Norderneyer Bürgermeister Frank Ulrichs, Einrichtungsleiterin Insa Jarkusch und der Landrat des Hochsauerlandkreises Dr. Karl Schneider vor dem Haus Arnsberg

Foto: Sykora

Beitrag vom Sonntag, 03. Oktober 2021

100 Jahre Arnsberg: Betreuen, fördern, beraten

Eine besondere Einrichtung feierte dieser Tage sein 100. Jubiläum: Das Kinderkurheim Arnsberg an der Marienstraße.
Die Einrichtung ist zwar seit September 2020 kein Erholungsheim mehr, sondern ein Kinder- und Jugendhilfezentrum mit dem passenden Namen „Ankerplatz“, aber der Träger Hochsauerlandkreis, „hat damit weiterhin das Wohlergehen seiner jungen Menschen im Blick“, wie dessen Landrat Dr. Karl Schneider bei der Feierstunde betonte

In den 50er-Jahren ging es aufwärts

Die erste Erholungsmaßnahme fand im Juni 1921 mit 35 Kindern statt und bis zu den Jahren 1932/33 wurden über 3.000 unterernährte und gesundheitlich gefährdete Kinder aufgenommen, erinnerte Schneider in seiner Rede an die Anfänge des Hauses.
Die Nachkriegsjahre gestalteten sich schwierig, bis es in den 50er-Jahren wieder aufwärts ging. „Die Einrichtungen schossen wie Pilze aus dem Boden“, so Bürgermeister Frank Ulrichs in seinem Grußwort. Der Bedarf war hoch und täglich trafen bei der Gemeinde Anfragen nach freien Plätzen ein. Viele Städte und Gemeinden kauften seinerzeit Hotels und Pensionen auf, um eigene Kinderkurheime zu gründen.
Da die Norderneyer während der Kriegszeit kein Einkommen hatten, verkauften einige ihre Häuser. „Insofern sind die Immobilien damals durchaus ehrenwerten Zwecken zugeführt worden“, sagte Ulrichs.

20 Ankerplätze

„Wir sind auch nach 100 Jahren nicht müde geworden, das Wohlergehen der jungen Menschen hier auf Norderney auch weiterhin im Blick zu behalten“, betonte der Landrat des Hochsauerlandkreises. Mit dem Übergang in das moderne Jugendzentrum Ankerplatz hat der Landkreis im Sinne der Jugendlichen und Eltern gehandelt, „da gab es überhaupt keine politische Diskussion“, sagte Schneider im Hinblick auf die sinkenden Belegungszahlen im ehemaligen Kinderkurheim. Seit Eröffnung der neuen Jugendhilfeeinrichtung „Ankerplatz“ im vergangenen September konnten schon über 170 Kinder von dem Angebot profitieren, freute sich deren Leiterin Insa Jarkusch. 20 kurzzeitstationäre Plätze stehen ganzjährig für Kinder und Jugendliche von zwei bis 15 Jahren zur Verfügung.

Als Aufnahmegründe nannte Jarkusch massive familiäre Spannungen zwischen Eltern und Kindern, Konflikte bei Trennungs- und Scheidungssituationen, Unterstützung von Pflegefamilien, Kontaktschwierigkeiten zu Gleichaltrigen, Mobbing oder Schulmüdigkeit, aber auch Notsituationen bei Ausfall der Eltern oder die Überbrückungszeit vor einer Unterbringung in einer Wohngruppe. Zehn pädagogische und therapeutische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen, fördern und beraten die Kinder und Jugendlichen während ihres Aufenthaltes in der Einrichtung.
Worüber sich Jarkusch immer sehr freut ist, dass ehemalige Kurkinder vorbeischauen und gute Erinnerungen an ihre Zeit im Kinderkurheim Arnsberg haben, erzählte sie im Gespräch. „Wir leben nun mal nicht in einer heilen Welt und davon sind nun leider auch unsere Kleinen und Kleinsten betroffen“, sagte Ulrichs und wünschte der Einrichtung, dass sie ein Ort der Erholung, Entspannung und Ruhe wird. „Es ist eine ausgesprochen verdienstvolle Tätigkeit, sich der Kinder und Jugendlichen anzunehmen“, so Ulrichs.
Infos zur Einrichtung und dem Aufnahmeverfahren sind unter norderney-ankerplatz.de zu finden.