Holger Schönemann und Markus Steinwachs vor dem Gebäude der Stadtwerke

Foto: Stadtwerke Norderney

Beitrag vom Sonntag, 21. November 2021

Keine guten Nachrichten bei Strom und Gas

Der Geschäftsführer der Norderneyer Stadtwerke, Holger Schönemann, hatte auf der Pressekonferenz am Donnerstag vor allem eine schlechte Nachricht für die Insel: Die Energiepreise steigen ab Januar für Strom und Gas stark an. „Nicht nur wir als Stadtwerke Norderney erhöhen die Preise, sondern auch die meisten Versorger in Deutschland haben oder werden das ebenfalls tun“, erläuterte Schönemann die Entscheidung.

Weltweit hohe Nachfrage

Dennoch, die Nachricht ist bitter, denn für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und einem Kind rechnet Schönemann mit einer jährlichen Mehrbelastung für Strom von 41,76 Euro für 2022; beim Gas sogar mit 395,76 Euro. Dabei gehören die Stadtwerke Norderney im Marktvergleich derzeit noch zu den günstigen Anbietern.
Beim Gas ist die Entwicklung besonders dramatisch, denn die Beschaffungskosten sind für die Gasbelieferung für 2022 um 300 Prozent gestiegen, so Schönemann. Im Gegensatz zum Stromsektor liegen die Kosten für die Beschaffung ohnehin deutlich höher und so schlägt der starke Anstieg bei den Einkaufspreisen entsprechend zu Buche. Aus seiner Sicht ist dafür insbesondere die weltweit hohe Nachfrage nach Gas nach dem Ende des Corona-Lockdowns verantwortlich. „Alle wollen jetzt gleichzeitig Gas“, um die Wirtschaft wieder hochfahren zu können. Zusätzlich gab es eine hohe Nachfrage nach dem Brennstoff infolge des kalten Winters 2020/2021, während die Liefermengen aus Russland verringert wurden. Hinzu kommt die CO2-Abgabe, die zum Ziel hat, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu verringern.
Auch auf dem Strommarkt ist der Preis in diesem Jahr bereits um 200 Prozent gestiegen, berichtete der Stadtwerkechef. Auch hier wirken sich die gestiegenen Netzentgelte sowie die Erhöhung der CO2-Abgabe aus, da noch viel Strom aus Gas und Kohle erzeugt wird. Nur bei der Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gibt es Erleichterungen, die jedoch die höheren Kosten nicht vollständig kompensieren.

„Wir erhöhen hier nicht unsere Marge“

Dass der Strom nicht noch teurer ist, ist vor allem der Verdienst des Kaufmännischen Leiters Markus Steinwachs, der mit einer konservativen Einkaufsstrategie für vergleichsweise niedrige Kosten sorgte, berichtete Schönemann. So hatten die Stadtwerke bereits im Oktober 2020 damit begonnen, Strom für 2022 einzukaufen. Die schwierige Marktsituation hat dazu geführt, dass einige Billigstromanbieter Pleite gegangen sind. Zahlreiche Gewerbetreibende auf der Insel standen plötzlich ohne einen Energielieferanten da. „Bei Gewerbe- und Geschäftskunden sind wir nicht verpflichtet zu übernehmen. Wir haben es aber trotzdem getan, weil wir die Norderneyer Betriebe nicht im Regen stehen lassen wollen“, so Schönemann. Nach seiner Ansicht kann sich ein lokaler Energieversorger der Verantwortung gegenüber Kunden und der Insel nicht entziehen. „Wir stehen zu Norderney und wir erhöhen hier nicht unsere Marge, sondern geben nur die Kostenerhöhung an die Kunden weiter“, so Schönemann.

Baby-Bonus für junge Familien

Es gebe deswegen auch nicht nur schlechte Nachrichten: Die Stadtwerke werden ab Januar einen Baby-Bonus anbieten, der Norderneyer in den ersten drei Jahren nach der Geburt eines Kindes das Leben etwas erleichtern soll, denn oft steigen die Kosten mit einem Kind. Der neue „Seuten-Schietbüddel“ wird in den ersten drei Jahren wahlweise auf Strom oder Gas gewährt, erklärte Ideengeberin und Marketing-Mitarbeiterin, Sarah Rönner. Die Kosten für 500 Kilowattstunden Gas oder 100 Kilowattstunden Strom schreiben die Stadtwerke den Antragsstellern auf der Jahresrechnung gut. Damit könnten die Familien 3.000 Fläschchen erwärmen oder 376 60-Grad-Waschladungen finanzieren, veranschaulichte Rönner: „Es geht uns einfach darum, den jungen Familien, Neubürgern mit Kindern und Alleinerziehenden das Leben etwas zu erleichtern und einen Beitrag zum Lebensraumkonzept zu leisten.“

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