Offshore-Windparks mit Auswirkungen: SDN warnt vor weiterer Industrialisierung der Nordsee

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Beitrag vom Samstag, 21. März 2026

Offshore-Windparks mit Auswirkungen:SDN warnt vor weiterer Industrialisierung der Nordsee

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie deutet darauf hin, dass Offshore-Windparks die Strömungsverhältnisse in der Nordsee verändern könnten.

Die Studie wurde von einem Forscherteam des Helmholtz-Zentrums Hereon erstellt und im Februar im Fachjournal „Communications Earth & Environment“ veröffentlicht.

Hintergrund ist der stark zunehmende Ausbau der Offshore-Windenergie: Nach Angaben der Studie waren bis 2024 bereits rund 23,5 Gigawatt Leistung mit etwa 4.500 Windturbinen in der Nordsee installiert. Politische Ausbauziele sehen eine Steigerung auf etwa 120 Gigawatt bis 2030 und rund 300 Gigawatt bis 2050 vor.

Die Untersuchung basiert auf hochauflösenden Modellrechnungen über einen Zeitraum von zehn Jahren. Demnach könnten große Offshore-Windparks die Geschwindigkeit von Meeresströmungen regional um bis zu 20 Prozent verringern. Ursache wäre nach Darstellung der Forschenden, dass die Rotoren der Anlagen dem Wind Energie entziehen, während die Fundamente der Turbinen unter Wasser als Hindernisse wirken und die Gezeitenströmungen beeinflussen.

Durch diese Prozesse entstehen sogenannte Nachlaufeffekte hinter den Windparks. Die Modellrechnungen legen nahe, dass sie unter anderem die Durchmischung des Wassers sowie den Sedimenttransport im Meer verändern könnten. In Regionen mit vielen Anlagen könnten die Strömungen im Durchschnitt um fünf bis 15 Prozent verlangsamt werden. Zudem deuten die Simulationen darauf hin, dass sich die Meeresoberfläche in Windparkgebieten langfristig um bis zu etwa 0,2 Grad Celsius erwärmen könnte.

Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN), Gerd-Christian Wagner, sieht sich durch die Ergebnisse dieser Studie bestätigt: „Schon früh haben wir vor diesem extremen Industrie-Ausbau in unserer Nordsee gewarnt“, erklärte er. Bereits zu Beginn des Offshore-Ausbaus habe die Organisation auf mögliche Auswirkungen auf Strömungsverhältnisse und Meeresökologie hingewiesen.

Auch der zweite Vorsitzende der Organisation, Ulrich Birstein, betont, dass die Energiewende auf See nur im Zusammenhang mit möglichen Folgen für das Ökosystem betrachtet werden kann: „Die Industrialisierung der Nordsee schreitet in vielen Bereichen gleichzeitig voran. Offshore-Windparks sind dabei nur ein Teil des Problems“, warnt er. Hinzu komme neben einer steigenden Havarie-Gefahr im Schiffsverkehr auch Unterwasserlärm, Müllbelastungen, Öl- und Gasförderung, Schlickverklappungen sowie der Ausbau von Rohrleitungen und Kabeltrassen durch Nordsee und Wattenmeer.

„Jeder einzelne dieser Eingriffe belastet das Meer zusätzlich“, kritisiert Birstein. „In der Summe entsteht ein massiver Nutzungsdruck auf einen Lebens- und Naturraum, der ohnehin schon stark belastet ist. Wer die Nordsee schützen will, muss diese Entwicklungen endlich gesamthaft betrachten – und nicht nur einzelne Projekte genehmigen, ohne ihre Gesamtwirkung zu berücksichtigen.“

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