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(syk) – „Der Tourismus in Niedersachsen ist ein wichtiger Stützpfeiler unserer Wirtschaft“. Mit diesen Worten antwortete der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) bereits im April mit einer Videobotschaft auf einen Online-Hilfeaufruf der Ostfriesischen Inseln: Er habe bereits mit den Wirtschaftsministern der Länder darauf gedrängt, dass es einen gezielten Rettungsschirm für den Tourismus und die Gastronomie geben müsse. Nun hofft der Dachverband Ostfriesische Inseln GmbH auf Unterstützung durch den Minister und hat ihm bei einer Kurzvisite ein elfseitiges Positionspapier zukommen lassen.

Konkrete Vorschläge

In dem Positionspapier bitten die Inselvertreter um Unterstützung für die Tourismusbranche mit konkreten Beispielen: Beispielsweise könnte das Land Niedersachsen den betroffenen Regionen helfen, indem diese den ausgebliebenen Gästebeitrag erhalten würden oder auf die Zahlung der Strandnutzungsgebühr verzichtet werden, so Kurdirektor Wilhelm Loth im Gespräch mit dem Norderneyer Morgen. Darüber hinaus könnte das Land mit Vereinfachung von Modalitäten und höheren Quoten künftiger Förderprojekte unterstützen.

Treffen mit Minister

Zu einem persönlichen Treffen von Althusmann und Vertretern der Verbände Ostfriesische Inseln und Nordsee GmbH kam es am Donnerstagabend in Neuharlingersiel, wo der Minister einen Stopp im Rahmen seiner Sommerreise einlegte. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, zeigte sich Loth zufrieden. Man sei alle Punkte des Papiers durchgegangen und der Minister habe versprochen das Anliegen mit ins Parlament und die Ausschüsse zu nehmen.

Bernd Althusmann sagte auf Nachfrage, dass das Land Niedersachsen viele Möglichkeiten prüfe, die Branche in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und sie zu alter Stärke zurückzuführen. Althusmann: „Dabei helfen uns natürlich auch Informationen und Vorschläge aus der Praxis. Deshalb habe ich das Positionspapier der Ostfriesischen Inseln und der fünf Küstenorte gerne entgegengenommen“. Aktuell erstelle das Wirtschaftsministerium die Förderrichtlinien für das geplante Sonderprogramm Tourismus und Gastronomie. Althusmann: „Die Vorschläge aus dem Positionspapier werden wir bei der Ausgestaltung der Förderrichtlinien einbeziehen“. Sicher könnten nicht alle Wünsche in vollem Umfang erfüllt werden, aber man werde sich intensiv mit dem Positionspaper auseinandersetzen, versprach der Minister.

Situation Norderney

Das Staatsbad Norderney werde aufgrund der Corona-Krise und der zeitweisen Schließung der Insel für Touristen einen Einnahmeverlust von etwa 8,7 Millionen Euro im Jahr 2020 haben, so Loth. Davon seien es alleine 3,7 Millionen Euro Mindereinahmen beim Gästebeitrag. Dazu kämen die finanziellen Ausfälle aufgrund der Schließung des Badehauses, im Bereich Anwendungen im Kurbereich, bei Veranstaltungen und Tagungen, Kino und Filmfest sowie aus der Strandkorbvermietung. Alleine das White Sands Festival, die Summertime und die Filmtage hätten in den vergangenen Jahren jeweils 78.000 Besucher auf die Insel gebracht. Für 2020 fiel das alles coronabedingt aus – und sorgte für diesen erheblichen Einnahmeverlust.

Bisher hätten sie keinerlei Unterstützung vom Land oder dem Bund erhalten – im Gegensatz zu den großen Reiseunternehmen wie TUI oder Lufthansa, zeigte sich Loth verärgert. „Wir sind nicht nur Tourismus-Organisationen“, so Loth „wir sind Kommunen, deren Existenz von Tourismus abhängt“. Seine Mitarbeiter hätten eine erhebliche Mehrarbeit an Krisenarbeit zu leisten gehabt. Zehntausende von Anrufen und Anfragen von Gästen mussten beantwortet werden. Teilweise hätten die Gästen leider kein Verständnis gezeigt „warum dieses oder jenes nicht auf habe oder warum dennoch der Gästebeitrag erhoben werde“. In diesem Zusammenhang merkte Loth an, dass er das Verhalten in den sozialen Medien kritisch sieht. „Das Geld würde ja jetzt wieder sprudeln, also müsste doch auch wieder alles angeboten werden“, sei dort zu lesen.

„Wir tun hier wirklich im Rahmen der Verordnungen unser Möglichstes“, so Loth und zählte die Events auf, die wieder angeboten werden. Aber: „Die Anforderungen werden schnell höher und überall dort, wo lax mit den Themen umgegangen werde, könnte es wieder zu erneuten Einschränkungen kommen“, mahnte der Kurdirektor.

Marketing-Kampagne der TMN

Mit einer Recovery-Kampagne unter dem Titel „Endlich wieder Lebenslust“, die pünktlich zu den Sommerferien gestartet sei und einen zweiten Teil, geplant für Herbst, unterstütze die Tourismus Marketing Niedersachsen GmbH (TMN) die schwer betroffene Tourismusbranche, sagte deren Geschäftsführerin Meike Zumbrock auf Nachfrage. Ein durchgängiger und elementarer Kampagnen-Bestandteil sei dabei die kommunikative Berücksichtigung aller 15 niedersächsischen Reiseregionen, so die Geschäftsführerin.