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Dienstag, 22.Januar 2013 - 11:00 Uhr | Kategorie Politik

Stefan Schostok: „Bombenmäßige Stimmung“

Stefan Schostok 2011 auf Norderney

Titelbild: Der scheidende SPD-Fraktionschef im Landtag, Stefan Schostok, im Mai 2011 vor dem Conversationshaus auf Norderney. Anlass des Besuchs war die Klausurtagung der SPD-Fraktion. Foto: Bernd Dörner

(der) – Für die Sozialdemokraten in Niedersachsen war es gestern ein Tag des Aufbruchs. Mit der knappen Mehrheit von einem Sitz im Niedersächsischen Landtag werden SPD und Grüne voraussichtlich die Regierung übernehmen. Für den Norderney-Urlauber Stefan Schostok war es ein Tag der Freude und des Abschieds zugleich, denn der bisherige Fraktionsvorsitzende der SPD im Niedersächsischen Landtag wird nicht wieder in das Landesparlament einziehen. Mit 96 Prozent der Stimmen wurde er vom Stadtverband Hannover für die Kandidatur für das Amt des Oberbürgermeisters in Hannover vorgeschlagen. Schostok folgt im Fall des Wahlsieges auf den Posten des bisherigen Oberbürgermeisters Stephan Weil, der nun Ministerpräsident in Niedersachsen wird.

Die Nacht zu Montag war kurz für den SPD-Politiker. Bis 4 Uhr in der Frühe wurde gefeiert. Doch viel Schlaf blieb dem 48-jährigen Schostok nicht. Schon zu früher Stunde riefen Fernsehen und Radio an und wollten nach dem niedersächsischen Wahlkrimi ein Interview. Entsprechend müde klang Schostok, als er den Norderneyer Morgen am Telefon hatte.

Die Stimmung in Hannover sei „bombenmäßig“. Seine Prognose von einem knappen Vorsprung von 0,3 Prozent sei beinahe hingekommen, sagt Schostok nicht ohne Stolz. Am Ende waren es 0,4 Prozent. Er sei immer gut informiert und habe schon am Freitag aus CDU-Kreisen mitbekommen, dass E-Mails verschickt wurden, um die Leihstimmen für die FDP abzubremsen, da die CDU befürchtete, selbst Schaden zu nehmen.

Viele Grünen-Wähler hätten hingegen auch bei der Erststimme die Grünen-Kandidaten gewählt. Diese Stimmen fehlten dann den SPD-Kandidaten in den einzelnen Wahlkreisen. Schostok: „Es hätte nicht so eng enden müssen.“
Im Bereich Bildung stehe an, die Studiengebühren abzuschaffen. Die Finanzierung solle durch Umschichtungen im Haushalt sichergestellt werden. Niedersachsen und Bayern sind die letzten Bundesländer, in denen noch Studiengebühren gelten.

„Wir wollen Fortschritte im Ganztagsbereich der Schulen“, so Schostok. Das Schulgesetz solle „behutsam“ geändert werden. Die Rechte der Eltern und die Möglichkeiten der Schüler sollen erweitert werden, so Schostok. Dies werde zum Beispiel durch die Einrichtung integrierter Gesamtschulen geschehen.

Beim Thema Energiewende gehe es darum, dass planvoller gearbeitet werde. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze stehe an. Ein weiterer wichtiger Themenbereich sei die Infrastruktur, etwa die Breitband-Internetversorgung in der Fläche.

Im Bereich der Landwirtschaft werde die SPD die eigenen Vorstellungen mit den Grünen diskutieren. „Wir wollen, dass unser Land ein Vorbild ist für Gesunde Ernährung“, so Schostok. Dies betreffe unter anderem den Bereich der Intensiv-Tierhaltung. Dabei gebe es umstrittene Themen, wie großflächige Monokulturen zur Energiegewinnung. Die Landwirtschaft lasse sich nicht komplett auf Kleinbetriebe umstellen.

Ein  „besonderes Markenzeichen“ des künftigen Ministerpräsidenten Stephan Weil werde die Zusammenarbeit mit den Landkreisen und Kommunen sein, so Schostok.

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