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Dienstag, 30.Juli 2013 - 09:42 Uhr | Kategorie Regionales

Pflegenoten im Seniorenheim: „Organisation ist alles“

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Titelbild: Wie im Wohnzimmer: Blaue Sofas, Saft auf dem Tisch, Bilder, Wanduhr und Teppichboden - ein Aufenthaltsraum im Seniorenheim Norddeich. Foto: Dörner

(bad) – Das Senioren- und Pflegeheim „Haus Inselfrieden“ auf Norderney wird, wie jedes Pflegeheim, durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geprüft. Zuletzt erwarb es sich im April dieses Jahres die Note 1,0. Eine bessere Benotung geht nicht.

Ebenfalls mit der Note 1,0 hat das Seniorenheim Norddeich die letzte MDK-Prüfung bestanden. Die Einrichtung ist mit 47 Plätzen von der Größe her vergleichbar mit dem Haus Inselfrieden. Wie Unterbringung, Betreuung und Pflege der Bewohner dort geregelt sind, davon konnte sich der Norderneyer Morgen vor Ort ein Bild machen.

Direkt ins Auge fällt die große Glasfront des Hauses. Wo man zunächst einen Speisesaal vermutet, ist tatsächlich ein Wintergarten, der ausschließlich dem Aufenthalt dient. Hier treffen sich Bewohner untereinander und mit ihrem Besuch. Offene Türen und ein angenehmer Geruch empfangen Besucher, die weiter ins Haus hineingehen. Dort findet man Teppiche, hell erleuchtete Flure, viele verschiedene Tapeten und Bilder an den Wänden. Weitere Details, wie das ostfriesische Teeservice, das am Eingang gleich zum Dableiben einlädt, oder auch die Bilder ehemaliger Bewohner vermitteln einen Eindruck von Häuslichkeit und eine familiäre Atmosphäre.

Das sei genau so gewünscht, sagt Heimleiter Peter Gerdes. In dieser Einrichtung wie in allen Einrichtungen der Peter-Janssen-Gruppe, zu der auch das Seniorenheim Norddeich zähle, lege man besonders viel Wert auf Wohnlichkeit. Daher würden auch die Gruppen möglichst klein gehalten und es gebe keinen Speisesaal. Für die Mahlzeiten dienten die Aufenthaltsräume auf den Etagen.

Peter Gerdes ist ausgebildeter Altenpfleger. 2003 begann er seine Laufbahn im Seniorenheim Norddeich, wo er bis 2008 als examinierte Altenpflegefachkraft arbeitete. Berufsbegleitend absolvierte er eine Ausbildung zur Pflegedienstleitung. Diesen Posten nahm er von 2008 bis 2012 im Domizil MediCenter in Norden wahr. Seit einem Jahr hat Gerdes die Leitung des Seniorenheims Norddeich und des Domizils MediCenter in Norden inne.

Angesprochen auf die MDK-Prüfungen, sagt der Heimleiter: „Organisation ist alles“. Und zeigt auf eine Reihe Aktenordner. Diese 18 Ordner halte er immer für die MDK-Prüfung vor.

Der MDK komme immer unangemeldet. Die Prüfer seien in den meisten Fällen selbst examinierte Pflegefachkräfte mit einer Zusatzqualifikation für die MDK-Prüfung. Geprüft werde die Strukturqualität und die Ergebnisqualität der Einrichtung, also welche Konzepte ein Haus habe und wie es diese umsetze. Nach dem Zufallsprinzip wähle der MDK einige Bewohner aus und überprüfe deren Akten auf Fehler in der Dokumentation und Unstimmigkeiten. Die Bewohner oder bei betreuten Bewohnern deren Betreuer müssten der Prüfung allerdings zustimmen. Auf die Auswahl der Bewohner habe die Einrichtung keinen Einfluss, so Gerdes. Daher müssten immer alle Akten stimmen. Schummeln könne man da nicht.

Heimleiter Peter Gerdes und Pflegedienstleiterin Angelika Peters.

Heimleiter Peter Gerdes und Pflegedienstleiterin Angelika Peters.

Jede Leistung an einem Bewohner müsse dokumentiert sein, erklärt der Heimleiter. Das gehe von der Medikamentengabe oder der Wundversorgung, beides selbstverständlich nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt, über Bewegungs- und Lagerungspläne hin zum Betreuungsangebot. Jedes Medikament werde mit Anbruchdatum versehen.

Bedarfsmedikation stehe gesondert. Die Einhaltung der Ablaufdaten werde vierteljährlich von einer Apotheke überprüft. Durch Bewohnerbefragungen versuche er die Bewohnerzufriedenheit zu ermitteln. Die Pflegedienstleitung führe regelmäßig Pflegevisiten durch, bei der überprüft werde, ob einzelne Bewohner gut gepflegt würden. Hinzu kommen Protokolle und Unterschriften, mit denen die Einrichtung jedes Treffen der Küche und der Pflegekräfte und jede Information an die Mitarbeiter festhält. Was sich nach viel Papier anhört, ist es auch.

Erhalte eine Pflegeeinrichtung eine schlechte Note, dann sage das nicht unbedingt etwas über die Qualität der Pflege aus. Aber es sage mit Sicherheit etwas über die Organisation der Dokumentation aus. Alle Mitarbeiter müssten integriert sein, so Gerdes. Damit meine er die Einbindung der Mitarbeiter in den Informationsfluss innerhalb des Unternehmens. Es bringe nichts, wenn Heimleitung und Pflegedienstleitung Bescheid wüssten, aber die Mitarbeiter nicht.

Derzeit sind 41 Plätze im Seniorenheim Norddeich belegt. Davon sind je 14 Bewohner in die beiden höchsten Pflegestufen Zwei und Drei eingestuft. Zwölf Bewohnern wurde die Pflegestufe Eins bewilligt. Ein Bewohner befand sich zum Zeitpunkt des Gesprächs in Pflegestufe Null.

Das bedeute, dass dieser Bewohner zwar pflegebedürftig sei, aber es nicht für eine Pflegestufe reiche, erläutert Gerdes. Für Pflegestufe Eins sei ein täglicher Pflegeaufwand von 90 Minuten oder mehr erforderlich. Weniger Pflegebedarf etwa könne sein, wenn ein Bewohner gerade von einer Operation zurückkomme und lediglich in einem bestimmten Bereich Unterstützung benötige.

Hinzu komme ein „erhöhter Betreuungsbedarf“ nach § 87 b Sozialgesetzbuch XI, so Gerdes. Einige Bewohner seien nicht mehr in der Lage, sich selbst zu beschäftigen. Für diese Bewohner gebe es zusätzlich zu den Freizeitangeboten, die grundsätzlich zweimal die Woche stattfänden, noch dreimal die Woche die Wohnküche. Durch die Vorbereitung und Durchführung eines gemeinsamen Frühstücks, durch Backtage, Hauswirtschaftstage und ähnliches würden die Bewohner in besonderer Weise aktiviert.

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