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Freitag, 01.November 2013 - 11:00 Uhr | Kategorie Regionales

NEZ: „Ein ganz anderes Erlebnis“

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Titelbild: Das Nationalpark-Erlebniszentrum soll trotz gestiegener geschätzter Kosten gebaut werden. Der neue Entwurf sieht nur noch zwei Stockwerke vor. Grafik: Architekturbüro Moths

(bad) – Das Nationalpark-Erlebniszentrum (NEZ) wird gebaut. So beschloss es der Rat der Stadt Norderney in seiner Sitzung am Mittwochabend. Die geschätzten Kosten steigen von rund 4 Millionen auf 4,35 Millionen Euro. Die erhöhten Kosten sind vor allem der Hafenelektrik geschuldet. Auch der Entwurf, der zunächst drei Stockwerke und rund 14,5 Meter Höhe vorsah, wurde verändert. Der neue Entwurf sieht nur noch zwei Stockwerke vor mit einer Gebäudehöhe von rund 7,3 Metern Gebäudehöhe.

Bis zum Sommer sei man noch davon ausgegangen, dass die Hafenelektrik im neuen Nationalparkhaus bleiben könne, erläuterte Bürgermeister Frank Ulrichs die Hintergründe der Kostensteigerung. Es habe sich nun herausgestellt, dass dies nicht möglich sei und stattdessen ein eigenes Trafo-Häuschen benötigt werde.

Gespräche mit dem Landkreis Aurich hätten zudem gezeigt, dass die zunächst angedachte Gebäudehöhe einen Hafenentwicklungsplan nötig gemacht hätte. Das und der Zeitdruck, unter dem das Vorhaben stehe, habe eine neue Entwurfsplanung nötig gemacht. Diese liege nun vor in der Verbindung mit Zahlen, die eine relativ große Verlässlichkeit für eine Kostenschätzung haben“, so Ulrichs.

Der Zeitdruck solle „sicherlich nicht über allem stehen“, sagte der Bürgermeister. Allerdings seien die Gelder nur genehmigt bis 2014. Eine zu späte Fertigstellung des NEZ könne dazu führen, dass das Land Niedersachsen Fördergelder zurückfordere. Derzeit gebe es rund 3,35 Millionen Euro zugesagte Fördermittel. Von den Baukosten müsse die Stadt rund 1,01 Millionen Euro selbst tragen.

Er habe die größtmögliche Kostensicherheit hergestellt, betonte Prof. Holger Moths, der mit den Entwurfsarbeiten beauftragte Architekt bei seiner Vorstellung der neuen Pläne. Hierzu habe er Kontakt aufgenommen „mit vielen Firmen“, die Erfahrung mit Bauarbeiten auf Inseln hätten.

Zudem enthalte die Planung weitere Sicherheiten, um den Bedürfnissen der Bürger Rechnung zu tragen.
Die Ausstellungsfläche sei gegenüber den ersten Entwürfen gleich geblieben. Der neue Entwurf habe eine wesentlich größere Grundfläche. Eine verkleinerte Ausstellungsfläche hätte zum Wegfall der Förderungen geführt. Insofern lege er Wert darauf, dass der neue Entwurf „keine abgespeckte Version“ sei, so Moths. Vielmehr handele es sich um eine Weiterentwicklung mit großen Möglichkeiten. Der gesamte Molenkopf mit den direkt neben dem Nationalparkhaus gelegenen Gebäuden der Schiffsmeldestelle und des Hafenrestaurants bedürfe einer Überarbeitung. Die Gebäudekonzeption des NEZ lasse hier eine unkomplizierte Erweiterung zu.

