Beitrag vom Dienstag, 03. März 2026
Ergebnisse zum Untergang der „Verity“ veröffentlicht
Zweieinhalb Jahre nach dem Zusammenstoß des Mehrzweckfrachtschiffes „Verity“ mit dem Massengutschiff „Polesie“ hat die britische Marine Accident Investigation Branch (MAIB) ihren Untersuchungsbericht vorgelegt. In ihm wird beschrieben, wie späte Manöver, eine komplexe Verkehrslage sowie zögerliche Kursänderungen zur Kollision der beiden Schiffe und damit auch zum Tod von fünf Besatzungsmitgliedern der „Verity“ führten. Er schildert zudem welche Maßnahmen anschließend eingeleitet wurden.
Der Zusammenstoß erfolgte am 24. Oktober 2023 rund 23 Kilometer südwestlich von Helgoland in einem sogenannten Verkehrstrennungsgebiet. Dabei handelt es sich um ein stark reguliertes Seegebiet mit festgelegten Fahrtrouten, das den Schiffsverkehr ordnen und Begegnungen sicherer machen soll.
Nach Darstellung des Berichts entwickelte sich die gefährliche Situation wie folgt: Bereits sieben bis acht Minuten vor dem Zusammenprall bestand rechnerisch ein Kollisionsrisiko und die Verkehrszentrale German Bight nahm erstmals Kontakt mit der „Verity“ auf. Der Abstand zwischen den Schiffen betrug zu diesem Zeitpunkt etwa 1,3 bis 1,4 Seemeilen.
Nach den internationalen Kollisionsverhütungsregeln hätte die „Verity“ als ausweichpflichtiges Schiff frühzeitig und deutlich reagieren müssen, stellt der Untersuchungsbericht fest, doch die Kursänderung nach Steuerbord erfolgte spät und nicht mit ausreichender Entschlossenheit. Zur Einordnung des Manöververhaltens heißt es im Bericht: „Es ist bekannt, dass kleinere Schiffe, die dieses Gebiet durchfahren, häufig erst spät ihren Kurs ändern, es vorziehen, ihren Kurs und ihre Geschwindigkeit beizubehalten, zögern, durchgreifende Kursänderungen vorzunehmen, und dichtes Passieren eher akzeptieren.“ Zur konkreten Kursänderung der „Verity“ wird festgestellt, sie sei „zu langsam“ und „zur Kollisionsverhütung unwirksam“ gewesen.
Auch das Manöver der „Polesie“ wird beschrieben. Im Bericht wird zudem auf die Anwesenheit des Schiffes „Iona“ hingewiesen, das sich in der Nähe befand, so dass sich mit Kursänderungen neue Gefahrenlagen hätten ergeben können. Dazu heißt es: „Die Besatzungen beider Schiffe könnten die Auswirkungen der „Iona“ auf ihr weiteres Vorgehen abgeschätzt haben: die „Verity“ aus der Perspektive, dass eine Kursänderung nach Steuerbord zu einer weiteren Nahbereichslage führen könnte, und die „Polesie“, die die Auswirkung einer Kursänderung nach Backbord auf ihre Pflichten als überholendes Fahrzeug, sich klar zu halten, berücksichtigte.“
Auch das Eingreifen des Verkehrssicherungsdienstes German Bight wurde untersucht, der Bericht bewertete das Eingreifen als „relativ spät“. Zudem habe die Nutzung eines Duplex-Funkkanals zu Verzögerungen bei der gemeinsamen Lageeinschätzung geführt. Die MAIB weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass eine umfassende Untersuchung nur eingeschränkt möglich gewesen sei, da wichtige Zeugen bei der Schiffskollision den Tod fanden und die „Verity“ aufgrund ihrer Größe nicht mit einem Schiffsdatenschreiber ausgestattet war.
Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) unterstützte nach eigenen Angaben die Untersuchung der MAIB und war insbesondere in die Ermittlungen zum deutschen maritimen Verkehrssicherungssystem eng eingebunden. In einzelnen fachlichen Bewertungen und Schlussfolgerungen besteht aus Sicht der BSU jedoch Ergänzungsbedarf und so kündigte diese an, zu einem späteren Zeitpunkt eine eigene ergänzende Stellungnahme aufgrund eigener Analysen zum Untersuchungsbericht der
MAIB zu veröffentlichen.
Verfasst von Anja Pape
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