Beitrag vom Mittwoch, 20. Mai 2026
Ein Platz für die Vergangenheit
Ein Stück Inselgeschichte rollte noch einmal in die Gegenwart: In historischer Tracht und mit plattdeutschen Begrüßungen empfingen Mitglieder des Heimatvereins ihre Gäste im Argonnerwäldchen. Zwischen Teehuus und Hochtiedstuuv stand dabei ein Fahrzeug im Mittelpunkt, das einst für viele Urlaubsgäste den Beginn ihrer Ferien auf Norderney bedeutete – der historische Pferdeomnibus Nr. 19. Mit der offiziellen Einweihung der neuen Remise hat der gut 100 Jahre alte Wagen und der historische Badekarren nun einen dauerhaften und wettergeschützten Platz erhalten.
Künftig können Besucherinnen und Besucher dort sowohl den Pferdeomnibus als auch den Badekarren besichtigen. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Bernhard Onnen, bedankte sich bei den Förderern, der Stadt Norderney und der hiesigen Handwerkerschaft für die Unterstützung bei der Umsetzung des Projekts.
Pferdeomnibusse prägten über viele Jahrzehnte den öffentlichen Personennahverkehr auf der Insel. Sie nahmen die Urlaubsgäste am Hafen in Empfang und brachten sie zu ihren Unterkünften. Zwei Pferde zogen den Wagen, während die Gäste im Inneren Platz nahmen und Kofferjungen das Gepäck auf dem Dach sicherten. Bis Anfang der 1960er-Jahre gehörten Pferdefuhrwerke zum Inselbild. Mit dem Omnibus Nr. 19 fanden noch bis zum Jahr 2000 Gästerundfahrten statt. Zuletzt waren Omnibus und Badekarren 2018 beim Nachtbummel im Einsatz. Inzwischen waren umfangreiche Reparaturen an den historischen Fahrzeugen notwendig geworden. Anschließend wurden sie geschützt eingelagert. Die neue Remise ermöglicht nun eine dauerhafte Präsentation und schützt die Fahrzeuge zugleich vor Witterungseinflüssen. Bürgermeister Frank Ulrichs würdigte die neue Remise als wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. „Mit ihr erhält der historische Pferdeomnibus Nr. 19 endlich den Platz, den er verdient“, sagte Ulrichs. Zwischen Teehuus, Argonnerwald und historischer Umgebung entstehe kein steriler Ausstellungsraum, sondern ein authentischer Ort. Der Pferdeomnibus stehe dabei „fast symbolisch für eine andere Form des Reisens. Langsamer, bewusster, näher an der Landschaft und näher an den Menschen“, so Ulrichs.
Die Gesamtkosten für die Remise liegen bei rund 150.000 Euro. Rund 95.000 Euro stammen aus Fördermitteln der Leader-Region, weitere gut 25.000 Euro von der Stadt.
Verfasst von Anja Pape
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