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Donnerstag, 13.April 2017 - 18:00 Uhr | Kategorie Aktuelles, Regionales

Kadeba: Schlechte Nachrichten

(der) – Es ist nicht leicht, sich ein umfassendes Bild der Lage in Südsudan zu machen. Im jüngsten Staat der Erde herrscht nach wie vor Bürgerkrieg. Dazu kommt die Sicherheitslage, die sich dramatisch verschlechtert hat, wie die Vereinten Nationen (UN) gerade wieder offiziell festgestellt haben. Nach UN-Angaben sind bislang rund 1,7 Millionen der rund 12.5 Millionen Einwohneraus dem Land geflohen. Viele Flüchtlinge sind auch im Land unterwegs.

Der Norderneyer „Freundeskreis Kadeba“, der unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde angesiedelt ist, hatte über Jahre Aufbauhilfe für den Ort Kadeba in Südsudan geleistet (Bau eines Geburtshauses und Beginn einer Schule für Mädchen). Geld dafür hatten viele Norderneyer, aber auch Freunde vom Festland gespendet. Einen bedeutenden Anteil erwirtschaftete zudem der Weltladen auf Norderney.

Mittlerweile beschäftigt den Freundeskreis vor allem die Nothilfe, so wurden in den letzten Monaten mehrfach 1.000 Euro an die Vertrauensleute im Südsudan transferiert, die damit Lebensmittel für Bedürftige kaufen und verteilen. Weiterhin besteht Kontakt mit den Vorsitzenden der „Stiftung für Frieden und Erziehung“ in Kadeba. Regelmäßig erreichen Berichte von Provest Sylvester den Freundeskreis. Auf Norderney hält Günter Selbach, früher Pastor auf Norderney, den Kontakt. Er sorgt auch für die Weiterleitung von Spenden.

Die Kirchen in Südsudan haben eine führende Rolle im Friedensprozess eingenommen.

Auch Provest Sylvester (Anglikanische Kirche) ist dabei beteiligt. Im Rahmen einer Vereinbarung zwischen der Armee und der lokalen Verwaltung wurden die Kirchen mit einer führenden Rolle in der Vertrauensbildung zwischen den Konfliktparteien betraut. Dabei arbeiten die verschiedenen Konfessionen in dem stark christlich geprägten Land zusammen.

In „Trauma-Healing-Workshops“ werden Verantwortungsträger aus Kirchen, Schulen, Verwaltungen und Regierung mit Grundzügen der Traumabewältigung bekannt gemacht, um sie weiterzugeben. Bei einem Workshop in Mundri, an dem auch zehn Bewohner aus Kadeba teilnahmen, ging es um die Begegnung zwischen Tätern und Opfern. Ziel ist es, ein friedliches Miteinander für die Zukunft zu erreichen. Das Motto der Workshops lautet „Healing the wounds of the hearts”, also Heilung seelischer Verletzungen.

Leider geht aus den Berichten auch hervor, dass der Ort Kadeba, wie die ganze Region, von den Kämpfen heimgesucht wurde. Große Teile der Bevölkerung wurden beim Rückzug der staatlichen Armee aufgefordert, als „lebende Schutzschilde“ mit nach Mundri zu gehen. Viele Familien sind getrennt.

Bei dem Fußmarsch gab es drei Angriffe aus dem Hinterhalt, bei denen wie durch ein Wunder niemand getötet wurde. Ein zwölfjähriges Mädchen starb auf der Flucht an Entkräftung. „Es war ein Moment, der einem das Herz brechen ließ“, schreibt Provost Sylvester. Große Teile der Bevölkerung Kadebas sind nun in Mundri, etwa 170 Kilometer westlich der Hauptstadt Juba untergekommen. Es fehlt an allem. Lebensmittel sind wegen der anhaltenden Dürre und vor allem, wegen des Bürgerkrieges unerschwinglich geworden.

Der Freundeskreis Kadeba bittet daher wieder um Spenden (Stichwort Hungerhilfe):

IBAN: DE45 2835 0000 0102 9966 67

 

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