigte Bereiche in den angrenzenden Stichstaßen erweitert werden. An ausgewählten Punkten könnte der Fahrradverkehr passieren oder die Straßen mitnutzen. Aktuell bestehe das Problem, dass die Fußgängerzone plötzlich endet, die Menschen aber trotzdem weiter auf der Straße laufen, oder dass sie die Gehwege nicht benutzen können, weil diese zu schmal sind.

Um den motorisierten Verkehr besser zu regulieren, schlagen die Planer vor, Einbahnstraßenregelungen oder eine Zonenaufteilung zu prüfen. Kreuzungen könnten harmonischer gestaltet werden, denkbar sei auch, im gesamten Stadtgebiet Tempo 30 einzuführen und dem Bus- und Radverkehr auf ihren jeweiligen Achsen Vorfahrt einzuräumen. Ausnahmegenehmigungen könnten durch automatisierte Kontrollen an den Stadteingängen überprüft werden. Wichtig sei, dass die Regelungen verständlich und einfach sind.

Vereinfacht werden kann nach Ansicht der Planer auch der Busverkehr. Insbesondere die Buspläne seien „very special“ und für Gäste schwer nachzuvollziehen, ebenso wie die Linienführung. So könnten die Linien 1 und 2 auch als Ringlinien über den Hafen geführt werden. Eine zusätzliche Haltestelle an der Hafenstraße könnte die dortigen Supermärkte an den Busverkehr anbinden. Außerdem sollten die Haltestellen kontinuierlich barrierefrei ausgebaut werden.

Die vorgestellten Konzeptideen wurden in der Aula an Stellwänden ausgestellt, an denen die knapp 15 Teilnehmenden in angeregten und ausgiebigen Diskussionen ihre Ansichten mit den Stadtplanern und den Vertretern der Stadt austauschen konnten. Die Anmerkungen werden in den kommenden Schritten helfen, das Konzept zu verfeinern, erläuterte Baier am Ende der Veranstaltung. Voraussichtlich Ende Januar soll das Ergebnis im Arbeitskreis Verkehr erörtert und im Februar dem Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr vorgestellt werden.

Anzeigen

Logo
Ab in die Inselkoje
Kirch_3_Banner_Quadrat_320x320