Badehaus treibt Digitalisierung voran

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Beitrag vom Samstag, 07. März 2026

Badehaus treibt Digitalisierung voran

Das Staatsbad Norderney treibt die Digitalisierung ihrer Angebote im Badehaus weiter voran. Darüber informierte Kurdirektor Wilhelm Loth bei einer Pressekonferenz.

Nach Beobachtung des Staatsbades hat sich das Nutzungsverhalten der Gäste über die Jahre deutlich verändert. Viele Menschen regeln heute ihre Bankgeschäfte oder Buchungen über das Mobiltelefon. Daher liegt für ihn ein Schwerpunkt auf der digitalen Buchbarkeit von Leistungen und das auch im Badehaus. „Die Abläufe sollen sehr viel stärker digitalisiert werden“, sagte Loth. Schon seit Jahren verfolgt das Staatsbad dabei die Strategie „Smartphone first“, präzisierte Loth. Im Wettbewerb sieht er Norderney dabei nicht nur mit anderen Urlaubsorten: „Im Grunde stehen wir hier aber in Konkurrenz nicht zu anderen Inseln oder zu anderen deutschen Destinationen, sondern wir stehen hier in Konkurrenz zu Fluggesellschaften, zu Auslandaufenthalten, Urlaube“, erklärte Loth. Immerhin dort sei es selbstverständlich, dass Buchungen vollständig digital erfolgen.
Auch beim Bezahlen zeigt sich eine deutliche Entwicklung, so der Kurdirektor: „Wir haben im letzten Jahr überhaupt nur noch einen Bargeldanteil von nicht mal mehr zehn Prozent gehabt. (…) Überall dort, wo wir es umschalten, wird es auch unglaublich gut angenommen,“

Hinsichtlich der Besucher des Badehauses sind die Zahlen im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Nach Angaben des Staatsbades kamen 2025 insgesamt 108.172 Gäste, im Jahr zuvor waren es 3.000 mehr. Als Ursache nennt der Kurdirektor die Witterung im vergangenen Winter. Die Frostperiode habe hier spürbar gebremst. Besonders die Monate Januar bis März seien schwach besucht gewesen.

Auch der Januar dieses Jahres verlief deutlich ruhiger: „Wir haben hier einen Rückgang von 13, 14 Prozent gehabt im Januar dieses Jahres.“ Hinzu komme, dass einige Kooperationen mit Sozialhäusern im vergangenen Jahr nicht zustande kamen. „Das schlägt dann bei uns auch sofort ins Kontor“, kommentierte Loth. Um zusätzliche Impulse zu setzen, erweitert das Badehaus sein Angebot. Neu sind unter anderem Kurse wie Wasser-Qigong sowie der sogenannte Thalasso-Treffpunkt. Auch für Gäste der Thalasso-Apartments gibt es ein erweitertes Angebot: Bei Übernachtungen wird inzwischen ein Frühstück angeboten.

Trotz der geringeren Besucherzahlen bleiben die Einnahmen im Badehaus jedoch nahezu stabil. Bei den Anwendungen ging die Zahl der Buchungen leicht zurück: 2024 nahmen 11.160 Gäste Anwendungen in Anspruch, 2025 waren es 10.509. Gleichzeitig steigt der Anteil der Selbstzahler. „Bei den Anwendungen haben wir den Anteil der Selbstzahler noch mal deutlich erhöhen können“, freut sich Loth.

Der Kurdirektor sieht diese Entwicklung auch im Zusammenhang mit Veränderungen im Gesundheitssystem. „Wer es sich leisten kann, macht seine eigene Vorsorge. Die, die es sich nicht leisten können, sind auf Kassenrezepte angewiesen“, sagte Loth. Gleichzeitig beobachtet er ein Umdenken: „Jetzt hat man entdeckt, dass das Prinzip der Akutheit teuer ist.“ Krankenhäuser und Rehabilitationsmaßnahmen verursachten die höchsten Kosten: „Als Prävention und Vorsorge noch funktionierte, sah das anders aus“, erklärte Loth und verwies darauf.

Viele Menschen haben nach seiner Einschätzung noch ein überholtes Bild vom Kurwesen. „Kur hat ja auch so ein bisschen was Abgerocktes“, so Loth und klärte auf: „Sie kommen heute in kein einziges Kurmittelhaus mehr rein, wo sie weiß gekachelte Wände haben.“