ÖPNV: Busbetriebe fordern pragmatische Lösungen

Beitrag vom Mittwoch, 28. Januar 2026

ÖPNV: Busbetriebe fordern pragmatische Lösungen

Über den Tagesordnungspunkt „Maßnahmen zur Attraktivierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)“ hatte der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr der Stadt Norderney in seiner letzten Sitzung des vergangenen Jahres beraten (siehe unsere Ausgabe vom 20. Januar 2026). Die Grünen-Fraktion vertreten durch Stefan Wehlage hatte darin eine aus ihrer Sicht unzureichende Bedienung der Buslinien 2 und 3 angesprochen, insbesondere abends nach Ankunft der letzten Fähre sowie am Wochenende am frühen Morgen. „Morgens wegkommen und abends ankommen“ – so sah es auch CDU-Ratsherr Andreas Köhn: Wenn man Verkehr in der Stadt reduzieren wolle, müsse der ÖPNV funktionieren.

Als Antwort auf diese Sitzung melden sich in dieser Woche die beiden Busunternehmen der Insel in einer gemeinsamen Presseerklärung zu Wort. Unter der Überschrift „Mobilität auf Norderney braucht Realitätssinn, keine Ideologie“ schreiben Busunternehmer Rüdiger Fischer und Joop Meyer, Geschäftsführer der Peter-Tjaden-Nahverkehrs-Gesellschaft: „Als Genehmigungsinhaber von Linienbusverkehren auf Norderney sehen wir täglich, was funktioniert und was nicht. Ein attraktiver ÖPNV ist wichtig. Aber nahezu leere Busse, die im starren Takt über die Insel fahren, sind weder ökologisch, noch ökonomisch sinnvoll.“

Mobilität funktioniere auf der Insel nur im Zusammenspiel von Linienbussen, flexiblen Angeboten und Taxen, wie es auch das Personenbeförderungsgesetz vorsehe, sind die Betreiber überzeugt. „Die Beförderung mit Taxen kostet mehr, bietet aber gerade zu Randzeiten und bei schwankender Nachfrage genau das, was eine Insel braucht: bedarfsgerechte Mobilität. Die Menschen können dann selbst entscheiden, wann und wie sie unterwegs sind.“

Zudem erinnern die Unternehmen an den inzwischen wieder eingestellten Linienbedarfsverkehr „Mooev“. Das Angebot fand mit der Einführung des Deutschlandtickets ein jähes Ende, da die Betreiber das Ticket hätten akzeptieren müssen und dies ihrer Einschätzung nach wirtschaftlich nicht umsetzbar war. Mit dem „Mooev“ habe es eine „echte Alternative zum eigenen Auto“ gegeben, sind Fischer und Meyer überzeugt. Bei seiner Einführung habe die Stadtverwaltung den Projektstart ermöglicht und das Angebot sei durch Bürgermeister Frank Ulrichs sowie dem CDU-Ratsherr Jann Ennen begleitet worden: „Umso enttäuschender ist es, dass dieses Projekt politisch nur unzureichend unterstützt wurde.“ Insbesondere von den Grünen habe es sogar „massive“ Kritik gegeben: „Diese Haltung ist für uns bis heute nicht nachvollziehbar. (…) Norderney ist keine Großstadt. Wer hier ernsthaft den Autoverkehr reduzieren will, braucht pragmatische Lösungen statt ideologisch geprägter Taktmodelle, die an der tatsächlichen Nachfrage vorbeigehen. Unser Ziel ist simpel: eine Mobilität, die angenommen wird, funktioniert und wirklich eine Alternative zum Auto bietet – ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und alltagstauglich für Insulaner, Gäste und auch für unsere Mitarbeiter.“

Mobilitätskonzept: Veränderungen „Fehlanzeige“

Auch zu dem Mobilitätskonzept, das der Rat im vergangenen Jahr nach mehrjähriger Entwicklung verabschiedet hatte, haben die Busbetreiber eine eindeutige Meinung: „Wir fragen uns zunehmend, wie das viel zitierte Verkehrskonzept für Norderney konkret aussehen soll?“ Spürbare Veränderungen im Alltag seien bisher „Fehlanzeige“. „Zudem stellt sich die bislang unbeantwortete Frage, wie ein solches Verkehrskonzept unter den Rahmenbedingungen einer eigenwirtschaftlichen Bedienung überhaupt realisiert werden soll“, heißt es in dem Schreiben: „Wer neue Anforderungen formuliert, muss auch sagen, wie diese praktisch und wirtschaftlich umsetzbar sein sollen. Die Menschen auf Norderney erwarten Lösungen und keine immer wiederkehrenden Scheindebatten.“