Stadtwerke hat Krisenstab eingerichtet

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Beitrag vom Samstag, 02. Juli 2022

Gas-Versorgung: Stadtwerke hat Krisenstab eingerichtet

Nachdem die Bundesnetzagentur bereits Ende März die Frühwarnstufe Gas ausgerufen hatte, verkündete Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Donnerstag vergangener Woche die zweite Stufe des Notfallplans Gas, die sogenannte Alarmstufe. Grund war die deutlich reduzierte Gasliefermenge aus Russland über die Pipeline Nordstream 1. Russland verfolge mit dieser Verknappung das Ziel, das Auffüllen der deutschen Gasspeicher bis zur nächsten Heizperiode, akut zu gefährden, erklären die Norderneyer Stadtwerke in einer Stellungnahme. Die Alarmstufe ermöglicht den Zugriff auf Gasspeicher und das Akquirieren neuer Lieferquellen im großen Stil. Aktuell ist die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet und es ändert sich für die Verbraucherinnen und Verbraucher noch nichts.

„Aber die Lage muss sehr genau beobachtet und entsprechende Maßnahmen – wie beispielsweise die Reduzierung des Gasverbrauches – eingeleitet werden, damit auch im kommenden Winter 2022/2023 ausreichend Gas zur Verfügung steht“, so der Geschäftsführer der Stadtwerke Holger Schönemann in einer gestrigen Pressekonferenz. Er erklärte, „die Gasversorgung auf Norderney ist aktuell stabil, aber mit Blick auf den kommenden Winter ernst.“

Die Stadtwerke haben zwar die erforderliche Gasmenge bereits für das kommende Jahr eingekauft und die Verträge unterzeichnet, informierte das Unternehmen. Die Frage ist jedoch, ob das Gas am Ende auch geliefert werden wird. Trotz der guten Vorbereitung gilt in der Frage der Versorgungssicherheit der Insel das gleiche wie für ganz Deutschland, so Schönemann: „Wir befinden uns derzeit in einer kritischen Situation, aber es besteht kein Grund zur Panik. Aus unserer Sicht ist das Ausrufen der Alarmstufe die notwendige und richtige Konsequenz auf die aktuelle Lage. Als Energieversorger der Insel Norderney setzen wir alles daran, dass wir diese Krise gemeinsam meistern. (…) Aus diesem Grund haben wir bereits direkt nach dem Ausrufen der ersten Stufe – der Frühwarnstufe – einen Krisenstab eingerichtet, welcher sich intensiv mit den Notfallplänen auseinandersetzt. Unterstützt werden wir dabei zusätzlich von externen Fachexperten aus der Branche. Wir beobachten den aktuellen Zustand am Gasmarkt ganz genau und müssen diesen regelmäßig anhand der bestehenden Versorgungspläne neu bewerten“, berichtete Schönemann.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können die Stadtwerke Norderney noch keine Auskunft über die zukünftigen Preisanpassungen geben, allerdings ist absehbar, dass man sich auf deutlich steigende Preise einstellen muss, sagte Schönemann. Dies könnte auch schon kurzfristig in den nächsten Wochen geschehen, wenn die Bundesnetzagentur eine erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen aus Russland nach Deutschland feststellt mit der Folge, dass die fehlenden Mengen zu spürbar höheren Preisen anderweitig am Markt beschafft werden müssen. Damit würden die betroffenen Energieversorgungsunternehmen entlang der Lieferkette das Recht erhalten, ihre Gaspreise gegenüber ihren Kunden auf ein angemessenes Niveau anzupassen. „Diese Mehrkosten würden und müssen wir dann leider an unsere Kunden eins zu eins weiterreichen“, so das Unternehmen. Eine Anpassung der Abschläge hält Schönemann momentan nicht für notwendig. „Wenn es doch zu einer Preiserhöhung kommt, werden die Abschläge automatisiert durch uns angepasst.“

Mit einem Ausrufen der dritten Stufe des Notfallplans Gas – der Notfallstufe – wird dann der Staat in den Markt eingreifen, weil es eine Gas-Mangellage gibt und hohe Gas-Verbraucher abgeschaltet werden, um den Gasverbrauch in bestimmten Bereichen zu reduzieren. Aber auch dann sind bestimmte Kundengruppen besonders geschützt: Dazu zählen aktuell Haushaltskunden, soziale Dienste und öffentliche Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Feuerwehr und Polizei, erläuterte Schönemann. Diesen wird in der Energieversorgung oberste Priorität eingeräumt. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass beispielsweise Hotels, Schwimmbäder und Industrie in dieser Notsituation abgeschaltet werden können und auch werden, so der Stadtwerke-Geschäftsführer. Die Stadtwerke haben aus diesem Grund einen „Krisenstab Gas“ eingerichtet, der einmal wöchentlich tagen wird. In dem Krisenstab treten Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Unternehmensabteilungen zusammen sowie eine noch zu benennende Vertretung der Stadt Norderney. Derzeit gibt es mehrere Ideen und Diskussionen auf hohen politischen Ebenen, um die Belastungen für Wirtschaft und Verbraucher so gering wie möglich zu halten. Eines ist für den Geschäftsführer aber bereits klar: „Die Lage ist ernst, auch wenn bis auf Weiteres die Versorgungssicherheit noch gewährleistet ist. Wir bitten jetzt schon alle Norderneyer darum, gemeinsam mit uns Energie zu sparen. Jede Kilowattstunde Gas, die wir im Sommer einsparen, trägt dazu bei, dass wir mehr Gas einspeichern und dadurch hoffentlich besser durch den Winter kommen können. Dazu gehören kleine Dinge im Alltag wie zum Beispiel das Senken der Raumtemperatur oder die Dauer des Duschens. (…) Alles das hilft.“

Webseite eingerichtet

Das Unternehmen hat zu diesem Themenkomplex eine Webseite eingerichtet, die weitere Informationen und Antworten auf oft gestellte Fragen bereithält. Erreichbar ist die Seite unter www.stadtwerke-norderney.de/gas/versorgungssicherheit.

Zudem kündigte Schönemann eine Informationsveranstaltung an, um weitere Fragen beantworten zu können. Ein Termin stehe noch nicht fest. Außerhalb der Veranstaltung können Kunden jederzeit per Mail unter vertrieb@stadtwerke-norderney.de sowie telefonisch unter 04932–8790 Kontakt aufnehmen.

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