Stadtwerke bauen Beratung aus

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Beitrag vom Dienstag, 17. März 2026

Stadtwerke bauen Beratung aus

Die Stadtwerke stellen sich organisatorisch neu auf und bauen gleichzeitig ihre Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger aus. Geschäftsführer Holger Schönemann und Bereichsleiter Norbert Pesch erläuterten bei einem Pressegespräch, dass das Unternehmen damit auf die wachsenden Anforderungen der Energiewende und den steigenden Beratungsbedarf vieler Kunden reagiert.

Hintergrund sind die Klimaziele von Bund und Land Niedersachsen, nach denen die Energieversorgung schrittweise klimaneutral werden soll. Niedersachsen strebt dieses Ziel bis zum Jahr 2040 an. Auch auf Norderney bedeutet das langfristig eine Abkehr von fossilen Energieträgern wie Erdgas. Für viele Häuser auf der Insel stellt sich damit die Frage, welche Alternativen künftig für die Wärmeversorgung infrage kommen.

Nach Einschätzung der Stadtwerke verlangt die Energiewende auf der Insel eigene Ansätze. „Du kannst Norderney nicht mit Oldenburg oder anderen Orten auf dem Festland vergleichen“, sagte Schönemann. Tourismus, Hotels, Gastronomie und zahlreiche Ferienwohnungen brächten besondere Anforderungen an die Energieversorgung mit sich.

Gleichzeitig stoßen manche Lösungen auch an technische Grenzen. Nicht jedes Gebäude könne ohne Weiteres auf eine Wärmepumpe umgestellt werden, erläuterte Schönemann. Teilweise seien die Stromnetze in den Straßen dafür nicht ausgelegt. Wenn mehrere leistungsstarke Anlagen gleichzeitig angeschlossen würden, müssten zunächst Leitungen und Netze verstärkt werden. Gerade wegen dieser komplexen Fragen wollen die Stadtwerke ihre Beratung künftig stärker ausbauen.

Kern der Umstrukturierung ist ein neuer Bereich für Markt- und Kundenmanagement, den der Energieversorger im Oktober 2025 eingerichtet hat. Dort arbeiten künftig Vertrieb, Kundenservice, Marketing, Produktmanagement sowie ein Key-Account-Management enger zusammen, das größere Kunden wie Hotels oder Unternehmen der Insel individuell betreut. Ziel ist es, Entscheidungen schneller zu treffen und neue Angebote gezielter zu entwickeln.

Eine Stabsstelle für Unternehmensentwicklung und Projektmanagement kümmert sich zudem künftig um strategische Fragen und größere Projekte. Gleichzeitig bündelt der Energieversorger technische Themen wie Netzbetrieb, Wärmeversorgung und erneuerbare Energien stärker.

Von den Umstrukturierungen profitieren auch die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen. Die Stadtwerke stehen inzwischen regelmäßig mittwochs mit einem Informationsstand auf dem Wochenmarkt. Dort beantworten Mitarbeiter Fragen rund um Energieverbrauch, Photovoltaik oder neue Heiztechnik und vereinbaren Beratungstermine.

Auch das Kunden- und Beratungszentrum wurde umgestaltet. Zudem verlängerte das Unternehmen seine Öffnungszeiten: Donnerstags ist die Beratung nun bis 18 Uhr möglich, Gespräche lassen sich bei Bedarf auch außerhalb der üblichen Zeiten vereinbaren. Der Beratungsbedarf wird nach Einschätzung des Unternehmens deutlich zunehmen. „Die Kunden verlangen nach Lösungen, begründete Schönemann diese Schritte.

Die Stadtwerke haben sich in den vergangenen Jahren vom reinen Energieversorger zu einem sogenannten Multiliner entwickelt – einem Unternehmen, das mehrere Versorgungsleistungen aus einer Hand anbietet. Neben Strom, Gas und Wasser bietet das Unternehmen inzwischen weitere Leistungen an, darunter Internet, Kabelfernsehen, Energieberatung sowie Lösungen rund um Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen.

Künftig will das Unternehmen auch den Bau solcher Anlagen für Kunden übernehmen und diese anschließend verpachten. Bei Photovoltaikanlagen setzen die Stadtwerke dieses Modell bereits um: Sie planen und errichten die Anlage auf dem Dach, während Kundinnen und Kunden eine monatliche Pacht zahlen und den erzeugten Strom selbst nutzen. Ein ähnliches Angebot plant der Energieversorger auch für Wärmepumpen.