Erneute Sandverluste auf Norderney

Foto: Dorothee Linke

Beitrag vom Donnerstag, 29. September 2022

„Druck für die Insel ist enorm hoch“

Für Norderney geht es um den Fortbestand des Strandtourismus im kommenden Jahr, sagt Kurdirektor Wilhelm Loth. Nachdem die Ostfriesischen Inseln im Frühjahr von erheblichen Sandverlusten betroffen waren und viel Geld in die Hand genommen wurde, um die Badestrände wenigstens in Teilen wieder nutzbar zu machen, hat die letzte Sturmflut Mitte September erneut den Stränden zugesetzt. „Wir haben hier bereits wieder erhebliche Sandabträge“, berichtet Loth im Gespräch und eine Besserung sei nicht in Sicht. Der Kurdirektor geht zudem davon aus, dass der mühsam und kostspielig aufgebrachte Sand an den Badestränden nicht bis zur kommenden Tourismussaison halten wird, weil sich dieser in der kurzen Zeit nicht ausreichend verdichtet hat. Er rechnet daher mit weiteren Sandverlusten nach der Sturmflutsaison.

„Es kann ja nicht die Lösung sein, jedes Jahr mit hohen Aufwand und für viel Geld, immer wieder Sand dort hinzuschaffen“, so Loth weiter. Neben den immer wiederkehrenden Sturmfluten, begünstigen die Strömungsverhältnisse und die Küstenbeschaffenheit in diesen Bereichen der Insel den Sandabtrag zusätzlich, erklärt Loth. Aber Norderney ohne Badestrand: Das ist ein Desaster für den Tourismus, der die Lebensgrundlage für die Inselbewohner ist, betont Loth und drängt darauf, zur Kenntnis zu nehmen, dass „der Strand nicht mehr ist, was er mal war“ und zukünftig deutlich stärker den klimatischen Umwälzungen ausgesetzt ist. Nur mit einem hohen Maß an Flexibilität könne Norderney dieser Entwicklung begegnen, so der Kurdirektor. Mit einer Sondergenehmigung für einen festen Standort der Versorgungsplattformen lasse sich diese Situation nicht lösen, ist der Kurdirektor überzeugt. Aus seiner Sicht muss die Kurverwaltung daher dringend in die Lage versetzt werden, auf die sich ständig verändernden Begebenheiten an den Stränden kurzfristig und unbürokratisch reagieren zu können. Und das so schnell wie möglich, denn die touristische Saison beginnt im April, gibt Loth zu Bedenken.

Das Problem: Die Aufstellung von Bebauungsplänen dauert lange und ist an Fristen gebunden. Zudem ist die Überplanung von Stränden neu. Aktuell ist ein Planungsbüro damit beauftragt, die Grundlagen für die Bebauungspläne für die Strände an der Oase und der Weißen Düne zu erarbeiten und die Regelungsinhalte festzulegen, berichtet Bürgermeister Frank Ulrichs auf Nachfrage. Im Rahmen eines sogenannten Scoping-Verfahrens sollen voraussichtlich Anfang bis Mitte Dezember die Träger öffentlicher Belange zusammenkommen, um unter anderem die Fragen des Küstenschutzes zu erörtern. Im Anschluss folgt ein förmliches Prozedere mit Öffentlichkeitsbeteiligung.

Da es sich um ein mehrstufiges Verfahren handelt, rechnet Ulrichs erst Ende des ersten Halbjahres 2023 mit einer Verabschiedung der Pläne. „Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch vorher schon Maßnahmen des Staatsbades am Strand möglich wären“, so der Bürgermeister.

Dem Kurdirektor reicht das nicht und er betont: „Wir brauchen einen Rahmen vor Ort, indem wir uns frei bewegen können, um auf die natürlichen Veränderungen reagieren zu können. (…) Wir müssen jetzt sehr schnell handeln; der Druck für die Insel ist enorm hoch und wir können sonst nicht garantieren, dass wir in der nächsten Saison einen Strand haben werden“. Um den Tourismus zu sichern, ist aus Loths Sicht ein hohes Maß an Flexibilität von allen Beteiligten unabdingbar und er appelliert an die Vertreter von Stadt, Landkreisbehörden und Nationalparkverwaltung dringend noch im Oktober zusammenzukommen und erklärt: „Es reicht nicht, wenn die Bebauungspläne erst zum Saisonende 2023 kommen. Das wäre ein Desaster.“

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