Licht aus in den Apotheken

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Beitrag vom Donnerstag, 18. Dezember 2025

Licht aus in den Apotheken

In den Apotheken der Insel blieb es dunkel – in der Parkapotheke bis zum Mittag, in der Kur- und der Rathausapotheke am Nachmittag. Unter dem Motto „Versorgungsblackout“ folgten Apotheken in ganz Deutschland dem Aufruf der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA): Sie protestieren für die Anhebung ihres Honorars und machen auf ein seit Jahren anhaltendes Apothekensterben aufmerksam – wieder einmal, denn seit den letzten größeren Protestaktionen vor rund zwei Jahren hat sich an den Rahmenbedingungen im Wesentlichen nichts geändert, berichteten der Norderneyer Apotheker Gunnar Majert und die Norderneyer Apothekerin Elgin Wondratschek. So wurde das Festhonorar bei jeder Abgabe eines rezeptpflichtigen Medikaments seit 13 Jahren nicht erhöht, auch einen Inflationsausgleich gibt es nicht, und das bei gleichzeitig steigenden Kosten. Zudem bekommen Vor-Ort-Apotheken die Konkurrenz der Online-Anbieter zu spüren, obwohl die Medikamente auch auf Norderney bei Bestellung in der Filiale schneller bei den Kunden ankommen, eine Beratung durch Fachleute geboten wird und per App bestellt werden kann. Selbst Botendienste nach Hause können bei Bedarf in Anspruch genommen werden.

„Im Prinzip rütteln wir schon das ganze Jahr auf, denn weil uns Personal fehlt, gehen schon täglich um 17 Uhr, mittwochnachmittags und samstags bei uns die Lichter aus“, sagt Wondratschek. „Unser Beruf muss dringend attraktiver und besser bezahlt werden.“ Da die Apotheken aber für verschreibungspflichtige Arzneimittel gesetzlich vorgegebene Honorarzahlungen erhalten, gibt es für sie kaum Möglichkeiten, ihre Gewinne zu erhöhen.

Hinzu komme eine zu geringe Vergütung der Notdienste, ergänzt Majert: „Auf der Insel kommen wir auf eine Notdienstbelastung von 122 Tagen im Jahr pro Apotheke. Da fällt das schon ins Gewicht.“
Die ABDA weist in ihrer Mitteilung darauf hin, dass die aktuelle Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eine Erhöhung des „Apothekenpackungsfixum einmalig auf 9,50 Euro“ vereinbart habe, also um 1,15 Euro pro Medikament. „In den Referentenentwurf für ein Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz vom 20. Oktober 2025 ist dagegen die Erhöhung (…) nicht aufgenommen worden.“ ABDA-Präsident Thomas Preis fordert daher: „Die ausbleibende finanzielle Hilfe der Bundesregierung bedroht die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln. (…) Wir brauchen eine schnelle Erhöhung unseres Honorars, um das Apothekensterben zu stoppen – so, wie es die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag versprochen hat. Zudem brauchen die Apotheken eine verlässliche Verhandlungsmöglichkeit mit den Krankenkassen, so wie es sie bei Ärzten und Krankenhäusern auch schon längst gibt, um das Honorar regelmäßig an steigende Kosten anzupassen.“

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