Beitrag vom Mittwoch, 01. Juli 2026
Krankenhaus: Stadt plant die Zukunft
Die Übernahme des Krankenhauses steht kurz bevor. In Aurich soll der Kaufvertrag notariell beurkundet werden, informierte Bürgermeister Frank Ulrichs.Gleichzeitig beginnt die Stadt mit der Planung für die Zeit danach. Der Grund ist der milliardenschwere Krankenhaus-Transformationsfonds von Bund und Ländern: Wer daraus Fördermittel für den Umbau oder Neubau eines Krankenhauses erhalten will, muss zunächst ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegen können. Parallel zur laufenden Übernahme des Krankenhauses arbeitet die Stadt Norderney deshalb bereits an der langfristigen Ausrichtung des Krankenhauses und des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) und hat die Berliner Beratungsgesellschaft Vicondo Healthcare beauftragt ein Zukunfts- und Betriebskonzept für die beiden Einrichtungen zu entwickeln.
„Wir müssen den Fuß in die Tür bekommen“, drängte Bürgermeister Frank Ulrichs beim Pressegespräch im Rathaus, bei dem auch Vicondo-Geschäftsführer Prof. Dr. Jörg Risse zugeschaltet war.
Aus der Landespolitik ist nach Ulrichs‘ Aussage mehrfach signalisiert worden, dass Norderney nicht zu lange warten darf und nun schnell darlegen muss, wie die Gesundheitsversorgung auf der Insel künftig aussehen soll, denn die ersten Förderrunden des Transformationsfonds sind bereits deutlich überzeichnet.
Die Stadt hat dem Beratungsunternehmen zunächst nur einen ersten, begrenzten Auftrag erteilt. Ziel ist es, möglichst schnell die Grundlagen für einen Förderantrag zu schaffen.
Wie teuer das nötige Konzept am Ende sein wird, lässt sich derzeit noch nicht beziffern.
Viele rechtliche Fragen zu klären
Nach derzeitiger Planung geht das Krankenhaus zum 1. September auf die bereits im Februar gegründete Inselkrankenhaus Norderney GmbH (IKN) über, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt. Geschäftsführer wird zunächst der vorherige Krankenhausgeschäftsführer Uwe Peters. Er wird damit den Übergang begleiten. Für die Beschäftigten soll sich möglichst wenig ändern. Die Stadt will sämtliche Arbeitsplätze übernehmen und den Krankenhausbetrieb ohne Unterbrechung fortführen.
Dass zwischen Notartermin und Übernahme noch zwei Monate liegen, hat rechtliche Gründe. „Das ist kein Standard-Immobilienkaufvertrag“, sagte Ulrichs. Neben dem eigentlichen Vertragswerk mussten zahlreiche medizinrechtliche und insolvenzrechtliche Fragen geklärt werden. Vier Juristen arbeiteten zeitweise an den Verträgen. Zudem steht noch die notarielle Zustimmung der Zusatzversorgungskasse zu bereits ausgehandelten Vereinbarungen aus. Auch das Land Niedersachsen muss eine neue Krankenhauszulassung für die Inselkrankenhaus Norderney GmbH erteilen.
Zukunftsplanung mit Konzept
Parallel dazu beginnt nun die eigentliche Zukunftsplanung. Die Beratungsgesellschaft Vicondo soll zunächst die medizinischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Strukturen des Krankenhauses analysieren. Anschließend soll ein Konzept entstehen, das Krankenhaus und Medizinisches Versorgungszentrum gemeinsam betrachtet. Dabei geht es unter anderem um das künftige Leistungsangebot, das um Selbstzahlerleistungen wie Check-ups erweitert werden könnte, die Zusammenarbeit von ambulanter und stationärer Versorgung, Kooperationen mit Kliniken auf dem Festland, Telemedizin sowie den Flächen- und Investitionsbedarf.
Darüber hinaus wird das Unternehmen die notwendigen Abstimmungen mit den politischen Gremien, dem Niedersächsischen Sozialministerium sowie weiteren Beteiligten fachlich begleiten.
Für Risse ist die besondere Lage der Insel entscheidend. Während im Winter rund 6.000 Menschen auf Norderney leben, steigt die Zahl der Menschen in den Sommermonaten durch Gäste um ein Vielfaches.
Gleichzeitig muss ein Krankenhaus rund um die Uhr betriebsbereit sein und zwar unabhängig von der tatsächlichen Auslastung. „Wir brauchen ein kluges Konzept, das im Winter genauso funktioniert wie im Sommer. Das ist eine große Herausforderung. (…) Aber wir fangen nicht bei Null an. Das ist ein Riesenvorteil”, sagte Risse.
Neubau oder Umbau
Ein Neubau ist damit allerdings noch keineswegs beschlossen, erläuterte der Bürgermeister. Zunächst müsse geklärt werden, welche medizinischen Leistungen die Insel künftig überhaupt benötige und wie groß das Krankenhaus dafür sein müsse. Erst danach könne entschieden werden, ob das bestehende Gebäude umgebaut oder langfristig durch einen Neubau ersetzt werden sollte.
Tempo ist ausdrücklich gewünscht. Noch in diesem Jahr soll ein erstes Zielkonzept vorliegen, das dem Land Niedersachsen vorgestellt werden kann. Erst auf dieser Grundlage kann Norderney Fördermittel aus dem Transformationsfonds beantragen. Ulrichs machte deutlich, dass diese Förderung Voraussetzung für größere Investitionen ist: „Ohne den geht es gar nicht.“
Bis dahin bleibt die Stadt auch finanziell in der Verantwortung. Der Insolvenzverwalter hat erneut um eine Überbrückungsfinanzierung gebeten, damit der Krankenhausbetrieb bis zur Übernahme gesichert bleibt. Und hier stehe Norderney zu seinem Wort: „Wir stehen hinter diesem Haus. Alles läuft fließend weiter (…) und wenn es dann solche Notwendigkeiten gibt, dann werden wir auch zur Seite stehen und helfen“, so Ulrichs.
Verfasst von Anja Pape
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