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Beitrag vom Freitag, 01. Januar 2021

Ulrichs: Menschlichkeit ist unbezahlbar

Schon früh war klar, dass die Norderneyerinnen und Norderneyer auf den feierlichen Neujahrsempfang der Stadt zu Beginn des neuen Jahres werden verzichten müssen. Norderneys Bürgermeister Frank Ulrichs wendet sich nun in seinem Neujahrsbrief an Bürgerinnen und Bürger und lässt darin das vergangene Jahr Revue passieren. Er blicke aber mit großer Spannung, Erwartungen und Optimismus in das neue Jahr, schreibt er darin.

Seine Rückschau beginnt mit dem 12. März 2020, dem Tag, an dem COVID-19 auf der Insel angekommen war. Was darauf in kürzester Zeit folgte, habe einem Albtraum geglichen, so Ulrichs. „Unsere Insel stand im Fokus der Entscheidungsträger, die hier um jeden Preis einen epidemiologischen Hotspot ähnlich dem in Ischgl vermeiden wollten. … Der Landrat des Landkreises Aurich rief mich aus dem Kreishaus an, um mir zwischen Tür und Angel seine Absicht mitzuteilen, dass unsere Insel abgeriegelt werden solle – ein Gespräch, das wir beide so schnell nicht vergessen werden und das unser dienstliches Verhältnis zueinander irgendwie auch geprägt hat“, erinnert sich Ulrichs. Quasi über Nacht hatte der Landkreis den Entschluss in die Tat umgesetzt und Norderney wurde zum Sperrgebiet erklärt. Die Situation, in der weder Gäste, Freunde und Verwandte auf die Insel kommen, aber auch die Norderneyer nicht auf Festland durften, beschreibt der Bürgermeister in seinem Brief als „eine für die gesamte Bevölkerung völlig neue und zunächst auch verstörende Situation, die es in unserer Inselgeschichte in dieser Form noch nicht gegeben hatte.“ Ohnehin habe die Gesamtsituation bereits groteske Züge angenommen und in kurzer Zeit gewohnte und strukturierte Abläufe in der Ministerial- und Verwaltungsbürokratie gründlich auf den Kopf gestellt, so der Bürgermeister. „Anfänglich uns gegenüber ausgesprochene bloße Handlungsempfehlungen, denen es durchweg sowohl an einer rechtlichen Grundlage als auch an Erfahrungswerten fehlte, wurden nach und nach von Entscheidungen aus Aurich und Hannover abgelöst, die inhaltlich auch nicht gerade preisverdächtig waren“, kommentiert Ulrichs das Vorgehen. Meldungen und Ankündigungen kamen im Stundentakt.

Gerade vor dem Hintergrund des Todes eines bekannten und geschätzten Norderneyers im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, verurteilte Ulrichs die Corona-Kritiker. Seine persönliche Grenze des Erträglichen sei deutlich überschritten, wenn es darum ginge, was in den sozialen Netzwerken gegenüber Dritten und damit zumeist Verantwortungsträgern an Hetze, Anfeindungen und verbalen Attacken geäußert werde. „Wie sooft stehen auch in dieser Krise die besten Kapitäne meistens an Land. … Noch einfacher ist es natürlich, im Nachhinein den richtigen Weg aufzuzeigen, wenn alle Entwicklungen auf dem Tisch liegen. In der täglichen Krisenbewältigung hilft ein solches Verhalten allerdings niemandem und schürt nur noch mehr Vorbehalte und Ängste“, so sein vernichtendes Urteil. Es habe sehr vieler Gespräche und intensiver Überzeugungsarbeit bedurft, die Folgen und Konsequenzen gegenüber den Entscheidungsträgern in den Ministerien zu verdeutlichen. „Die Kommune ist bis zum heutigen Tage bestrebt, den finanziellen Schaden für die Öffentlichkeit so klein wie irgend möglich zu halten – und das zum Glück durchaus mit sichtbarem Erfolg“, schreibt der Bürgermeister und bedankt sich bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Norderney sowie ihrer Gesellschaften und Betriebe. Zudem hebt Ulrichs in seinem Schreiben den Zusammenhalt und das Miteinander der Inselgemeinschaft lobend hervor, welches im Gegensatz zu dem Gebaren in den sozialen Netzwerken helfe, die Situation erträglicher zu gestalten. Ulrichs: „Viel hilft viel. … Seien es Einkäufe für die Nachbarn, Gesangsdarbietungen und caritative Aktionen für die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums oder die gemeinschaftliche Aktion zum Martini-Tag.“ Mitmenschlichkeit ist gerade in dieser Zeit unbezahlbar, dankte Ulrichs. Das gelte auch für das Engagement der Norderneyer Ärzteschaft, die sich weit über die Dienstpflicht hinaus aktiv in die Themen Testung und Prävention mit eingebracht hat, ebenso wie den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr für die Aufrechterhaltung der Dienst- und Einsatzbereitschaft.

Neben dem Bericht über das zentrale Thema der Corona-Pandemie und der Auswirkungen auf die Insel freut sich der Bürgermeister über die Inbetriebnahme des Seniorenzentrums „To Huus“, dessen Fertigstellung sowohl zeitlich als auch kostentechnisch innerhalb des Budgets lag und nutzte die Gelegenheit, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des „To Huus“ für ihre Arbeit während der Corona-Pandemie zu danken.

In Angriff genommen habe die Stadt auch die Umsetzung des mit breiter Mehrheit verabschiedeten Lebensraumkonzeptes. „Ein Füllhorn bürgerinitiierter Ideen und Anregungen wartet darauf, zur Verbesserung und Optimierung der hiesigen Verhältnisse beizutragen“, kommentierte der Bürgermeister die Vielfalt der Aufgaben. Dazu zähle auch das mehrstufige angelegte Konzept zur Aufwertung und Verschönerung des Quartiersplatzes an der Mühle. Unlängst wurde zudem mit der Straßensanierung und dem Bau von 32 neuen Mietwohnungen für Einheimische begonnen, deren Fertigstellung für den Herbst geplant ist, so Ulrichs. Neben der gestarteten Schulhofaufwertung gehört dazu die sanierte Aula. Und auch in der Benekestraße werde seit Kurzem mit dem dritten Bauabschnitt die vorherigen Ausbaumaßnahmen fortgeführt.

Zukünftige Aufgaben sieht der Rathauschef vor allem in einer Grundsatzentscheidung zur Gestaltung des Theaterplatzes am ehemaligen Haus der Insel oder konkrete Beschlüsse zur abermaligen Projektierung des Fünf-Sterne-Hotels. Es bestehe für ihn kein Zweifel, dass in diesem Jahr auch der Campingplatz Booken eine sinnvolle und vor allem wirtschaftliche Folgenutzung erfahren müsse. Mit der Bundeszuwendung in Höhe von 3,6 Millionen Euro für das Projekt „Mühlenallee“ werde sich die Stadt mit der Ausarbeitung der Projektmaßnahmen zu befassen haben.
Dieser Tage laufen außerdem die Vorbereitungen für den lange ersehnten Bau einer überdachten Fahrradabstellanlage am Hafen, die ebenfalls finanziell gefördert wird und womit wir die Sanierung des gesamten vorderen Hafenbereichs vorerst abschließen werden. Und letztlich stehe 2021 im September eine Kommunalwahl an.

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