Nomo Online News

Dienstag, 12.Juni 2012 - 11:00 Uhr | Kategorie Regionales

Schlecker: „Aus Wenig Viel machen“

Schlecker_DSC_0167_online

Titelbild: Verkaufen, bis nichts mehr da ist: Die Schlecker-Insolvenz ist auf Norderney angekommen.  Foto: Dörner

(bad) – Die Regale sind zum Teil schon leer, neue Ware gibt es nicht mehr: Der Ausverkauf der Norderneyer Schlecker-Filialen läuft auf Hochtouren. Dabei gehörten sie zu den umsatzstärksten Läden der Schlecker-Kette überhaupt, meint eine Schlecker-Mitarbeiterin.

„Aus Wenig Viel machen“, am besten mit einem Euro Einsatz 100 Euro Umsatz generieren, das sei das Schlecker-Prinzip, so die Mitarbeiterin. Aber davon träume wohl jeder Kaufmann. Das sei nicht auf Schlecker beschränkt. Da entwickle man mit der Zeit ein dickes Fell.

Sie habe sich nie etwas gefallen lassen. Auf der Insel habe sie sich das leisten können. Im September 2006 noch seien die Firmeninhaber Anton und Christa Schlecker auf Norderney gewesen und hätten allen Mitarbeitern die Hand geschüttelt. Bei Schlecker wurden die umsatzstärksten Filialen besucht. Auch zu den Verkaufsstellen des Monats hätten die Norderneyer Filialen regelmäßig gehört. So richtig sei der Umsatz erst im letzten halben Jahr zurückgegangen.

Jetzt werde nur noch die im Lager verbliebene Restware abverkauft. Immerhin Ware im Wert von rund 60.000 Euro. Neue Ware bekämen sie nicht mehr, so die Mitarbeiterin. Wenn alles weg ist, werden die Filialen geschlossen, „dann war’s das“. Eine Kündigung? Nein, die hätten sie bis heute nicht. Die käme wahrscheinlich am 29. Juni. Spätestens dann schließen die Filialen des Schlecker-Konzerns bundesweit.

Das Arbeitsamt wisse bereits Bescheid. Dort sei die bevorstehende Kündigung der Mitarbeiter durch den Konzern bereits bekannt gegeben worden, worauf alle Schlecker-Mitarbeiter angerufen wurden. Sie habe sich, wie die anderen auch, vorsorglich arbeitssuchend gemeldet. Zwar gelten in einer Insolvenz andere, kürzere Kündigungsfristen, als gewöhnlich, aber auch die habe der Konzern bereits unterschritten. Sie wolle sich daher mit den Kolleginnen zusammentun und eine Sammelklage gegen Schlecker anstrengen wegen nicht fristgerechter Kündigung.

Die Schlecker-Mitarbeiterin sieht es gelassen. Wenn man gut sei, dann finde man auf Norderney immer Arbeit. Die Bezahlung, das sei etwas anderes. Schlecker habe immer gut gezahlt: Zuschläge ab 18.30 Uhr und für Feiertage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. So etwas gebe es wahrscheinlich in dieser Form nicht wieder.

Auch die Kolleginnen der zweiten Norderneyer Schlecker-Filiale sind trotz Ausverkaufs guter Dinge. Sie seien sich sicher, dass sie wieder Arbeit finden, ergänzt eine andere Mitarbeiterin. Das liege nicht zuletzt an der Insellage. Die Kollegen am Festland seien da viel schlechter dran als sie.

In der Norderneyer Ihr Platz-Filiale läuft der reguläre Verkauf derweil weiter. Die Verhandlungen über die Ihr Platz-Kette laufen noch, so ein Mitarbeiter der Norderneyer Filiale. Noch sei nichts entschieden.

Am Freitag waren Verhandlungen zwischen der Münchner Dubag und den Gläubigern des Schlecker-Konzerns gescheitert. Dubag steht für Deutsche Unternehmensbeteiligungen AG. Das Münchner Unternehmen kauft andere Unternehmen oder Unternehmensteile auf, verschlankt und optimiert diese und verkauft sie anschließend mit Gewinn weiter.

Zu den bevorzugten Objekten der Tätigkeit gehören laut Dubags eigenem Internetauftritt „Unternehmen in Branchen mit Konsolidierungsbedarf, Nicht-Kerngeschäftsaktivitäten von Konzernen, ungelöste Nachfolgeregelungen oder Unternehmen in der Insolvenz“.

Die Dubag hatte sich für die Schlecker-Unternehmensteile Ihr Platz und Schlecker XL interessiert. Für die Ihr Platz-Kette sucht der Schlecker-Insolvenzverwalter Berichten zufolge weiter nach einer Lösung.

Schlecker: "Aus Wenig Viel machen", 5.0 out of 5 based on 1 rating
VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (1 abgegebene Stimme)

Marktplatz Norderney

Zum Marktplatz