Senioren und Teilhabe:Angehörige fordern Mobilitätskonzept

Archivfoto: Pape

Beitrag vom Mittwoch, 02. September 2026

Senioren und Teilhabe:Angehörige fordern Mobilitätskonzept

Ob Kino, Konzert oder der Besuch von Freunden und Familie: Die Initiative Pflegende Angehörige sieht Handlungsbedarf, um bewegungseingeschränkte Menschen auf Norderney bei der Teilhabe am öffentlichen Leben zu unterstützen. „Viele Betroffene können aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, der besonderen Verkehrsregelungen auf der Insel sowie fehlender geeigneter Mobilitätsangebote nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, heißt es in einem Schreiben an Bürgermeister Frank Ulrichs: „Dies führt häufig zu Einsamkeit und einen Verlust sozialer Teilhabe.“ Wer sich regelmäßige Taxifahrten aufgrund eines geringen Einkommens nicht leisten könne, stehe vor „erheblichen“ Herausforderungen.

„Das Thema Mobilität war bei einem unserer Treffen aufgekommen und da fiel auf, wie schwierig das ist “, berichtet der Norderneyer Ernst Heuer, der gemeinsam mit Claudia Gerdes und Ria Schäfer das Schreiben unterzeichnet hat, im Gespräch mit dem Norderneyer Morgen.

So leiste der Inselbus einen wichtigen Beitrag, könne aber die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen nicht vollständig abdecken, heißt es in dem Schreiben. Taxifahrten seien finanziell keine Alternative: „Wer mehrmals pro Woche ein Taxi nutzt, um kulturelle Veranstaltungen oder soziale Angebote zu besuchen, muss dafür monatliche Kosten im dreistelligen Bereich aufbringen. Die Fahrten zu lebenspraktischen Terminen wie Frisör, Fußpflege oder Apotheke sind dabei noch nicht einkalkuliert.

Hinzu komme, dass die derzeitigen Ausnahmegenehmigungen während der Verkehrssperre ein eigenes Fahrzeug und eine Begleitperson voraussetzen „und überwiegend für medizinisch notwendige Fahrten erteilt werden. Eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben wird hierdurch jedoch nicht ermöglicht.“

Die Initiative fordert daher die Stadtverwaltung auf, den Bedarf eines ergänzenden Mobilitätsangebotes anzuerkennen und gemeinsam mit den sozialen Trägern und Vereinen ein Konzept zu entwickeln. Als Ideen bringen die Autoren das Modell eines Bürgerbusses, Sammeltaxis oder eines ergänzenden Fahrdienstes ins Spiel. „Ziel sollte nicht sein, bestehende Angebote zu ersetzen, sondern vorhandene Mobilitätsangebote sinnvoll zu ergänzen und eine bestehende Versorgungslücke zu schließen“, so die Initiative: „Dabei müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Personenbeförderung, die Finanzierung, vorhandene Fahrzeuge, mögliche Kooperationspartner sowie personelle und ehrenamtliche Ressourcen geprüft werden.“

„Ich habe der Initiative zugesagt, dass wir uns ihres Anliegens gerne offen und wohlwollend annehmen und prüfen werden, welche sinnvollen und rechtlich machbaren Möglichkeiten bestehen“, teilte der Bürgermeister auf Nachfrage mit. Zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen müsse sich die Verwaltung aber an einem politisch festgelegten Kriterienkatalog orientieren. „Gerade mit Blick auf die Genehmigungspraxis ist uns aus der Politik immer wieder der ausdrückliche Appell herangetragen worden, die Voraussetzungen sorgfältig zu prüfen und Ausnahmen auf das tatsächlich notwendige Maß zu beschränken“, so Ulrichs: „Eine grundsätzliche Erweiterung oder Veränderung der Ausnahmetatbestände bedürfte zunächst einer politischen Willensbildung.“

Nächster Artikel

Vorheriger Artikel

Anzeigen

320x320px_freibanner
320x320px_freibanner
15 Jahre NOMO
Watt Welten Besucherzentrum