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Freitag, 16.August 2019 - 00:02 Uhr | Kategorie Aktuelles, Politik, Regionales

Unterwegs mit dem Landeschef

(syk) – Nass, trüb und kalt präsentierte sich das Inselwetter zum Besuch des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil am Mittwoch. Dennoch stieg der Landeschef gut gelaunt aus dem Charterflugzeug der FLN, um mit Bürgermeister Frank Ulrichs, Kurdirektor Wilhelm Loth und zahlreichen Vertretern von Feuerwehr, Polizei, Promedica, Nationalparkverwaltung sowie Landespolitikern in den Inselosten zu fahren. Dort angekommen stand ursprünglich eine Müllsammelaktion auf dem eng getakteten Terminkalender. Der anhaltende Regen, der nicht nur von oben kam, machte dem Vorhaben aber einen Strich durch die Rechnung.

Trotz des nasskalten Wetters war der Ministerpräsident bestens gelaunt
und ließ sich von Regen und Wind nicht beeindrucken.

Um dem Ministerpräsidenten die Problematik der Meeres- und Strandmüllverschmutzung auf der Insel dennoch zu veranschaulichen, machte die Gruppe Halt an einer Strandmüllbox. Im Inneren befanden sich neben Verpackungsmüll auch eine Menge an Fischernetzen, deren Rohstoff laut dem Ranger Niels Biewer so konzipiert sei, um im Meer zu landen. Die Strandmüllboxen würden von Norderneyern aber auch Gästen gut angenommen, erklärte der Kurdirektor.  Die Sensibilität für die Thematik Verschmutzung sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Es werde sicherlich nach wie vor Müll aus den Containern der im Januar havarierten MSC Zoe angeschwemmt werden, ergänzte Bürgermeister Frank Ulrichs und verdeutlichte damit die Situation auf der Insel. Das werde wohl noch die nächsten Jahre so sein, so auch die Befürchtung des Norderneyer Rangers.

 Um die Strände sauber zu halten, sammeln Norderneyer und Gäste den Müll und bringen ihn zu den Strandmüllboxen.

Damit die Strände sauber seien, werde der größte Teil der Reinigung von Strandreinigungsmaschinen übernommen, von dem sich der Landeschef auch ein Bild machen konnte. Christoph Bruns von den Technischen Diensten Norderney erklärte dem Ministerpräsidenten die Technik der Maschine. Mit fünf Stundenkilometern fahre er über den Strand und die Maschine sauge den Sand ein und reinige diesen vom größten Schmutz. Diese Arbeit falle täglich von frühmorgens bis gegen 10 Uhr an, so Bruns.

Ganz genau ließ sich Stephan Weil das Strandreinigungsgerät erklären.

Neben den vielen Informationen gönnte sich der Ministerpräsident auch eine Spritztour mit Strandchef Horst Marks auf einem Quad – erst als Beifahrer, dann als Fahrer. „Das hat mal Spaß gemacht“, sagte der Landeschef mit einem breiten Lächeln, als er vom Fahrzeug abstieg und verriet außerdem im kurzen Gespräch, dass dies auch das Schöne an seinem Beruf sei, „ich darf vieles ausprobieren“.

 

Der Ministerpräsident hatte sichtlich Spaß, mit dem Quad zu fahren.

Durchnässt und mit viel Wissen über die Problematik durch Meeresmüll auf der Insel ging es zu dem nächsten Programmpunkt – der Tennet Baustelle. Dort konnte sich die Gruppe erstmal im Trockenen aufwärmen, während der Projektleiter Matthias Hensing eine Präsentation zur Horizontalbohrung gab.

„Alle Welt redet von Klimaschutz, aber wir werden das nicht hinkriegen, wenn nicht auf erneuerbare Energien umgestellt wird“, so Weil und sprach sich damit deutlich für einen Ausbau der Windenergie aus. „Wind geht auf See immer“. Diese Art der Energiegewinnung sei aus Gründen des Klimaschutzes und Industriepolitik nicht mehr wegzudenken.

Nach einer Sicherheitseinweisung ging es zur Bohrstelle, die sich hinter meterhohen Wänden verbirgt und anschließend an den Deich, von dem aus ein wenig von dem Seekabel zu sehen war.  Etwa zwei Wochen hätte es gedauert, bis die Wände, die als Lärmschutz dienen, aufgebaut gewesen seien, so Hensing auf Nachfrage. Das überdimensional große Bohrgerät mache zwar keine lauten Geräusche, aber das ständige Brummen der Maschinen störe schon. Ministerpräsident Stephan Weil fand es spannend zu sehen, wie sowas in der Praxis aussehe, sagte er zum Abschluss. Man könnte den Bohrer mit einem motorisierten Maulwurf vergleichen, zeigte sich Weil beeindruckt von der Technik.

Obwohl der nächste Termin in der Kindertagesstätte Kükennest immer näher rückte, ließ Weil es sich nicht nehmen, mit drei jungen Bundesfreiwilligendienstlern einen kurz Schnack zu halten.

Fotos: Sabine Sykora