Bodenbrüter: Ungestört nur auf Memmert

Foto: Martin Stock / LKN.SH

Beitrag vom Samstag, 27. September 2025

Bodenbrüter: Ungestört nur auf Memmert

Über den Schutz der Wattenmeervögel vor Marder, Fuchs und weiteren Raubsäugern hat das Gemeinsame Wattenmeersekretariat der Länder Dänemark, Deutschland und Niederlande mit mehr als 50 Expertinnen und Experten beraten. Raubsäuger gelten als eine der größten Bedrohungen für viele Brutvogelarten im Nationalpark, insbesondere für Bodenbrüter. Von ihren Brutplätzen am Festland weichen sie daher an sichere Orte wie die vorgelagerten Inseln aus. Weil diese sich in der Vergangenheit ständig veränderten, hatten sich lange keine Raubtiere auf ihnen angesiedelt, sodass sich die Vögel sicher fühlen konnten, erläutert der Ornithologe Gundolf Reichert von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer im Gespräch mit dem Norderneyer Morgen.
Doch Wanderratte, Fuchs und Co. haben längst auch die Inseln erobert und auch verwilderte Katzen machen Jagd auf Eier, Küken und ausgewachsene Vögel. In Schleswig-Holstein führten in den vergangenen Jahren die Wanderratten zu schweren Brutverlusten, an einigen Standorten gingen ganze Jahrgänge verloren, heißt es in der Mitteilung des Wattenmeersekretariats. In Dänemark hat es die Nationalparkverwaltung insbesondere mit Marderhunden zu tun. In Niedersachsen können laut Reichert nur auf den unbewohnten Inseln wie Memmert, Minsener Oog und Mellum die Vögel ungestört brüten.

Was die Insel Norderney betrifft, zeigte sich der Ornithologe sehr zufrieden mit dem Management der „Prädatoren“, wie die Raubsäuger in der Fachsprache genannt werden: „Auf Norderney haben wir mit dem Prädatorenmanagement einst angefangen und sind da relativ weit.“ So konnte ein Fuchsbestand, der 2017 entdeckt worden war, in Kooperation mit den Norderneyer Jägern so eingedämmt werden, dass er sich nicht mehr vermehrt. In diesem Zuge wurden auch zwei Marderhunde auf der Insel entdeckt und erlegt. Dass diese Tiere zum Schutz der Brutvögel getötet werden, sei notwendig, so der Experte: „Über kurz oder lang wäre sonst der Brutvogelbestand nahezu ausgelöscht worden“, erläutert Reichert: „Diesen Verlust hätte man schwer rechtfertigen können. Einige Vogelarten wie der Löffler hatten in dieser Zeit die Insel schon komplett verlassen.“ Derzeit keine großen Verluste bereitet auf Norderney die Wanderratte, wie das regelmäßige Monitoring zeigt. Dass die Raubsäuger zum Schutz der Vögel getötet werden müssen, sieht Reichert durch die Schutz- und Erhaltungsziele des Nationalparks gerechtfertigt. „Für effektive Maßnahmen, einer Besiedlung durch Beutegreifer vorzubeugen, haben wir den Schlüssel noch nicht gefunden“, so der Experte und fügt hinzu: „Die Inseln sind unsere großen Refugien, und es ist unser gesetzlicher Auftrag dafür zu sorgen, dass es so bleibt.“