Neue Angebote in der Suchthilfe

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Beitrag vom Mittwoch, 06. Mai 2026

Neue Angebote in der Suchthilfe

Ob Alkohol, Medienkonsum oder Glücksspiel: Wer auf Norderney auf spezialisierte Suchthilfeangebote angewiesen war, suchte bisher nahezu vergebens. Mit einem neuen Förderprojekt und einer wieder neu ins Leben gerufenen Selbsthilfegruppe spannen der Sozialdienstleister Hol di toi und die Gruppe „Land in Sicht“ derzeit ein dichtes Netz aus Hilfen, die Suchtbetroffene und ihre Angehörigen sowohl beim Umgang mit der Sucht als auch mit Auswegen und dem anschließenden Bestehen im Alltag zur Verfügung stehen. Beide stellten dem Norderneyer Morgen kürzlich ihre neuen Angebote vor.

Hol di toi: Neue Sprechstunde gestartet

So können akut Betroffene sowie ihre Angehörigen und Arbeitgeber sich ab sofort in einer Suchtsprechstunde informieren. Diese wird durch Alexandra Remus angeboten. Sie hat mehr als 25 Jahre Erfahrung als Sozialarbeiterin, Suchttherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Tabakentwöhnungstherapeutin. Sie ist Ansprechpartnerin und vermittelt in weitere Hilfen, wenn nötig. Das Angebot ist vertraulich, die Betroffenen müssen nicht einmal ihren Namen nennen.

Die Suchtsprechstunde ist jedoch nur ein Baustein eines einjährigen Förderprojekts, umgesetzt von Hol di toi und finanziert durch die Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland – Leben ohne Sucht 2025“.

Als zweite Säule des Projekts absolvieren die Hol-di-toi-Geschäftsführung Thomas Schreiber und Kathi Giebel die Ausbildung zur Suchtberater/-in, um auch über das Förderjahr hinaus Expertise aufzubauen. „Im Rahmen der Eingliederungshilfe gehört die Suchterkrankung zu den seelischen Behinderungen“, erläutert Schreiber: „Diese Arbeit möchten wir so auch verbessern.“

Als dritter Baustein kümmert sich Alexandra Remus um die Netzwerkarbeit, um die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren auf der Insel zu stärken. Zudem sind Öffentlichkeitsprojekte zur Information und Aufklärung geplant.

Das Förderprojekt läuft bis Ende März 2027. Ziel ist es, dass die ganze Insel bis dahin die Wege versteht, um aus der Sucht herauszukommen, und im besten Fall Strukturen zu schaffen, die auch danach noch weiterlaufen, so Schreiber.

„Land in Sicht“: Beistand unter Gleichgesinnten

Wer bereits den Entzug hinter sich hat und sich mit Gleichgesinnten austauschen möchte, kann sich ab sofort an die Selbsthilfegruppe „Land in Sicht“ wenden. Mit dem 36-jährigen Norderneyer Eike Wichmann fand die Gruppe, die sich ehemals „Dröög Eilandproters“ nannte und sich seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr getroffen hatte, wieder zurück ins Leben. Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen mittwochs um 19 Uhr in den Räumen von Hol di toi in der Gartenstraße, ist aber eigenständig, betonen Wichmann und Mitstreiter Rolf van Velzen. Suchtbetroffene können sich hier austauschen; es wird über Themen gesprochen, die entweder durch Wichmann vorbereitet oder von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingebracht werden. „Natürlich bringt ein Mediensüchtiger ein anderes Päckchen mit als ein Kokain- oder Alkoholsüchtiger“, berichtet Wichmann, der selbst alkoholabhängig und seit rund einem Jahr „trocken“ ist: „Aber es geht darum, neue Denkanstöße zu geben. (…) Das ist oft das Problem mit der Sucht: Der Weg findet sich immer, aber du stehst meist alleine da. Und das muss nicht sein.“ Die Gruppe umfasst inzwischen rund sieben Menschen im Alter von 20 bis 75 Jahren.

Weitere Informationen zur Suchtsprechstunde von Hol di toi gibt es unter Telefon 0176-22508698 sowie per Mail unter info@holditoi.de.
Für die Selbsthilfegruppe ist Eike Wichmann unter
Telefon 0176-84445525 erreichbar.