Beitrag vom Donnerstag, 26. Februar 2026
Situation an den Ostbadestränden:Loth: „Es wird zu viel Ärger kommen“
Die Strände Weiße Düne und Oase im Inselosten gehören in den Sommermonaten zu den schönsten Badestränden der Insel. Doch ob es auch in diesem Jahr dort Badebetrieb geben wird, steht aktuell so gefährlich auf der Kippe wie die Dünenkanten an der Weißen Düne selbst.
Dort nämlich trägt das Meer seit mehreren Jahren stetig den Sand wieder fort, den das Staatsbad jeden Sommer aufschütten lässt. Die Abrisskante reicht immer näher an die Dünen heran. „So wie sich die Weiße Düne heute darstellt, wird ohne einen erheblichen Kostenaufwand von bis zu 300.000 Euro für die Sandaufschüttung eine Betreibung dort gar nicht möglich sein“, erläuterte Kurdirektor Wilhelm Loth im Rahmen eines kürzlichen Pressetermins: „Das heißt also, wir müssen uns irgendetwas einfallen lassen.“
Zwar hatte die Stadt Norderney im vergangenen Jahr einen Bebauungsplan für den konzessionierten Strandbereich aufgestellt, mit dem das Staatsbad unabhängig von der freistehenden Holzplattform seine Strandaufbauten innerhalb eines bestimmten Bereiches aufstellen kann. Aber, so der Kurdirektor: „Es ist auch irgendwie ein Treppenwitz der Geschichte: Jetzt haben wir nach vier Jahren den Bebauungsplan dort fertig und haben keinen Strand mehr übrig.“
Eigentlich hatte das Staatsbad schon eine Alternative parat: den Schwerpunkt auf die Oase zu legen. Doch dort machen in diesem Sommer die Horizontalbohrungen des Übertragungsnetzbetreibers Amprion den Plänen des Staatsbades wortwörtlich einen Strich durch die Rechnung bzw. durch den Sand. Laut der Bauplanung, die dem Staatsbad in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, werden nämlich in den Monaten Juli und August die Leerrohranlagen für die Inselunterquerung genau quer vor dem Badefeld liegen und nicht von den Urlaubsgästen überquert werden können: „Das heißt also, dass ein Baden dort genau in den zwei Hauptmonaten voraussichtlich gar nicht möglich sein wird.“
Angesichts der sechsstelligen Kosten, die das Staatsbad jedes Jahr für den Aufbau des Oasestrandes aufwendet, gilt es also auch hier abzuwägen. Schon jetzt verzichtet das Staatsbad aufgrund der Horizontalbohrungen auf bis zu 200 Strandkörbe von ursprünglich 500. Und, so gibt der Kurdirektor zu bedenken: „So ein Strand verliert auch seinen guten Ruf über die Jahre, wenn da ständig Baustelle ist. Das ist einer unserer schönsten Strände, und wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass es natürlich eine der Hauptmotivatoren ist, auf eine Insel zu kommen: schöne Strände zu haben, schwimmen zu gehen, sich es am Strand gut gehen zu lassen.“
Gespräche führen für eine „möglichst schlanke Lösung“
Mit dem Umgang mit den Ostbadestränden hat sich am vergangenen Montag der Aufsichtsrat des Staatsbades befasst. Eine konkrete Entscheidung wird jedoch erst in den kommenden Wochen fallen. Wie das Staatsbad am gestrigen Mittwoch mitteilte, soll zunächst das Gespräch mit dem Land Niedersachsen sowie mit dem Unternehmen Amprion gesucht werden. Ziel sei es, eine „tragfähige und möglichst schlanke Lösung“ zu finden, Planungssicherheit zu schaffen und gleichzeitig die naturschutzrechtlichen, infrastrukturellen sowie wirtschaftlichen Anforderungen in Einklang zu bringen: „Nur im konstruktiven Dialog aller Beteiligten kann eine Lösung entwickelt werden, die sowohl den Schutzinteressen als auch den touristischen Belangen der Insel gerecht wird.“ Das Staatsbad Norderney werde transparent über weitere Entwicklungen informieren, sobald belastbare Ergebnisse vorliegen, heißt es weiter.
Über eines ist sich Loth sicher: „Ganz egal, was wir entscheiden werden: Es wird zu viel Ärger kommen in diesem Jahr, das wissen wir jetzt schon.”
Verfasst von Dorothee Linke
Abgelegt unter
Nächster Artikel
27. Februar 2026
Vorheriger Artikel
25. Februar 2026



