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Samstag, 23.April 2016 - 00:02 Uhr | Kategorie Aktuelles, Allgemein, Regionales

Weltweites Hummersterben

(cawi) – Das Nationalpark-Haus hat einen neuen Hummer. Waldemar der Zweite ist nun in den Watt-Welten zuhause.

Waldemar ist einer von wenigen Überlebenden seiner Art. Weltweit ist ein extremes Hummersterben zu beobachten. Vor der Küste Helgolands, der ehemaligen Hochburg des Hummerfischens an der Nordseeküste, wurden im Jahr mindestens 20.000 Hummer gefangen. Die Spitzenfangzählungen ergaben sogar 80.000 Tiere. Heute sind es zwischen 100 und 200 Exemplare der Großkrebse. In Schweden gab es bis in die 1940er Jahre jährliche Fänge von 240 Tonnen. Heute sind es lediglich 6 Tonnen.

Wie das Alfred-Wegener-Institut auf Nachfrage mitteilte, können die Ursachen für die hohe Sterberate nicht mehr genau bestimmt werden. Jedoch gibt es einige Vermutungen, die ausschlaggebend wirken könnten. Durch Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg und Landgewinnungsmaßnahmen wurde der Lebensraum der Hummer drastisch zerstört und verkleinert. Ein erhöhter Fischereidruck sorgte für Überfischung. Die Nordsee ist durch die Erdölförderung verschmutzt. Die empfindlichen Geruchsorgane der Hummer werden durch die Chemikalien geschädigt. Ein weiterer Grund ist die Meereserwärmung. Das Schlüpfen der Larven ist temperaturabhängig, somit finden die Jungtiere noch nicht die nötige Nahrung.

Um die hohe Sterberate ansatzweise auszugleichen, ist ein Projekt zur Ansiedlung des Europäischen Hummers in dem Offshore-Windpark „Riffgat“ vor Borkum ins Leben gerufen worden. Der Untergrund der Windparks ist im Gegensatz zu dem übrigen Boden der Deutschen Bucht felsig und bietet somit einen geeigneten Lebensraum für die Großkrebse. Das Land Niedersachsen fördert dieses Projekt mit knapp 700.000 Euro.

Ein anderer Lösungsansatz wird auf Helgoland verfolgt. Dort werden gefischte, tragende Weibchen an die Biologische Anstalt Helgoland (BAH) übergeben. Ihre Larven werden in der Aufzuchtstation für etwa ein Jahr lang groß gezogen und dann ausgesetzt. Eine Larve koste zum Zeitpunkt des Auswilderns 400 bis 500 Euro, weiß Berit Finkennest, Biologin im Nationalpark-Haus Watt-Welten.

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Helgoland verleiht die BAH des Alfred-Wegener-Instituts seit 2007 Hummerpatenschaften. Der Pate darf an der Aussetzung teilnehmen und bekommt einen Gutschein für eine Führung durch die Hummerzucht der Biologischen Anstalt Helgoland.

Foto: Carla Wittenberg

 

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