„Da haben wir was draus gemacht”

Foto: Linke

Beitrag vom Freitag, 23. Januar 2026

„Da haben wir was draus gemacht”

Vor 56 Jahren setzte der Norderneyer Willi Mitsching eine Idee in die Tat um: Er baute kurzerhand sein Wohnzimmer zur Kneipe um und eröffnete am 7. Januar 1970 die „Bierstube Um Süd“. Im Jahr 2001 übernahm Stefan Zimmer die Kneipe und bereitete damit nach Mitschings Tod einem mehrfachen zwischenzeitlichen Pächterwechsel ein Ende.

Heute, weitere 25 Jahre später, ist seine „Pilsstube Um Süd“, wie sie heute heißt, eine feste Instanz direkt hinter dem Deich. Der Werder-Bremen-Fanclub hat hier seine Heimat, Stammgäste von der Insel und dem Festland kehren ein sowie die Fußballer der „Alten Herren“ vom TuS Norderney und die Boßler. Auch der einzige verbliebene Kaiclub der Insel, dem der Wirt ebenfalls angehört, trifft sich in der Pilsstube. Seit 25 Jahren mit an Bord ist auch seine Aushilfe, „die Hella“. Highlight seit 16 Jahren ist das jährliche Sommerfest für den guten Zweck. „Da haben wir richtig was draus gemacht“, sagt Zimmer anerkennend im Gespräch mit dem Norderneyer Morgen.

Dieses findet an einem Vormittag statt, um 11 Uhr. Da ist die Theke noch unbesetzt, die Bestellungen macht der Wirt noch schnell per Smartphone, die Knobelbecher der Stammgäste stehen in den Fächern an der Wand. Jeder hat hier seinen eigenen, insgesamt sind es 60 bis 80 Stück, schätzt Zimmer. Unter der Decke hängen unzählige Fußballschals.

Die hohen Tische im Gastraum haben über die Zeit aus anderen Inselgastronomien hierhergefunden, die längst geschlossen sind: aus dem Waldcafé Booken, dem Möpken und der Bar in der Nordstrandperle. „Hier ist so Kuddelmuddel“, sagt Zimmer und lacht: „Da sitzt dann der Klempner neben dem Bankier und man knobelt zusammen.“ Oder es wird Fußball geschaut – und viel über die Insel gesprochen. „Gerade die Einheimischen fragen dann, was es Neues gibt. Ich lese am Tag vier Zeitungen und schaue dreimal täglich Nachrichten, damit ich immer auf dem Laufenden bin. Du musst die Leute ja auch unterhalten können.“

Würstchenklau und Wattschlick

Insgesamt weiß er seine guten und vernünftigen Gäste sehr zu schätzen: „In all den Jahren gab es nicht eine Schlägerei.“ Dabei kann es auf den rund 40 Quadratmetern plus Biergarten schon mal eng werden. „Das Höchste waren 80 Leute“, erinnert sich Zimmer: „Damals hat meine Frau noch geholfen, und als sie dann Feierabend hatte nach dem Fußball, da ist sie rausgegangen und da saßen noch acht, neun Leute draußen. Die sind aufgestanden und haben geklatscht und gesagt: ‚Chapeau Mädchen, was du hier gemacht hast.‘ Als Gastronom kannst du Bücher schreiben. Du glaubst du kennst schon alles, aber du erlebst in der Gastronomie jeden Tag wieder etwas Neues.“

Etwa, als ihm an einem Pfingstwochenende bei vollem Haus die Bratwürste aus der Küche vom Grill geklaut wurden. „Oder die Toilettengänger, die hier reinspazieren, ohne was zu sagen“, schmunzelt Zimmer: „Das sind teilweise ganze Kindergruppen, die aus dem Watt kommen und alle hier reinmarschieren mit ihren matschigen Gummistiefeln. Ich kann das verstehen, wandere mal von der Oase hierher. Die nächste öffentliche Toilette ist erst wieder in der Stadt. Aber sie könnten zumindest fragen.“

„Die 30 kriegen wir noch voll“

Für seine Gäste versucht Zimmer, trotz steigender Kosten die Preise möglichst niedrig und fair zu halten. Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie hilft ihm dabei nicht, denn die gilt nur für Speisen und nicht für Getränke. Auch die Fußballübertragungen werden teurer, auch weil immer mehr Abonnements für die Plattformen nötig sind, auf denen die Spiele übertragen werden. Macht es auch nach 25 Jahren noch Spaß? „Die zittern natürlich jetzt alle, wie lange ich noch mache“, lacht Zimmer: „Ich habe jetzt angekündigt: Fünf Jahre mach ich noch, dann kriegen wir die 30 noch voll. Wenn alles gesundheitlich mitläuft, dann bin ich 67. Man muss immer schauen, wieviel Lust und Laune so da ist.“