Inselkantorenstelle

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Beitrag vom Freitag, 19. Juni 2026

Sicherung der Kantorenstelle:Förderverein startet Spendenaktion „1000 x 100“

Der Norderneyer Förderverein Kirchenmusik hat eine Spendenaktion zur Sicherung der Inselkantorenstelle ins Leben gerufen. Unter dem Motto „1000 x 100“ sucht der Verein Unterstützer, die sich mit einer regelmäßigen Spende einbringen. Ziel ist es, mit 20.000 Euro pro Jahr die evangelische Kirchengemeinde bei der Erhaltung der Stelle zu unterstützen, verrät Gudrun Fliegner, Kantorin und zweite Vorsitzende des Fördervereins. Aufgrund rückläufiger Kirchensteuermittel kann die Finanzierung schon jetzt nicht mehr alleine durch Kirchensteuern gedeckt werden.

Die Kantorenstelle wird seit 2019 von der Kirchenmusikerin Gudrun Fliegner ausgefüllt. Sie ist verantwortlich für die Organisation des musikalischen Veranstaltungsprogramms der Gemeinde, bringt Künstlerinnen und Künstler auf die Insel, bietet Orgelkonzerte an und gestaltet die Gottesdienste mit. Darüber hinaus hat die Kantorin die Leitung und Organisation für den überwiegenden Teil der Norderneyer Chöre inne, darunter der Gospelchor „Starfish Singers“, die Kantorei, der Kinder- und der Jugendchor sowie der Posaunenchor. Seit einigen Jahren gehören auch mehrere Musikwochen pro Jahr fest in den Programmkalender, an denen zahlreiche Inselgäste teilnehmen.

Einnahmen reichen nicht mehr aus

Dass diese vielseitige Aufgabe hauptamtlich weitergeführt wird, ist jedoch nicht selbstverständlich, denn die Stelle wird aus Kirchensteuermitteln bezahlt, die die Gemeinde jährlich vom Kirchenkreis zugewiesen bekommt. Neben der Größe der Gemeinde wird dabei auch das hohe Gästeaufkommen auf der Insel einberechnet. Für das Personal gibt es eine Pauschale, erläutert der Pastor der evangelischen Kirchengemeinde, Stephan Bernhardt: „Auf Norderney müsste diese im Idealfall für die Teilzeitstellen der Küsterin sowie der Sekretärin und für die Vollzeitstelle der Kirchenmusikerin reichen. Lange hat das auch geklappt.“

Doch die Zuweisungen sind rückläufig, die regulären Einnahmen der Gemeinde aus Kirchensteuern gingen in den vergangenen fünf Jahren um fast 20 Prozent zurück. Noch deckt zwar die Pauschale den größeren Teil der Personalausgaben, „aber im letzten Jahr lag das Defizit bei der Kantorenstelle bereits bei rund 30.000 Euro. Das konnte nur durch großzügige Zuschüsse des Fördervereins Kirchenmusik und der Stiftung Inselkirche ausgeglichen werden“, erläutert Bernhardt.  Die sinkenden Einnahmen wirken sich auch auf andere Bereiche aus, etwa auf die Unterhaltung der kirchlichen Gebäude.

Förderung lieber gezielt

Seit Juni 2021 ist die Zahl der Gemeindemitglieder um 500 auf heute 1.905 Mitglieder gesunken. Auch das wirkt sich auf die Berechnung der jährlichen Zuweisung aus. Mehr als die Hälfte des Rückgangs ist laut Bernhardt auf Sterbefälle zurückzuführen; auch wurden weniger Kinder getauft. 216 Personen sind über die vergangenen fünf Jahre ausgetreten. „Die Zugehörigkeit zur Institution Kirche ist einfach nicht mehr so selbstverständlich wie früher“, so seine Einschätzung: „Ich stelle aber fest: Diejenigen, die sich zu den Gründen ihres Austritts äußern, nennen meist die Kirchensteuer. Manche sind sogar dazu bereit, die kirchliche Arbeit hier vor Ort trotzdem gezielt zu fördern. Sie haben also den Eindruck, dass nicht genug ‚unten ankommt‘. Unser größtes Kapital bleiben die Menschen, die die kirchliche Arbeit hier vor Ort mittragen. Das sind neben den hauptamtlichen Kräften die Ehrenamtlichen, die in den Gruppen und Kreisen aktiv sind und die vielfältigen geistlichen, musikalischen und sozialen Angebote möglich machen.“

Auch die Kantorenstelle bleibe für den Kirchenvorstand „selbstverständlich unerlässlich“, so Bernhardt. Aber nur durch zusätzliche Initiativen vor Ort werde sie auch dauerhaft bleiben können: „Dafür tragen wir auf der Insel die Verantwortung selbst. Deshalb kommt die Aktion „1000 x 100“ des Fördervereins Kirchenmusik jetzt genau richtig.“

„Auf Norderney haben wir in unserer Kirche immer etwas Doppeltes“, beschreibt Gudrun Fliegner das Inselgefüge: „Es gibt die Inselgemeinde, sie sich in den Musikgruppen, dem Weltladen oder in den Handarbeitsgruppen zeigt und immer wieder trifft. Und wir haben eine deutschlandweite Urlaubergemeinde, die unsere Veranstaltungen, Konzerte und Vorträge nutzen. Wenn da Leute sind, die sagen, ich erlebe da immer so gute Momente mit der Kirchenmusik und möchte unterstützen, dass sich das langfristig trägt, dann hätten wir die echt gerne mit dabei.“

Weitere Informationen zu der Spendenaktion „1000 x 100“ gibt es online unter http://kirchenmusik-norderney.de .