Die Lage im Handwerk

Foto: Anja Pape

Beitrag vom Samstag, 17. September 2022

Handwerk: Bis zu 40 Prozent Mehraufwand

In der Ortshandwerkerschaft der Insel sind über 40 Norderneyer Betriebe aus verschiedenen Handwerkssparten organisiert, wie beispielsweise Bauunternehmen, Tischler, produzierende Betriebe wie Bäcker und Schlachter bis hin zu Friseuren und Optikern. In all diesen Sparten gibt es derzeit sehr unterschiedliche Probleme aufgrund der Pandemie, des Krieges und der Energieknappheit, berichtet Andreas Köhn, Vorsitzender der Norderneyer Ortshandwerkerschaft.

Während die Friseure gerade zu Beginn der Corona-Pandemie gelitten haben, sind nun Bäcker, Fleischer und Brauer durch starke Preisanstiege für Rohstoffe und Energie belastet. Viele Betriebe, die produzieren und bauen leiden derzeit vor allem durch den Zusammenbruch von Lieferketten und hohen Preisschwankungen. Während der ersten Zeit der Corona-Pandemie gab es zudem große Unsicherheiten in den Handwerksunternehmen. Der Informationsbedarf war sehr hoch und die Betriebe unterschiedlich stark von Einschränkungen und Corona-Schutzmaßnahmen betroffen, so Köhn.

Für alle Betriebe gleichermaßen hat sich im Laufe der vergangenen zwei Jahre der administrative Aufwand deutlich erhöht. Nach Köhns Einschätzung müssen die Unternehmen nun 30 bis 40 Prozent mehr Zeit für die Bewältigung dieser Probleme aufwenden, beispielsweise um ausreichend Material einkaufen zu können.
In der aktuellen Lage des Ukrainekrieges sind neben der schwierigen Energiemangellage weitere Materialengpässe dazugekommen. Besonders Metalle sind teurer geworden und werden oft mit Tagespreisen gehandelt. Nach Köhns Angaben verdreifachte sich der Preis, wodurch auch Kleinteile wie Schrauben nicht mehr günstig zu bekommen sind. Beim Konstruktionsvollholz habe es eine Verdreifachung der Preise gegeben und erst jetzt sei eine Entspannung bei Fichten- und Tannenholz spürbar. Die Kosten für Spanplatten liegen jedoch „immer noch auf einem sehr hohen Niveau“ und auch hier bestehen weiterhin große Lieferschwierigkeiten, so Köhn.

Die Heizungsbauer sind in einer Situation, in der das Material teilweise Wochen und Monate nicht lieferbar ist. Betroffen war von diesem Engpass unter anderem auf Norderney auch die umfangreiche Sanierung der Aula in der Kooperativen Gesamtschule, erzählt Köhn.

Aber bei vielen Handwerksbetrieben liege der Fokus nicht mehr in erster Linie auf dem Preis: „Für uns ist es wichtig, dass wir das Material überhaupt bekommen (…), und wenn wir es bekommen, dass wir es zu einem Preis kriegen, so dass wir es dem Kunden vernünftig verkaufen können“, sagt Köhn. Dabei ist die Beschaffung deutlich schwieriger geworden. Zudem gehen die Betriebe für das Material immer in Vorleistung, was sich immer auf die Liquidität der Unternehmen auswirkt.

So sind neben elektronischen Chips beispielsweise auch Ad-Blue, ein Treibstoffzusatz, ohne den Lastkraftwagen nicht fahren, oder Solarpanele kaum zu bekommen, so auch Silikone und Dichtmassen sowie Dämmmaterialien und Farben.

Viele Betriebe sind aus diesen Gründen dazu übergegangen, auf den Angeboten Klauseln einzufügen, da die Materialkosten sehr hohen Schwankungen unterworfen sind.

Die Verunsicherung ist aufseiten der Kundschaft zu spüren, trotzdem sind die Auftragsbücher auf Norderney voll, so Köhn. Auch die Handwerksbetriebe auf der Insel wissen nicht, was in den kommenden Monaten auf sie zukommen wird und versuchen vorzusorgen. Einige haben sich bereits entschieden, Notstromaggregate zu kaufen, um im Ernstfall weiterarbeiten zu können, berichtet Köhn und erklärt: „Das Energiethema hat viele sensibilisiert.“ So ist es für ihn nicht verwunderlich, dass rund 80 Prozent der Kundenaufträge auf Maßnahmen zur Energieeinsparung entfallen, weil diese immer noch gefördert werden.

Auf dem Festland, sagt Köhn, sieht es da ganz anders aus. Die festländischen Unternehmen haben es derzeit besonders im privaten Wohnungsbau mit einer Stornierungswelle zu tun. Für Köhn ist aber klar; „Es wird auch für uns Auswirkungen geben.“

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