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Donnerstag, 05.Januar 2012 - 11:15 Uhr | Kategorie Regionales

Seltener Neujahrsbesuch

(der) – Familie Spilak vom gleichnamigen Campingplatz auf Norderney saß am Neujahrstag am Kaffeetisch und staunte nicht schlecht beim Blick aus dem Fenster. Am Vogelhäuschen war es nicht eine Amsel, die sich an dem Vogelfutter zu Schaffen machte, sondern ein exotischer grüner Papagei. Die Nachfrage beim Nachbarn Wolfgang Naase ergab, es sei ein Halsbandsittich. Naase, ist Vorsitzender des Vogelzuchtvereins Norderney und kennt sich aus.
„Wir waren alle ganz erstaunt, dass am Vogelkasten auf einmal ein Papagei hängt“, sagt Bärbel Spilak. Der Nachbar habe ihr berichtet, dass im Raum Köln wohl mal ein paar Tiere ausgebüxt sind und sich vermehrt haben.
Der Norderneyer Biologe und Vogelkundler Hartmut Andretzke kann das bestätigen. Es gebe mittlerweile eine Reihe bodenständiger Populationen dieser Vogelart.
Die etwa 40 Zentimeter langen Vögel stammen aus Afrika und Asien und wurden als Käfigvögel nach Europa gebracht. Vor allem in klimatisch begünstigten Gegenden breiten sich die Sittiche aus.
Stabile Gruppen sind unter anderem aus Köln, Düsseldorf und Wiesbaden bekannt. Doch auch in anderen Städten hat man schon Gruppen dieser Neozonen, so der Fachbegriff für eingewanderte Tiere, gesichtet. Als Kulturfolger ist der Halsbandsittich dort zu finden, wo Menschen sind. Das hängt vor allem mit dem Nahrungsangebot zusammen.
Die Stadt Düsseldorf widmet sich den Einwanderern sogar auf der Homepage des städtischen Umweltamtes.
Der grün gefärbte Halsbandsittich konnte sich laut Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache erfolgreich vermehren. Seit der ersten Sichtung einiger weniger Halsbandsittiche im Jahr 1983 sei die Zahl der Tiere auf etwa 800 angewachsen.
Von den Vogelneozonen gibt es 20 bis 30 Arten in Deutschland, sagt Andretzke. Die spektakulärste Art sind dabei Nandus, Straußenvögel, die wild im Grenzgebiet zwischen Schleswig Holstein und Mecklenburg-Vorpommern leben.
Ein interessantes Beispiel sei auch die Nilgans, die sich explosionsartig in unseren Breiten vermehrt hat, berichtet der Biologe. Die interessanteste Geschichte sei in diesem Zusammenhang die Einwanderung der Glanzkrähe, die ebenfalls aus Asien stammt. Die Vögel seien nachweisbar auf Öltankern in die Niederlande eingereist. Die Vögel seien auf den Schiffen gefüttert worden, hätten erfolgreich an Bord gebrütet und wären dann an Land gegangen, so Andretzke.
Auch bei bodenlebenden Tieren gibt es Zuwanderer. Die pazifische Auster, vor zehn Jahren so richtig aufgetaucht, gehört heute fest zum Bild im Wattenmeer.
Die aus China stammende Wollhandkrabbe kam auch mit Schiffen über das Meer, vermutlich in Ballast-Tanks. Mittlerweile hat sich die Krabbe im Nord-Ostsee-Kanal und im Hamburger Hafen so weit vermehrt, dass sie sogar kommerziell befischt wird, aber auch Probleme in den Schleusen verursacht.
Der bekannteste Wanderer ist die Wanderratte. Die kam ursprünglich nur in einem kleinen Verbreitungsgebiet ich China vor. Heute gibt es den Nager praktisch auf allen Kontinenten.

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