Lehrerkollegium von Jann Berghaus

Foto: Stadtarchiv Norderney

Beitrag vom Mittwoch, 26. Mai 2021

Jann Berghaus – Rektor und Mitbegründer der Reederei

Sie trennt das Stadtgebiet in Nord und Süd – die Jann-Berghaus-Straße. Die Straße gehört zu den längsten Einkaufs- und Hauptstraßen der Insel. Während der Saison herrscht hier reges Treiben. Da wird die Fahrbahn von den Gästen zur Fußgängerzone umfunktioniert, sodass Fahrrad- und Autofahrer so ihre Mühe haben, durch zu kommen.

Straße nach ihm benannt

Woher die Straße ihren Namen hat, wissen die wenigsten Gäste. Auch viele Norderneyer können mit dem Namen Jann Berghaus wenig bis gar nichts anfangen. Wer war also dieser Mann, dass ihm sogar eine Straße gewidmet wurde? Jann Janssen Berghaus war ein Pädagoge, der vor über einhundert Jahren ein bedeutender Mann auf Norderney war. Norderney dürfte wohl die einzige Stadt in Deutschland sein, die ihre Hauptstraße nach einem Pädagogen benannt hat, heißt es in der Chronik der Kooperativen Gesamtschule (KGS).
Berghaus wurde 1870 in Schirum geboren. Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend, absolvierte Berghaus in Aurich ein Lehrerseminar und arbeitete kurz an den Schulen in Werdum und Oldenburg.

Schule und Seeverkehr

1903 wurde der Lehrer Rektor auf Norderney und gliederte sämtliche Privatschulen in seine Schule ein. Neben dem Unterricht verfasste der Pädagoge ein Lesebuch und gründete zusammen mit anderen Norderneyern die heutige Reederei Frisia-Norden.

Der Seeverkehr mit Norderney war ab August 1914 einem völligen Wandlung unterworfen, berichtet Stadtarchivar Manfred Bätje. Das Militär trat an die Stelle der Kurgäste. Die Beförderung militärischer Bedarfsgüter war umfangreich und wurde immer mehr. Es wurden während des Krieges Zweifel geäußert, ob die Reederei allen militärischen Anforderungen gerecht würde. Der damalige Direktor Harm van Eschen fuhr in die großen Hafenstädte und kaufte acht Kähne, von denen jeder ein Dutzend Waggons aufzunehmen vermochte. Zwei starke Schlepper wurden gleichfalls beschafft. 1917 übernahm Berghaus den Vorsitz der Reederei, nach dem der bisherige Vorsitzende zum Dienst in ein Lazarett aufs Festland einberufen wurde.

Politische Karriere

1908 kandidierte Berghaus für die liberale „Fortschrittliche Volkspartei“, unterlag jedoch bei den Wahlen zum preußischen Landtag seinem konservativen Gegner. Zwei Jahre später wurde Berghaus in den Gemeinderat der Insel gewählt. Nach Beendigung seiner Rektorentätigkeit im Jahre 1918 wurde er Bürgermeister der Inselgemeinde. Ein Jahr später wählten ihn die Bürger für die neu gegründete liberale „Deutsche Demokratische Partei“ in die Preußische Landesversammlung.

1922 wurde Berghaus zum Regierungspräsidenten in Aurich ernannt. Sein Dienstantritt fiel in das Jahr der größten Inflation und seine Amtszeit war geprägt von hoher Arbeitslosigkeit, Streiks und wirtschaftlicher Rezession. Seine Regierung fand kaum ein Mittel gegen die allgemeine Misere. Den immer mehr werdenden Auseinandersetzungen zwischen Links und Rechts und dem zunehmenden Terror der Nationalsozialisten stand Berghaus machtlos entgegen.

Vom Amt enthoben

1932 wählten viele Norderneyer die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei (NSDAP). Jann Berghaus redete seinen Norderneyern noch einmal ins Gewissen. In der Chronik der KGS findet sich dieses Zitat von Berghaus: „Jede Gemeinde habe einen Anspruche auf eine gewisse Zahl dummer Leute. Wenn aber bei der Reichspräsidentenwahl ein Drittel aller Stimmen an die NSDAP gingen, wäre die wohl die erlaubte Grenze überschritten“.

Im Rahmen des sogenannten Preußenschlags wurde Berghaus dann am 27. Oktober 1932 nach zehnjähriger Dienstzeit seiner Präsidentschaft enthoben und zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Mit dem Preußenschlag wurde die Regierung Preußens durch einen Reichskommissar ersetzt. Die Jahre des Nationalsozialismus verbrachte Berghaus zurückgezogen in seinem Haus in Aurich. Nach 1945 gab es von verschiedenen Seiten ernsthafte Bemühungen, ihn wieder für dieses Amt vorzuschlagen, sie scheiterten jedoch letztlich an seinem fortgeschrittenen Alter. Indes trat der Sohn Mimke in die Fußstapfen seines Vaters und führte von 1945 bis 1951 die Arbeit als Regierungspräsident von Aurich fort.

Nach Beendigung des Krieges wurde Berghaus zum Vorsteher der Ostfriesischen Landschaft, einem Regionalverband für Kultur, Wissenschaft und Bildung, und später zum Landschaftspräsidenten ernannt. Als Mitglieder und Vertreter der FDP eröffnete der Alterspräsident am 9. Dezember 1945 die erste Sitzung des Niedersächsischen Landtags. Jann Berghaus starb am 19. Februar 1954.

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