Beitrag vom Montag, 27. April 2026
Forschung in der Brauhalle
In der Brauhalle im Gewerbegelände wird künftig nicht nur Bier gebraut, sondern auch geforscht. Die Hochschule Hannover und die Norderneyer Brauerei haben gemeinsam das Forschungsprojekt „Re New Brew“ gestartet. Ziel ist es, die für den Brauprozess benötigte Energie klimafreundlich zu erzeugen und damit die Anlagen ausschließlich durch die eigene Photovoltaikanlage zu betreiben.
Der Brauprozess läuft in der Norderneyer Brauerei heute bereits zu rund 60 Prozent mit Strom aus eigener Produktion. Die Solaranlage hat eine installierte Leistung von 70 Kilowatt-Peak. Bislang muss die Brauerei noch rund 40 Prozent ihres Strombedarfs zukaufen. Dies könnte künftig wegfallen. Die Produktion wäre dann nicht nur klimafreundlich, sondern auch autark.
Verläuft das dreijährige Projekt erfolgreich, wird der für den Brauprozess erforderliche Wasserdampf künftig mit Wärmepumpen hergestellt werden. Von den Forschungsergebnissen würde allerdings nicht nur die Inselbrauerei profitieren, ist sich Geschäftsführer Tobias Pape sicher. Dieser Meinung sind auch die Forscher aus Hannover, denn: „Nicht nur im Brauereibetrieb, sondern auch in vielen anderen Branchen, wird derzeit die Erzeugung von Wasserdampf durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe, vor allem durch Erdgas, umgesetzt.“
Dafür entwickelt die Hochschule zunächst eine Testanlage in Hannover. Auf Grundlage der Ergebnisse soll anschließend ein voll funktionsfähiger Prototyp in der Brauhalle auf Norderney entstehen. „Da der erforderliche Strom für die Hochtemperaturwärmepumpen durch Photovoltaik-Module erzeugt wird, ist eine vollständig autarke Produktion denkbar, ohne dass bei den Heizvorgängen Treibhausgase emittiert werden“, präzisiert Professor Dr. Lutz Meyer von der Hochschule Hannover.
Zum Einsatz kommen sollen dabei Hochtemperatur-Wärmepumpen in Kombination mit Wärmespeicher und konzentrierender Solarthermie. Dabei werden Sonnenstrahlen durch Spiegel gebündelt, um höhere Temperaturen zu erreichen. Deutlich über 100 Grad könnten so erreicht werden.
Laut Hochschule ist der Ansatz nicht nur für Brauereien interessant. „Da das Prinzip grundsätzlich auf andere Branchen und größere Anlagen übertragen werden kann“, so die Forscher. Aus ihrer Sicht „bietet sich hier die Chance, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu reduzieren und langfristig Produktionskosten zu reduzieren.“
Bis zum 31. Dezember 2028 wird die Hochschule Hannover forschen. Gefördert wird das Projekt über das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit dem VDI Technologiezentrum als Projektträger. Bereitgestellt werden dafür Projektmittel in der Höhe von rund 1,09 Millionen Euro. Zwei Vollzeit-Ingenieursstellen sind ausschließlich dafür vorgesehen. Darüber hinaus sollen Studierende eingebunden werden, etwa über Projekt- und Abschlussarbeiten. Zwei Abschlussarbeiten mit Projektbezug laufen nach Angaben der Hochschule bereits.
In den kommenden Jahren werden demnach immer wieder Hochschulangehörige in der Brauhalle arbeiten und die Anlage weiterentwickeln. Besonders vor und während der Inbetriebnahme des Prototyps dürften die Forschenden von „Re New Brew“ häufiger vor Ort sein.
Verfasst von Anja Pape
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