Auf den Spuren alter Handwerkskunst

Foto: Linke

Beitrag vom Samstag, 18. April 2026

Auf den Spuren alter Handwerkskunst

Die Delfter Fliesenmalerei ist eine alte Handwerkskunst, niederländisches Kulturerbe und in Ostfriesland historisch weit verbreitet. Auch im Fischerhaus-Museum und im Teehuus des Heimatvereins finden sich die handbemalten Fliesen. Dort am Kaminofen entdeckte die Künstlerin Ute Weichler die kleinen Kunstwerke und verliebte sich sofort. „Ich war so begeistert und habe mich gefragt: Wer hat sie gemalt und warum hat er dieses Motiv gewählt?“, erzählt sie im Gespräch mit dem Norderneyer Morgen. Kurzum beschloss sie, es selbst einmal zu probieren. Seitdem lässt sie die historische Fliesenmalerei auf der Insel neu erstehen – mit Motiven von beliebten Sehenswürdigkeiten über Meerestieren bis zu eigenen Motiven. Jede Fliese ist handbemalt, ein Unikat.

Weichlers kleines Atelier in der Kreuzstraße ist lichtdurchflutet, auf einem Tisch steht ein Teller mit Strandfunden: ein handtellergroßer Bernstein, ein alter Pfeifenkopf, Muscheln. Im Hintergrund hängen Porträtzeichnungen an den Wänden. „Ich habe immer schon gemalt“, erzählt die gelernte Siebdruckerin und KFZ-Mechanikerin, die zudem seit 16 Jahren in der Altenpflege und Betreuung tätig ist.

Vor drei Jahren brach sie ihre Zelte in Recklinghausen ab und erfüllte sich ihren Traum: ein Leben auf der Insel. „Ich liebe sie zu jeder Jahreszeit“, berichtet sie und strahlt: „Am liebsten möchte ich sie gar nicht mehr verlassen.“

Schon ihre Großeltern kamen regelmäßig nach Norderney, sie selbst verbrachte hier Urlaube und ihre Geburtstage und erhielt sogar einen echten Norderneyer Spitznamen. „Mein Papa sagte immer Hermännchen zu mir. Ich wusste nie warum, bis ich hierherzog und mir jemand sagte: ‚Natürlich, du siehst auf diesem Kinderbild aus wie der Wattführer Hermann Visser.‘ Er muss bis in die Sechzigerjahre hier seine Führungen gemacht haben.“

Auf Norderney ist sie bei den Seenotrettern aktiv, im Verein Museumskreuzer Otto Schülke und im Heimatverein. Mit der Fliesenmalerei möchte sie ein Stück Tradition und Kultur in die Gegenwart bringen und lebendig halten. Mit Erfolg: „Ich habe viele Nachfragen bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass das so gut ankommt.“

Zunächst verkaufte sie ihre Werke über ihre Facebook-Seite unter dem Namen „Lüttje Hermann“ oder per Mail unter ute@luettje-hermann.de. Ab sofort sind die Fliesen auch im Shop des Norderneyer Bademuseums erhältlich.