Der Haushalt 2026 aus der Sicht der Ratsfraktionen

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Beitrag vom Freitag, 27. März 2026

Der Haushalt 2026 aus der Sicht der Ratsfraktionen

Bevor der Norderneyer Stadtrat über den Haushalt 2026 abstimmte, hatten die Fraktionen Gelegenheit, zu dem Entwurf Stellung zu beziehen. Allgemeine Einigkeit, die sich im einstimmigen Beschluss widerspiegelte, sahen die Ratsfraktionen vor allem in der Pflicht, das Krankenhaus und das Medizinische Versorgungszentrum für die Insel zu sichern. „Wenn es darauf ankommt, stehen wir gemeinsam in der Verantwortung und ziehen an einem Strang“, sah es Rolf Harms (SPD). Jann Ennen (CDU) fasste es so zusammen: „Bei den meisten Teilen sind wir uns leider einig – weil wir gar nicht anders können, auch wenn wir es wollen.“

Sorge um die Wattwelten

Geteilte Sorge äußerten alle Fraktionen zur finanziellen Situation des Wattwelten-Besucherzentrums. Hier sieht der Haushalt ein Defizit von 630.000 Euro vor; schon in den vergangenen Jahren waren die Zahlen immer weiter ins Minus gesunken – trotz einer Steigerung der Besucherzahlen und nahezu einer Verdoppelung der selbsterwirtschafteten Einnahmen seit 2016. „Insbesondere vor dem Hintergrund der zusätzlichen finanziellen Belastungen durch das Krankenhaus fällt das negative Ergebnis hier stärker ins Gewicht“, sagte dazu Harms (SPD): „Unsere Zustimmung zu diesem Haushalt ist mit der Erwartung verbunden, dass es bei den Watt-Welten im kommenden Jahr zu einer deutlichen wirtschaftlichen Verbesserung kommt (…) Wir erkennen die fachlich gute Arbeit und die inhaltliche Qualität der Einrichtung ausdrücklich an – dennoch müssen wir uns die Frage stellen, ob wir uns die derzeitigen Ergebnisse dauerhaft leisten können.“

Die Watt-Welten müssten eine kostendeckende Einrichtung werden, so auch Jann Ennen: „Ich glaube, der Schlüssel liegt ein bisschen in Personalkosten.“ Bernhard Onnen (FWN) sieht Land und Nationalparkverwaltung in der Pflicht, ihre Zuschüsse von derzeit 168.000 Euro deutlich zu erhöhen: „Wenn das Land uns so ein Gebäude hier hinsetzt, müssen die auch für die Folgekosten aufkommen.“ Krankenhaus und MVZ hätten zur Daseinsvorsorge für die Stadt eine höhere Priorität als das Nationalparkhaus.

„Wir möchten auf keinen Fall die Arbeit von Frau Dr. Bers und ihrem Team infrage stellen, aber auch für uns geht es natürlich in erster Linie auch um die Wirtschaftlichkeit, gerade in Anbetracht der Aufgaben, die wir in den nächsten Jahren zu bewältigen haben“, sagte dazu Manfred Hahnen (FDP). Als das Haus eröffnete, seien durch die damalige Leitung Zukunftserwartungen vermittelt worden, die nicht eingehalten worden seien. Auch Hahnen verwies auf die Personalkosten, für die in 2026 knapp 624.000 Euro veranschlagt sind. „Vielleicht muss man an dieser Stelle auch über günstigere Optionen nachdenken, indem man zum Beispiel unsere vielfältigen Wattführer, Naturschützer und Institutionen mit ins Boot nimmt, die zum großen Teil gar nicht involviert sind“, so Hahnen. Auch sei zu bedenken, dass das Gebäude hohe Instandhaltungskosten mit sich bringe.

„Das Defizit ist vor allem ein Problem des Gebäudes – nicht der Arbeit vor Ort und nicht der Personalstruktur“, sah es hingegen Ratsherr Ronny Aderhold für die Grünen-Fraktion: „Hohe Unterhalts- und Instandhaltungskosten belasten den Haushalt. Hier wurde zu lange auf Verschleiß gefahren. Die Wattwelten erzielen die höchsten Eigeneinnahmen aller 18 Nationalparkhäuser im Niedersächsischen Wattenmeer. Das ist kein Misserfolg – das ist eine Erfolgsgeschichte.“ Um die Zahlen zu verbessern, brauche es eine stärkere Beteiligung über den Kurbeitrag, stärkere Unterstützung durch das Land, mehr Eigenverantwortlichkeit und eine bessere Vermarktung der Einrichtung: „Wir reden hier nicht über eine beliebige freiwillige Ausgabe, sondern über einen zentralen Bestandteil unseres touristischen Profils.“

Skaterpark, Wohnen und Personal

Neben Dankesworten an die Stadtkämmerei brachten die Fraktionen weitere Themen ein.
So begrüßte CDU-Ratsherr Ennen den Neubau der Skateranlage am KapHoorn, der aufgrund erster hoher Kostenschätzungen nun in kleinerer Ausführung umgesetzt wird als zunächst geplant. Zudem freute er sich über die Erneuerung der Feldhausenstraße und die angekündigten Sanierungsprojekte Heinrichstraße und Weststrandstraße.

Aderhold (Grüne) erinnerte an weitere Herausforderungen wie die Anpassung an den Klimawandel. Es brauche mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien; zudem müssten die personellen und finanziellen Kapazitäten der Stadt effizient eingesetzt werden. So seien etwa Planungskosten für den Strandabschnitt Weiße Düne angefallen, der nun aufgrund des fehlenden Sandes nicht mehr touristisch zur Verfügung stehe. Aderhold begrüßte zudem den Bau neuer Wohnungen: „Gleichzeitig bleibt es unsere Aufgabe, die Zweckentfremdung von Wohnraum weiter zu begrenzen, auch wenn eine neue Satzung kurzfristig schwer umzusetzen ist. Ohne politische Steuerung wird sich die Situation nicht von selbst verbessern.“

Kritisch sehen die Grünen die Erneuerung des Skateparks. „Dennoch respektieren wir die politische Mehrheit und werden die Umsetzung konstruktiv begleiten“, so Aderhold.

FDP: „Bezahlbarer Wohnraum ist Augenwischerei“

FDP-Ratsherr Hahnen zeigte sich „sehr zufrieden“ mit der Einnahmenseite des Haushalts. Gleichzeitig mahnte er an, dass auch bei der Stadt Norderney die Personalkosten künftig deutlich steigen werden.
Darüber hinaus führte er aus, die oft genannte Forderung nach bezahlbarem Wohnraum sei „Augenwischerei“, auch mit Blick auf das im Bau befindliche Wohnhaus der Stadt für 5,2 Millionen Euro: „Dass dieses Haus niemals über die Mieten zu refinanzieren sein wird, ist allen hier klar. Wir sind für die Umsetzung dieses Projektes und wir wollen, dass unsere Mitarbeiter vernünftig untergebracht werden können. Nur: Mit der Aussage ‚Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum‘ sollte man vorsichtig sein. Das ist aus unserer Sicht Augenwischerei. Wirklich bezahlbaren Wohnraum kann, wie man sieht, ja nicht mal die Kommune bauen. Wie soll das dann privat funktionieren?“

Darüber hinaus hätte sich die FDP im Haushalt eine gesonderte Summe für die Umsetzung des Verkehrskonzeptes gewünscht.