Beitrag vom Dienstag, 29. September 2026
100 Jahre Heimatverein: Wo die Vergangenheit lebendig wird
Hundert Jahre sind eine lange Zeit, selbst für einen Verein, der sich mit der Vergangenheit beschäftigt. Als sich am 29. September 1926 einige Norderneyer zusammentaten, wollten sie etwas bewahren, von dem sie offenbar schon damals fürchteten, es könne verschwinden: die Sprache der Insel, ihre Sitten und Geschichten, ihre Lieder und ihre Art zu leben.
Die Spielschar gründete sich am selben Tag wie der Heimatverein. Bis heute tragen die Sängerinnen und Sänger die historische Norderneyer Fischertracht wie sie vor 250 bis 300 Jahren auf der Insel getragen wurde. Zu ihren Auftritten gehört das Norderneyer Platt. Sie tragen Gedichte vor, tanzen die alten Volkstänze und erzählen von der vergangenen Heimat Norderney.
Bei ihren Auftritten erzählen sie von dem Leben der Fischer und Badegäste, Bedienstete an den Stränden und Arbeiter beim Buhnenbau. Fern von den historischen Bademoden zeigen sie die Alltagskleider der Insulaner und die Kleidung einer Inselbraut im 18. Jahrhundert. Was heute Kostüm ist, war einmal Alltag.Und so steht der Heimatverein auch nach 100 Jahren dafür, das Vergangene zu erklären.
Wer nach einem Ort auf der Insel sucht, wo die Vergangenheit lebt, wird im Argonner Wäldchen fündig.
Dort steht seit 1937 das Fischerhaus-Museum. Dort ist das Norderney der früheren Generationen Zuhause. 2007 kam das Teehuus hinzu. Hier beginnen nicht nur die Gästeführungen, es wird auch gelehrt, wie man auf der Insel Tee trinkt, es werden Bilder gezeigt und Geschichten erzählt. Und so hält der Heimatverein die Vergangenheit beständig lebendig: Noch immer stellt die Spielschar jedes Jahr den Pfingstbaum auf. Noch immer wird Platt gesprochen, gesungen und vorgelesen. Von Mai bis Oktober gibt es Teeseminare und Teestunden. Im Advent gehören plattdeutsche Weihnachtsgeschichten zum Programm.
Es sind aber auch Dinge verschwunden: So gibt es die Klootschießer des Heimatvereins nicht mehr, ebenso wenig eine aktive Kindergruppe. Das letzte plattdeutsche Theaterstück wurde 2011 aufgeführt. Auch die Heimatabende, die lange zum Inselleben gehörten, finden derzeit nicht mehr statt.
Während alte Angebote verschwinden, erfindet der Heimatverein immer neue. Inzwischen veranstaltet der Verein am Teehuus das Rudelsingen und ein Rundgang führt zu Sagen, Legenden und Mythen der Insel.
Der Arbeitskreis für Geschichte und Kultur sammelt Geschichten, Gedichte und Wissen über Norderney. Auf die Museumsfeste folgen nun internationale Teefeste, bei denen neben ostfriesischen auch Teetraditionen aus Eritrea, Vietnam, der Türkei und Griechenland von den Einwohnern vorgestellt werden. In diesem Jahr kam ein Musikfest hinzu.
Und dann ist da noch der alte Bus. Der historische Omnibus Nummer 19 ist der letzte seiner Art von der Insel. Mehrfach wurde er aufwendig restauriert. Zum hundertsten Geburtstag hat der Heimatverein ihm einen geschützten Platz zukommen lassen und so steht er seit Mai in einer neuen Remise, gemeinsam mit dem Nachbau einer historischen Badekutsche und einem restaurierten Pferdeschlitten.
Verfasst von Anja Pape
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