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Samstag, 11.Februar 2012 - 11:00 Uhr | Kategorie Regionales

Rettung aus dem Eis geübt

(bad) – Eine geschlossene Eisdecke ist schön anzuschauen und lädt zum Schlittschuhlaufen ein. Doch Eis kann trügerisch sein. Gewässer frieren von oben und vom Rand her zu. Ist am Ufer die Eisdecke bereits tragfähig, kann sie nur wenige Meter vom Ufer entfernt bereits zu dünn sein, um einen Menschen tragen zu können. Daher probten die Feuerwehr Norderney und der Ortsverein der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstagabend die Rettung aus dem Eis.

Zunächst wurde die Rettung mit einem Spineboard (engl. spine = Wirbelsäule) durchgeführt. Dieses Hilfsmittel dient eigentlich dazu, Personen zu bergen, bei denen eine Verletzung der Wirbelsäule vermutet wird.
Mit dickem Neopren-Trockenanzug angezogen mimte Heiko Jacobs das ins Eis eingebrochene Opfer. Jacobs ist Rettungsschwimmer und -taucher bei der DLRG. Die Übung fand im Hafenbecken statt. Unter Kälte hatte Jacobs nach eigener Aussage nicht zu leiden. Der Anzug ist vom Hersteller nur für Wassertemperaturen unter 16 Grad Celsius vorgesehen.

Als Retter fungierte Heiko Meiling. Der Retter benutzte das Spineboard zur Verteilung seines Körpergewichts. Ein Knie auf dem Board, das andere auf dem Eis, rutschte Meiling zur Einbruchstelle, bis er Jacobs greifen konnte. Die Rettung mit dem Spineboard verlief allerdings nicht so, wie gewünscht, berichtet Heiko Jacobs. Das Eis sei zu rau gewesen. Das Brett sei nicht so gut gerutscht wie gewünscht.

Im zweiten Durchlauf benutzten die Einsatzkräfte daher ein Surfbrett. Das habe besser funktioniert.
Das Eis im Hafenbecken knackt nicht, bevor es bricht, warnt Jacobs vor Experimenten. Das hänge damit zusammen, dass es aus Salzwasser entstanden sei. Die Struktur sei anders als bei Süßwassereis, das zunächst vernehmlich knacke oder knalle, bevor es nachgibt.
Mit einem anderen hartnäckigen Gerücht räumt Jacobs auch gleich auf: Viel Kleidung bedeutet nicht, dass man schnell untergeht, sagt der Rettungsschwimmer. Im Gegenteil, viel Kleidung gebe viel Auftrieb. Das liege an der Struktur und an der in der Kleidung eingeschlossenen Luft. Zudem wärme Kleidung auch im Wasser. Wer ins Eis einbricht, solle tunlichst also nicht anfangen, irgendetwas auszuziehen. Das beschleunige nur das Auskühlen.

Schwer werde nasse Kleidung erst, wenn man versuche das Wasser zu verlassen. Dann trage man auf einmal 30 Kilogramm mehr mit sich herum, so Jacobs. Das Wasser müsse aus der Kleidung erst mal raus. Daher würden bekleidete Personen auch nur langsam aus dem Wasser gezogen.

Eine Eisrettung sei zum Glück bisher noch nie nötig gewesen, so Jacobs. Das Wasser von Gondelteich und Schwanenteich sei einfach nicht tief genug, als dass man dort nicht stehen könne. Anders sehe es aus im Hafenbecken. Dort könne jemand, der einbricht, tatsächlich untertauchen. Aus diesem Grund werde eine Eisrettung einmal im Jahr geübt.
Viel Hoffnung macht sich der Rettungstaucher allerdings nicht, sollte tatsächlich einmal jemand im Hafenbecken einbrechen. Vielleicht fünf Minuten könne jemand durchhalten, der im eiskalten Wasser hängt, so Jacobs. Beine und Arme würden als erstes taub und steif. Eine Befreiung aus eigener Kraft sei spätestens dann praktisch ausgeschlossen. Unter Umständen vergehe auch erst einige Zeit bis der Unfall bemerkt wird. Dann werde aus einem Rettungseinsatz schnell ein Bergungseinsatz.

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