Harald Kirschninck und Daniel Günther bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande

Foto: Frank Peter

Beitrag vom Donnerstag, 04. November 2021

Brücke und Beitrag zur Versöhnung

Für seine langjährige Forschungsarbeit zur Geschichte der Juden und ihren Angehörigen im schleswig-holsteinischen Elmshorn ist der auf Norderney aufgewachsene Harald Kirschninck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther überreichte dem 67-Jährigen die Auszeichnung im Oktober. „Mit seinem Wissen über das jüdische Leben und die Verfolgung der Juden in der NS-Zeit in Elmshorn und Schleswig-Holstein baut er Brücken und leistet damit einen Beitrag zur Versöhnung zwischen Menschen verschiedenen Glaubens und Herkunft“, heißt es in der Laudatio.

Schriftwechsel über Kontinente hinweg

Ausgehend von den Grabstellen auf dem jüdischen Friedhof in Elmshorn hatte der ausgebildete Chemie- und Geschichtslehrer, langjährige Pharmareferent und jetzige Heilpraktiker die Biografien zahlreicher jüdischer Einwohnerinnen und Einwohner bis in die Neuzeit hinein erforscht und zahlreiche Bücher dazu veröffentlicht. Zu vielen Zeitzeugen hielt er lange Zeit Kontakt, über Ländergrenzen und Kontinente hinweg. Schriftwechsel, Stöbern in Archiven, Gespräche und das Bücherschreiben fanden dabei in seiner Freizeit statt, erzählt Kirschninck im persönlichen Gespräch.

Seit zehn Jahren arbeitet der 67-Jährige als Heilpraktiker und verbringt einen großen Teil seiner Zeit auf Norderney, wo er seine Forschung auf die Lebenswege jüdischer Geschäftsinhaber und Saisonarbeiter bis zur Zeit des Nationalsozialismus lenkte. Drei Bücher hat er inzwischen zu Norderney verfasst. „Über das jüdische Leben auf Norderney wissen wir ja schon sehr viel, anders als es in Elmshorn der Fall war“, so Kirschninck: „Weil es auf Norderney sowohl eine Synagoge gab als auch Gastronomen, die koschere Speisen anboten, war die Insel unter jüdischen Badekästen bis zum Jahr 1933 sehr beliebt.“
Auch heute noch sind Spuren des jüdischen Lebens auf Norderney zu finden, etwa die ehemalige Synagoge, in der sich heute ein Restaurant befinde, die Hoffmann´sche Villa in der Gartenstraße, das vor wenigen Jahren abgerissene Hoffmann-Flak-Hotel in der Bismarckstrasse 4 oder auch das Geschäft der Schwestern Rosenstamm am Denkmal und vieles mehr. Eines seiner nächsten Buchprojekte wird darum vielleicht ein Stadtrundgang zu den Orten jüdischer Geschichte sein, überlegt Kirschninck.

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