Beitrag vom Samstag, 18. April 2026
Grüne kritisieren die Abkehr vom Bargeld
Die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs auf der Insel schreitet deutlich voran. Dies sorgt jedoch auch für Diskussionen. Im vergangenen Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr kam nach dem Bericht von Kurdirektor Wilhelm Loth erneut Kritik.
„Die Bargeldquote in unserem Unternehmen lag im letzten Jahr bei unter zehn Prozent“, erklärte Loth. In der Touristinformation im Conversationshaus liege sie bei etwa sechs bis sieben Prozent, am Hafen noch bei 13 bis 14 Prozent. Insgesamt kommen die Gäste nach Einschätzung des Kurdirektors mit den digitalen Abläufen gut zurecht. Vor diesem Hintergrund plant das Staatsbad, auch die Touristinformation sowie den „Marktplatz“ im Badehaus weiterzuentwickeln und die Prozesse auch hier künftig effizienter zu gestalten.
Dass diese Entwicklung nicht für alle reibungslos funktioniert, machte eine Wortmeldung aus dem Publikum deutlich. Eine Frau schilderte den Ablauf beim Kauf von Kinokarten im Rahmen des Filmfestes mit Bargeld als unnötig kompliziert: „Ich muss ins Conversationshaus, muss an den Schalter gehen und einen Gutschein kaufen.“ Diesen gebe sie dann unmittelbar an der Kinokasse wieder ab, um einzelne Tickets zu erhalten. „Das kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein“, kommentierte sie.
Deutlich grundsätzlicher fiel die Einordnung der Grünen aus und sie blieb im Rahmen der Ausschusssitzung die einzige politische Stimme, die die Entwicklung in dieser Form kritisch bewertete. Grünenvertreter Stefan Wehlage betonte, dass die Digitalisierung kein Selbstzweck sein darf: „Wir haben immer gesagt, Digitalisierung muss sich an den Menschen orientieren und nicht an dem Ziel der Digitalisierung.“
Aus Sicht der Grünen geht es dabei um mehr als um einzelne Abläufe und so betonte Wehlage, dass die Möglichkeit, bar zu bezahlen auch in Zukunft bleiben muss und das auch im Kino. „Ich glaube, es gibt bei einer großen Gruppe von Menschen den Wunsch, auch mit Bargeld bezahlen zu können. Wir sehen den Ausschluss der Möglichkeit, Bargeld als Zahlungsmittel verwenden zu können, sehr, sehr kritisch“, so Wehlage weiter. Gleichzeitig verwies er auf internationale Entwicklungen: In skandinavischen Ländern, die lange als Vorreiter der bargeldlosen Gesellschaft galten, wird nach seinen Angaben die Bedeutung von Bargeld wieder stärker erkannt, auch und insbesondere als Absicherung für den Fall technischer Störungen und Ausfälle. Wehlage: „Von daher sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass wir diesen Weg so nicht sinnvoll finden. Wir haben das auch schon öfter gesagt, wir werden immer wieder auf der Straße darauf angesprochen.“
Verfasst von Anja Pape
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