Nordsee: Temperaturrekorde gesetzt

Diagramm: BSH

Beitrag vom Mittwoch, 21. Januar 2026

Nordsee: Temperaturrekorde gesetzt

Die Nordsee war im vergangenen Jahr „so warm wie nie“, verkündete kürzlich das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Mit einer mittleren Temperatur von 11,6 Grad Celsius erreichte sie den höchsten Wert der BSH-eigenen Datenreihe seit dem Jahr 1969.

„Im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 war es um 0,9 Grad Celsius wärmer. Jeder Monat lag deutlich über dem Langzeitmittel, Juni und Dezember setzten Rekorde“, so Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen.

Am BSH werden wöchentlich die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee untersucht und mit Satellitendaten sowie Messungen von Stationen und Schiffen kombiniert. „Diese Daten belegen, dass sich die Meere langfristig erwärmen – die Ostsee sogar noch schneller als die Nordsee“, heißt es in einer Mitteilung des Instituts. So lag die Oberflächentemperatur der gesamten Nordsee im Jahr 2025 im Jahresdurchschnitt mindestens 0,5 Grad über dem langjährigen Mittel, in vielen Regionen sogar mehr als 1 Grad darüber.

Doch nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in der Tiefe bis zum Meeresboden hat sich das Meerwasser erwärmt, wie die Ergebnisse des BSH zeigen: „2025 speicherte die Nordsee mit 1,46 Millionen Petajoule so viel Wärme wie nie zuvor, etwa 35.000 Petajoule mehr als im Vorjahr. Diese Differenz entspricht etwa dem Dreifachen des deutschen Primärenergieverbrauchs in 2024. Besonders von April bis September erreichte der Wärmeinhalt neue Rekorde.“

Hitzewellen gibt es auch im Meer

Als Folge des fortschreitenden Klimawandels speichern die Meere enorme Wärmemengen, was wiederum dazu führt, dass die Tier- und Pflanzenwelt unter Wasser immer häufiger marinen Hitzewellen ausgesetzt sind.

Noch drei Grad mehr bis 2100

Um Vorhersagen darüber treffen zu können, wie sich das Klima künftig entwickeln wird, erstellen das BSH und das Dänische Meteorologische Institut Klimasimulationen. „Diese sagen eine weitere deutliche Erwärmung vorher, sofern die Treibhausgasemissionen nicht drastisch sinken“, so die Mitteilung: „Bis zum Jahr 2100 lassen die Simulationen eine Temperaturänderung von +2,8 Grad in der Nordsee und +3,0 Grad in der Ostsee erwarten, im Vergleich zum Zeitraum von 1971 bis 2000.“

Wärmere Meere haben auch zur Folge, dass der Meeresspiegel steigt, warnt das BSH: „Ursachen sind die Ausdehnung des Wassers bei höheren Temperaturen und zusätzlich das Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden. Pegelmessungen belegen: In Cuxhaven stieg der Meeresspiegel seit 1900 um über 25 Zentimeter, in Warnemünde um knapp 20 Zentimeter.“ Dadurch würden auch Sturmfluten höhere Wasserstände erreichen. Bis zum Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel um 0,63 bis 1,01 Meter im Vergleich zum Zeitraum 1995 bis 2014 steigen, wie es der Weltklimarat der Vereinten Nationen berechnet hat.
„Selbst wenn wir weltweit sofort aufhören, Treibhausgase auszustoßen, wird der Meeresspiegel voraussichtlich noch Jahrhunderte weiter ansteigen. Das ist gefährlich gerade für unsere Küste. Es ist daher wichtig, mehr für den Klimaschutz zu tun. Wir können so Zeit gewinnen, um uns besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und unsere Küsten und damit auch die Bevölkerung vor Ort besser zu schützen,“ betont BSH-Präsident Helge Heegewaldt.

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