Beitrag vom Donnerstag, 10. September 2026
Amprion: Viele Einschränkungen vermieden
Mit der nahenden Sturmflutsaison bringt der Übertragungsnetzbetreiber Amprion seine diesjährigen Tätigkeiten auf der Insel für dieses Jahr zu Ende. Gleich drei Projekte liefen über den Sommer parallel: eine Seekabelverlegung vor dem Nordstrand auf Höhe der Oase, Horizontalbohrungen von der Inselmitte zum Oasestrand sowie weitere Verlegungen von Seekabeln im Watt zwischen Insel und Festland. Wenn die Netzanbindungsprojekte fertiggestellt sind, werden sie Strom aus Offshore-Windkraftanlagen in das Festlandsnetz einspeisen.
„Dieses Jahr war wirklich besonders“, berichten Amprion-Projektsprecher Stefan Sennekamp und Henning Gründemann, Projektleiter für die Horizontalbohrungen auf Norderney: „Im Vorhinein waren die Befürchtungen vor starken Einschränkungen sehr groß. Da wir an den Strand gebohrt haben, waren wir sehr mit den touristischen Belangen konfrontiert. Aus unserer Sicht konnten wir aber die Störungen und Betroffenheit so stark minimieren, dass wir keine Beschwerden bekommen haben und gut mit den Badegästen ausgekommen sind.“
Turbulent verlief die Seekabelverlegung am Nordstrand für das Anbindungsprojekt Dolwin 4: Erst fuhr sich die Verlegebarge mit ihren Ankerpfählen im Sand fest und musste von Tauchern freigeschweißt werden. „Das hat uns das erste Mal den Zeitplan verhagelt“, schildert Sennekamp: „Das hatte aber zur Folge, dass wir das Kabel schneiden mussten und dann direkt vom Schiff einziehen konnten, ohne es vorher am Strand auszulegen.“
Das brachte eine Entlastung für Strandsauna und Badegäste. Weitere Verzögerungen ergaben sich durch die Strandung eines Seglers auf der Kabeltrasse und durch den Fund eines historischen Schiffswracks, auf das die Arbeiter bei der Verlegung des Kabels stießen. Mit über einem Monat Verzögerung konnte die Baustelle in den vergangenen Tagen geräumt werden.
Abgeschlossen sind auch die Horizontalbohrungen der Projekte Balwin 1 und 2. Die letzten Leerrohre wurden Ende August in die vorgebohrten Kanäle eingezogen und unterqueren nun die Insel in durchschnittlich 20 Metern Tiefe. Da östlich der Oase in diesem Jahr keine schützenswerten Vögel brüteten, konnten die Leerrohre vor dem Einzug in Richtung Osten gelagert werden, abseits des Badefeldes und der Strandsauna.
Nun müssen die Rohre noch geprüft werden, bevor die Rohr-Enden ebenfalls unter die Erde kommen, erläutert Gründemann. Anschließend wird die Baustelle nahe dem Leuchtturm, von der aus die Bohrungen stattfanden, geleert und die umgebende Lärmschutzwand abgebaut.
Aktuell läuft somit nur noch die Kabelverlegung für Borwin 4. Hier arbeitet sich derzeit die Verlegebarge „Barbarossa“ durch das Watt und hat das Fahrwasser nahezu hinter sich gelassen. Mit einer Springtide soll die Barge Ende dieser Woche auf Norderney anlanden. Dort wird das Kabel im Watt ausgelegt und anschließend in die Leerrohre eingezogen, so Sennekamp.
Für das nächste Jahr kündigen die Projektverantwortlichen wieder ruhigere Zeiten am Oasestrand an. Zwar werden erneut Seekabel verlegt, aber es finden in 2027 keine Horizontalbohrungen statt. In den darauffolgenden Jahren wird Amprion noch ein weiteres Netzanbindungsprojekt unter Norderney umsetzen. Wann die Bohrungen erfolgen sollen, ist derzeit aber laut Gründemann noch in der Planung.
Verfasst von Dorothee Linke
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