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Donnerstag, 11.Februar 2016 - 16:20 Uhr | Kategorie Wirtschaft

Offshore-Windparks vor den Inseln

Offshore Windräder vor Norderney

Titelbild: Vom Norderneyer Nordstrand aus sind die Windräder mit bloßem Auge zu erkennen. Foto: Privat

(der) – Im Norddeicher Hafen drängeln sich die Schiffe, im Hafen von Norderney liegen Katamarane mit Heimathafen Southampton und am Horizont nördlich von Norderney drehen sich die Windräder und sind bei guter Sicht mit bloßem Auge zu erkennen. Das Offshore-Zeitalter hat längst begonnen und vor den ostfriesischen Inseln und in der deutschen Nordsee vollzieht sich gerade das größte Industrialisierungsprojekt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Zukunft liegt sozusagen vor der Tür.
Ende vergangenen Jahres fand zu diesem Thema eine von der Reederei Norden-Frisia organisierte Podiumsdiskussion statt, bei der auch der Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) aus dem Bundeswirtschaftsministerium zu Gast war.
Angesichts der Tatsache, dass es über Jahrzehnte zum Grundbestand christdemokratischer Politik gehörte, den Betrieb der Atomkraft zu sichern und als Grundlage unseres Wohlstands und der energiepolitischen Eigenständigkeit Deutschlands anzusehen, war das, was Staatssekretär Ferlemann in Norddeich äußerte, geradezu revolutionär.
Die Windenergie sei die Zukunft, sie sei mittlerweile grundlastfähig, also in der Lage, eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten und die Windenergie habe das Zeug, die Verstromung von Kohle langfristig abzulösen.

Immer noch ein Forschungsfeld

Die Dimensionen sind gewaltig. Bis 2030 könnten vor der deutschen Nordseeküste Windparks mit einer Nennleistung von bis zu 15 Gigawatt entstehen.
Je nach Leistung sind das bis zu 3.000 Windräder, die in der Nordsee stehen könnten. Wohlgemerkt, an einer der am stärksten befahrenen Schifffahrtsstraße der Welt.
Das Problem ist derzeit, dass die Errichtung von Kapazitäten auf See schneller voranschreitet, als die politische Entwicklung.
Das Nadelöhr ist der Anschluss der Anlagen an das Stromnetz. Für den sind die Netzbetreiber zuständig. Um diese nicht zu überfordern, gibt es eine Deckelung. Aus dieser Deckelung entstehen neue Probleme. Die Produktion der Anlagen ist immer noch ein Forschungsfeld. Die Ingenieure lernen noch. Zurzeit wird aber eher ruckartig produziert. Langfristige Lernprozesse sind damit nicht oder nur schwer erreichbar.
Gut sichtbar hat der dänische Energiekonzern Don Energy am Norddeicher Hafen seine Betriebszentrale für die Windparks Borkum Riffgrund I sowie Gode Wind I und II gebaut.
In die zwei Gode-Wind-Projekte investiert der dänische Konzern zusammen rund 2,2 Milliarden Euro, wobei sich auch verschiedene dänische Pensionsfonds mit rund einem Viertel der Summe beteiligen.
Trine Borum Bojsen, die Geschäftsführerin der deutschen Windpark-Sparte von Dong, warnte daher bei der Podiumsdiskussion, vor den Folgen eines Abbruchs der aktuellen Entwicklung. Rückschauend könne man sehen, wie viel effizienter die Branche in den vergangenen sechs Jahren geworden sei. Komme es jetzt zu einem Abbruch, nehme man der Branche – und damit auch Dong Energy – die Möglichkeit, langsam und stetig zu wachsen.

Stand der Diskussion

Letztlich gab die Diskussion im November nur den Stand der aktuellen politischenDiskussion wieder. Erkennbar wurde im November jedenfalls, dass die Politik in Berlin im Prinzip keinen anderen Kurs verfolgt. Seitdem die großen Konzerne in Offshore-Geschäft mitmischen, ist Berlin auch dabei. Das ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Staatssekretär Enak Ferlemann betonte, dass Deutschland langfristig weg müsse vom Öl. Dieses sei knapp und langfristig teuer.
Innovationen in den erneuerbaren Energien seien kostspielig, aber am Ende könne Deutschland viele Produkte exportieren. Deutschland müsse los vom Öl und raus aus der Kohle. Dieser Diskussion könne er sich jederzeit stellen, so Ferlemann.
Die Kernenergie habe unheimlich viel gekostet, fügte Ferlemann hinzu. Das sei auch nie hinterfragt worden. Daher sei es angemessen, auch in die Offshore-Windenergie und generell in die Branche der Erneuerbaren Energie zu investieren. Das zahle sich auch bereits aus.
So errichte der Siemens-Konzern erstmals wieder ein Werk in Deutschland. Zudem sei dieser Markt eine Chance für die deutsche Küste. Zufall oder nicht: Ferlemanns Wahlkreis liegt in Cuxhaven, das dabei ist, zu einem großen Offshore-Stützpunkt zu werden.
Ein Problem sei jedoch die Akzeptanz. Wenn der Strom in die Haushalte kommen solle, müssten auch die entsprechenden Leitungen her. Das sei im Prinzip klar, vielen Bürgern aber nicht recht. Als zweiten wichtigen Punkt nennt Enak Ferlemann die Speicherung der Energie. Er glaube, so Ferlemann, dass Wasserstoff die Zukunft ist. So werde es möglich, den überschüssigen Strom aus der Windenergie zu nutzen und dann abrufbar zu machen, wenn er gebraucht werde. Deutschland braucht eine Wasserstoffwirtschaft, so der CDU-Politiker.

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