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Freitag, 30.Dezember 2016 - 17:00 Uhr | Kategorie Allgemein, Regionales, Sport

Nicht nur in guten Zeiten

(syk) – Karl-Hans Sigges war im Urlaub, als der Großbrand der Bootshalle die Menschen auf Norderney und weit darüber hinaus erschütterte. Am 19. Oktober verbrannten bei dem Großfeuer der Bootshalle B 22 Boote und der Radlader des Seglervereins. Sigges Boot blieb unversehrt, da es in der Halle nebenan lagerte und herausgeholt wurde. Fast zwei Drittel der Bootseigentümer hatten keine Vollkaskoversicherung, so dass sie ihre Boote nicht von einer Versicherung ersetzt bekommen. Schnell stand für Sigges fest, dass er da helfen müsse und wolle. Mit Ernst Otto Cordes und Theo Freye, zwei seiner Stammgäste am Yachthafen, fand er schnell Unterstützung. In zwei Wochen haben die drei Männer die stolze Summe von rund 22.000 Euro gesammelt. „Mindestsumme waren 1.000 Euro“, ergänzt Sigges. Alle Spender sind Gäste am Yachthafen. Einer davon, Alexander Koch, machte bei der Spendenaktion mit, obwohl auch er sein Boot beim Großbrand verlor. „Das ist großes Kino“, betont Sigges.

Mit dem Geld wollen die drei Spendensammler zwei speziellen Bootsbesitzern und langjährigen Vereinsmitgliedern des Seglervereins Norderney, deren Boote bei dem verheerenden Brand den Flammen zum Opfer fielen, unter die Arme greifen: Achim Metzner und Willi Vogelei. Beide Männer sind seit vielen Jahrzehnten Mitglieder des Seglervereins und hier nicht mehr wegzudenken. „Ihr seid Urgesteine im Verein“, so Vereinsvorstand Gerd Lengerhuis zu Willi Vogelei und Achim Metzner.

Willi Vogelei hatte sein Boot seit 1973. Gekauft hatte er es damals für 28.000 Mark. Bis es ins Wasser kam, steckte er weitere 24.000 Mark rein. Verbrannt ist alles, so Vogelei. Auch seine Quetsche und seine jahrzehntealten Fahrräder, sagt er mit trauriger Stimme. Dabei war er gerade auf dem Weg zum Hafen. Im Gepäck ein Sack voller alter Tücher zum Putzen. „Als ich über den Deich kam und den Qualm sah, hab ich die Tücher gleich im nächsten Container entsorgt“, erzählt er mit zittriger Stimme. Als Vogelei den Gutschein über 11.150 Euro übergeben bekam, nahm er überwältigt seine Hände vors Gesicht und war den Tränen nahe. Er weiß noch nicht genau, was es für ein Boot werden soll, ist das Einzige was er sagen kann.

Achim (Archy) Metzner hat ebenfalls sein Boot verloren. Er hat es selbst gebaut vor 36 Jahren. Als Werftmitarbeiter hatte er Zugang zu den notwendigen Maschinen. Nach drei Jahren Bauzeit war sein Boot fertig und kam ins Wasser, erzählt er. Von seinem Boot ist lediglich das Gerippe übrig, da es aus Stahl war. Als er erfuhr, dass er aus Spendengeldern ein neues Boot bekommen sollte, schlug er vor, dass das Geld doch besser in einen neuen Radlader investiert werden sollte, denn der vereinseigene Radlader fiel auch dem Feuer zum Opfer. „Damit ist jedem im Verein geholfen“, betont Metzner, der seit 60 Jahren dem Verein angehört und viel Arbeit dort leistet. Nicht nur in guten Zeiten zusammenarbeiten, sondern auch füreinander da sein, wenn es knallt, sei die Botschaft, sind sich alle einig.

Gerd Lengerhuis konnte auch noch eine gute Nachricht überbringen. So werden die Entsorgungskosten von allen verbrannten Booten vom Verein übernommen. Der Verein bekam viele Spenden und mit dem Geld der Versicherung und der Unterstützung durch den Verein könne das gestemmt werden, freut sich der Vereinsvorsitzende.

 

Bei der Übergabe der Spendengelder: v.l.n.r. Gerd Lengerhuis, Karl-Hans Sigges, Achim Metzner, Willi Vogelei, Rolf Schobert und Ernst Otto Cordes. Foto: Sabine Sykora

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