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Samstag, 08.August 2020 - 06:00 Uhr | Kategorie Aktuelles, Allgemein

Busse nur mit halber Auslastung

Busse auf Norderney nur mit halber Auslastung

Titelbild: Sykora

Wer auf Norderney ankommt, macht entweder einen Spaziergang zu seiner Unterkunft oder nimmt ein Taxi oder den Bus. Auch im insularen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), zu dem die Linienbusse gehören gilt die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, da dort der Abstand nicht einzuhalten ist. Dies ist in den Verordnungen der Länder verankert. Der Linienverkehr auf der Insel wird vom Unternehmen Peter Tjaden Nahverkehr gewährleistet. Die Firma gehört zur Reederei AG Norden-Frisia. Der Norderneyer Morgen sprach mit dem Fahrdienstleister und Busfahrer Chell Michels über die aktuelle Situation an den Haltestellen und in den Bussen.

Jeder wird mitgenommen

99 Prozent der Fahrgäste würden sich auch daran halten, berichtet Michels, der seit zehn Jahren die Gäste über die Insel fährt. Ein paar Unbelehrbare oder Unwissende würde es aber immer geben und dass obwohl sogar große Aufkleber mit dem Hinweis auf Maskenpflicht an den Bustüren angebracht seien. Zudem würden die Abstandsregeln an den Haltestellen nicht immer eingehalten werden, wie er immer wieder beobachten könne. Die Angst nicht mitgenommen zu werden, sei anscheinend groß, so die Einschätzung des 50-Jährigen. „Jeder erreicht das Schiff und jeder kommt in die Stadt“, betont Michels. Immer wieder gebe er den wartenden Fahrgästen den Hinweis, dass ein weiterer Bus komme, wenn die Höchstmenge an Passagieren im Fahrzeug erreicht sei. Dennoch gebe es öfter Diskussionen und sogar Streit und Beleidigungen den Busfahrern gegenüber. „Da kann man nur mit dem Kopf schütteln“, so der Fahrdienstleiter. Man bekomme den Eindruck, dass die Urlaubsgäste denken, das Virus gebe es nur auf dem Festland. Aber es könnte jederzeit auch wieder auf die Insel kommen und was dann, fragt sich der Norderneyer.

Nicht voll besetzt

Um einen optimalen Schutz zu gewährleisten, würden sie derzeit pro Fahrt nur 25 bis 30 Passagiere mitnehmen und dafür mehr Busse als sonst einsetzen. Normalerweise habe ein Bus 30 Sitzplätze und 70 Stehplätze. 13 Bus- und zwei Aushilfsfahrer stünden für die Fahrten der Linien 1, 2, 3, 5 und 6 zur Verfügung. An Tagen, wenn große An- und Abreise sei, seien es auch schon mal vier Busse nur für die Linie 1, die die Route Hafen-Stadt fährt und am meisten frequentiert sei. Zur jetzigen Hochsaison würden sie an einem klassischen An- und Abreisetag zwischen 2.000 bis 2.500 Menschen transportieren, schätzt der Fahrdienstleiter.

„Erwachsene“ Kinder

Geschützt vor einer möglichen Ansteckung seien sie als Fahrer durch eine Plexiglaswand und auch dadurch, dass vermehrt kontaktlos, also mit Karte oder E-Ticket gezahlt werde. Zudem seien die Kipp- und Dachfenster in den Bussen geöffnet, um so für Frischluft zu sorgen. Aber eine hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben, deshalb appelliert Michels an alle Fahrgäste, sich an die bestehenden Regeln zu halten und eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, um damit nicht nur sich selbst, sondern auch an seine Mitmenschen zu schützen. In den Bussen seien zudem Desinfektionsspender angebracht. Diese würden am häufigsten von den Kindern benutzt, so Michels. Da seien die Kinder „erwachsener“ als die Erwachsenen.

Nach dem Abfertigen der letzten Fähre haben die Busfahrer aber noch nicht Feierabend. Dann müsste das Fahrzeug gründlich gereinigt und desinfiziert werden, beschreibt Michels das allabendliche Ritual. An einem belebten Tag wüsste man, was man getan hat. Es sei nicht nur ein bisschen Rumfahren.