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Beitrag vom Donnerstag, 24. Juni 2021

Erdgasbohrungen: Gespräch geplant

Nachdem sich die Inseln Borkum, Juist und Norderney in einer Stellungnahme gegen die geplante Erdgasförderung rund 20 Kilometer vor Borkum ausgesprochen haben, kündigte nun das niederländische Unternehmen One-Dyas einen Gesprächstemin für die kommende Woche an. One-Dyas plant Erdgasbohrungen und den Bau einer Erdgas-Pipeline auf niederländischem Hoheitsgebiet. Der geförderte Brennstoff soll im Anschluss über die vorhandene Nordgas-Transportleitung geleitet werden. Für die Stromversorgung der Gasförder-Plattform ist zudem die Verlegung eines Kabels zum Offshore-Windpark Riffgatt im deutschen Sektor der Nordsee vorgesehen.
In der Sache geht es um zwölf Bohrungen und zwölf Abzweigungen, die von der Förderplattform durchgeführt werden sollen. Der Bohrvorgang wird durchschnittlich drei Monate pro Bohrung und eineinhalb Monate für eine Abzweigung dauern und kontinuierlich, also 24 Stunden pro Tag und sieben Tage pro Woche, erfolgen. Demnach werden alle vorgeschlagenen Bohrungen, mitsamt der Abzweigungen, mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Förderung von fossilen Brennstoffen in der Nordsee läuft nicht nur den deutschen Klimazielen zuwider, sondern gefährdet auch die Lebensgrundlage der Inselbevölkerung sowie die Sicherheit des weltweit einmaligen Ökosystems, kritisieren die drei Inseln. Seit 2009 trägt das Wattenmeer den Titel Unesco Weltnaturerbe und „diese auf den klimatischen Bedingungen beruhende Lebensgrundlage der Inselbevölkerung gilt es zu schützen“, heißt es in der Stellungnahme. Der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies hatte bereits im Januar 2021 angekündigt, dass Bohrungen zur Exploration und Förderung von Erdgas und Erdöl im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer per Gesetz über den Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ verboten werden sollen.
Kritik äußern die Inseln außerdem bei den Prüfkriterien: „Statt sich bei der Umweltverträglichkeitsprüfung auf eine oberflächige Quick-Scan-Methode zu beschränken, müssen tatsächlich mehrere umfassende Langzeit-Studien durchgeführt werden.“ Die Inselgemeinden gehen davon aus, dass sich eine „Erdgasförderung in jeglicher Hinsicht auf die Populationen auswirken wird“. Dies gelte insbesondere für sensible Arten. Zu rechnen ist auf der Grundlage der seismischen Risikoanalyse zudem mit „massiven Schäden der Bausubstanz auf den Inseln Borkum, Juist und Norderney sowie in anderen Siedlungsbereichen“. Unklar sind die Auswirkungen auf die Süßwasserlinsen. So befürchten die Inselgemeinden den Eintrag von Schad- sowie anderer Fremdstoffe in das Grundwasser.

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