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Donnerstag, 18.Juni 2015 - 12:04 Uhr | Kategorie Regionales

„Nie mit leeren Händen“

(der) – Seit Ende vergangener Woche sind zwei Gäste aus Kadeba im Südsudan auf der Insel und haben seitdem ein umfangreiches Programm absolviert. Der ehemalige Provost (Superintendent) der anglikanischen Kirche im Sudan, Sylvester Kambaya, und sein Bruder Ambrose sind auf Einladung des Freundeskreises Kadeba auf der Insel. Der Freundeskreis unterstützt zurzeit einen Schulbau im Ort Kadeba im Südsudan. Im Rahmen des Besuchsprogramms haben die Brüder unter anderem Bürgermeister Frank Ulrichs getroffen, der sich zwei Stunden Zeit nahm und den Besuchern aus dem jüngsten Staat Afrikas eine Beteiligung der Stadt Norderney in Höhe von 500 Euro in Aussicht stellte, wie Pastor im Ruhestand, Guenter Selbach berichtete. Außerdem fand vor dem Hintergrund des geplanten Schulbaus in Kadeba eine Begegnung mit Vertretern der Kooperativen Gesamtschule Norderney statt. In dem Ort Kadeba hatte der Norderneyer Freundeskreis zuvor den Bau eines Geburtshauses mitfinanziert. Bislang sind dort rund 400 Kinder zur Welt gekommen, berichtete Sylvester Kambaya in einem Gespräch am vergangenen Sonntag im Martin-Luther-Haus. Bemerkenswert daran sei, dass der Impuls zum Bau des Geburtshauses von den Männern des Ortes gekommen sei, ergänzte hierzu Guenter Selbach, der auch Vorsitzender des Freundeskreises ist.
Es seien ebenfalls die Männer des Ortes gewesen, die nun eine weiterführende Schule für junge Frauen und Mütter auf den Weg bringen wollten. Hintergrund sei, dass im Falle einer Schwangerschaft der Bildungsanspruch im Südsudan erlösche, erläuterte hierzu Christel Selbach.
Der Ort im Süden des Landes, der ein Einzugsgebiet von rund 40.000 Menschen hat, ist bei Regen nahezu nicht erreichbar, da die Straßenverhältnisse sehr schlecht sind. Sylvester Kambaya berichtete, dass im April mit den Fundamenten für die Schule begonnen wurde (siehe auch Norderneyer Morgen Extra Juni 2015). Durch den Bürgerkrieg, der sich vor allem auf den Norden des Landes konzentriert, sei es aber im Land zu einer starken Inflation gekommen, sodass zu befürchten sei, dass die Kalkulation für den Bau der Schule langfristig etwas aus dem Ruder laufen könne. Preise für Zement und andere Baumaterialien würden stark steigen. Er hoffe, so Sylvester, nach seiner Rückkehr mit allen Helfern den Bau fortsetzen zu können. In Kadeba selbst sei es zurzeit ruhig Christel Selbach betonte in der Gesprächsrunde am Sonntag noch einmal, dass es sich bei dem Projekt um Hilfe zur Selbsthilfe handele. Die eigentliche Arbeit geschehe vor Ort. Genau so wichtig wie das Sammeln und Überweisen von Geld sei das Lernen voneinander. Christel Selbach: „Wir haben schon viel Geld gegeben, sind aber nie mit leeren Hände zurückgekommen.“ Guenter Selbach erläuterte, dass es einen aufwendigen Planzur Finanzierung gebe, in dem auch die Eigenleistung berücksichtigt werde. Dieser
Plan sei von der Organisation Brot für die Welt sehr kritisch geprüft worden, so Selbach. Der Plan des Ortsrates in Kadeba sieht vor in einem ersten Bauabschnitt, für umgerechnet rund 52.0000 Euro vier Klassenräume, eine Toilette und einen Raum für die Lehrer zu bauen. Zu dem Konzept gehört außerdem ein Schulgarten, der für Unterricht und Versorgung genutzt werden soll Brot für die Welt und die Bingo-Lotto-Stiftung haben je 10.000 Euro bewilligt, 20.000 Euro will der Freundeskreis aufbringen, den Rest übernehmen die Partner im Südsudan. Nach dem letzten Stand waren vom Freundeskreis Kadeba noch genau 7.548,54 Euro aufzubringen. Danach werde sich der Freundeskreis entscheiden, ob der Schulbau weiter unterstützt werden soll, oder andere Projekte. Gut möglich ist, dass es in der näheren Zukunft erst einmal wieder um direkte humanitäre Hilfe gehen wird, denn nach Berichten der Welthungerhilfe und Unicef droht im gesamten Südsudan aufgrund des Bürgerkriegs um die Ölgebiete im Norden des Landes eine Hungerkatastrophe.
Innerhalb des Landes sind sehr viele Flüchtlinge aus dem Norden unterwegs. Teilweise führen sie ihr Vieh mit, was schon zu Spannungen mit den Landwirten im Süden geführt hat, da das Vieh die Felder leer frisst. Mit einem Benefizessen und einem Reisesegen werden die Gäste aus dem Südsudan heute in ihre Heimat verabschiedet.

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