Beitrag vom Montag, 15. Juni 2026
Geburtenzeit im Juni: Abstand halten, Ruhe bewahren
Die Seehundstation Norddeich hat die ersten beiden Heuler der Saison 2026 aufgenommen. „Ernie und Bert“, wie sie durch das Stationsteam getauft wurden, waren am 13. Mai auf Borkum und am 26. Mai auf Norderney mutterlos aufgefunden worden, wie die Station vermeldet. Nach Beobachtung durch Ehrenamtliche konnte ein bestehender Kontakt der Jungtiere zu ihren Muttertieren ausgeschlossen werden.
Die Heuler wurden zunächst in eine Quarantänestation gebracht, um sicherzustellen, dass sie gesund und überlebensfähig sind, und anschließend in die Seehundstation nach Norddeich übergeben.
Die Geburtenphase der Seehunde und somit die Aufzuchtphase steht in der dritten Juniwoche vor ihrem Höhepunkt, so die Mitteilung der Seehundstation: „Jungtiere werden von den Muttertieren auf den Sandbänken gesäugt und während der Nahrungssuche kurzfristig abgelegt.“ Ein Jungtier am Strand bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass es sich um einen Heuler handelt, der dauerhaft von seiner Mutter getrennt wurde.
Gerade an den langen Wochenenden im Juni kommt es zu häufigen Tier-Mensch-Begegnungen, warnt der Leiter der Seehundstation, Dr. Peter Lienau: „Häufig sind es von der Mutter kurzfristig abgelegte Jungtiere, die ein sehr hohes Ruhebedürfnis haben. Jede Störung durch uns Menschen kann dazu führen, dass sie verwaisen.“
Durch menschliche Störungen komme es vor, dass ein Jungtier nicht ausreichend gesäugt werden kann. Ihm fehle dann die Kraft, dem Muttertier zu folgen: „Also gerade jetzt gilt: Finger weg von den Wildtieren, Smartphone in der Tasche lassen und mal keine Fotos machen – Ruhe bewahren und Abstand halten. Sie helfen damit, Heuler zu vermeiden.“
Bewacht werden muss das Jungtier nicht. Im Notfall, also wenn das Tier sichtbar geschwächt oder verletzt ist, können Strandgänger den Fund der Seehundstation unter Telefon 04931-973330 melden. Ehrenamtliche Mitarbeiter wie die Wattenjagdaufseher prüfen anschließend, ob ein Einschreiten angemessen ist.
Verfasst von Anja Pape
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