Der Entwurf des NEZ richte sich thematisch weiter an den Leitlinien Wasser, Land und Luft aus, den drei Lebensräumen des Nationalparks Wattenmeer. Die Gebäude würden selbstverständlich behindertengerecht und flutsicher konzipiert, sonst hätten sie keine Aussicht auf eine Baugenehmigung, erklärte der Architekt. Die Fassade sei teilbewegt geplant.
Die neue Einrichtung entspreche exakt den Grundlagen aller Förderanträge, ergänzte Jürgen Rahmel, Leiter des Nationalparkhauses in der anschließenden Diskussion. Zudem müsse sie den Vergleich mit Häusern auf dem Festland nicht scheuen. Rahmel: „Die neue Ausstellung wird ein ganz anderes Erlebnis, als das, was wir derzeit im Nationalparkhaus anbieten können.“

Der Grund, weshalb das neue NEZ überhaupt geplant werde, sei doch, dass das alte Gebäude nicht in einem Zustand sei, der dauerhaft präsentiert werden könne, kommentiere Ratsherr Stefan Wehlage (Grüne) den neuen Entwurf. Allerdings stehe von Seiten des Landes noch offen, dass auch auf eine der Inseln ein Weltnaturerbezentrum kommen solle. Das sei doch „die Perspektive, unter der wir das machen“, so Wehlage. Zudem stehe zu befürchten, dass bald die Kosten für die am jetzigen Nationalparkhaus nötigen Instandsetzungsarbeiten, wenn man jetzt nicht handle, mehr als 1 Million Euro betragen würden.

Dieser Einschätzung stimmte Bürgermeister Ulrichs zu. Auch stünden die Chancen gut, dass das NEZ zum Weltnaturerbezentrum erhoben würde, anders als das jetzige Nationalparkhaus, dessen entsprechender Antrag abgelehnt wurde. Hierzu zitierte Ulrichs einen Brief aus dem Niedersächsischen Umweltministerium. Die Ablehnung sei demnach aufgrund des Zustandes des heutigen Nationalparkhauses erfolgt. Die Lage der Insel Norderney und ihre tideunabhängige Fähranbindung machten sie jedoch für ein solches Zentrum „sehr geeignet“, so der Wortlaut des Briefes. Mit der Errichtung des NEZ wären die baulichen Voraussetzungen hierfür erfüllt. Eine Entscheidung könne jedoch erst nach Fertigstellung fallen.

Fördermittel auszuschlagen sei gefährlich, meinte Manfred Plavenieks (FWN). Die Fertigstellungskosten bei den anderen Weltnaturerbezentren in Wilhelmshaven und Cuxhaven hätten allerdings rund 1 Million und rund 3 Millionen Euro gekostet. Hier läge man bereits bei über 4 Millionen.

Nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sah Jann Ennen (CDU). Ennen verwies auf die Frisia, mit der man weitere Gespräche hätte führen können. Zudem habe es auch für das Haus der Insel und für das Freibad Fördermittel gegeben.
Mit der Frisia habe man gesprochen, entgegnete Ulrichs. Das sei auch öffentlich bekannt. Eine Standortanalyse im Vorfeld habe gezeigt, dass der Standort nicht ideal sei, es aber keinen besseren verfügbaren gebe.

Zweifel an der zu erwartenden Wirtschaftlichkeit äußerten Christian Budde (FWN) und Bernhard Onnen (FWN).  Er habe „Angst, dass das ein Loch wird“, sagte Budde. Auf seine früheren Vermutungen, dass die tatsächlichen Kosten bei 6 bis 7 Millionen Euro liegen würden, verwies Bernhard Onnen. Er bezweifele die Zahlen. Zu Beginn habe die Summe 4 Millionen betragen, jetzt sei man schon bei 4,3 Millionen Euro. Und der Eigenanteil von 1 Million Euro „ist kein Pappenstiel für unseren Haushalt“, so Onnen.

Das derzeitige Nationalparkhaus hat im vergangenen Jahr rund 14.000 Besucher gehabt. Das NEZ soll 40.000 Besucher anziehen. Die Stadt kalkuliert bei ihren Planungen mit einem Verlust von jährlich rund 25.000 Euro für die neue Einrichtung.

Das sei eine „relativ vorsichtige Prognose“, stellte Bürgermeister Ulrichs klar. Hier wolle man bewusst nicht schönrechnen. Ein solcher Verlust sei aber  akzeptabel. Die tatsächliche Besucherzahl wisse natürlich niemand im Vorhinein. Das Haus biete jedoch „jede Menge Potential“.

Der Antrag, die Verwirklichung des NEZ weiter voranzutreiben, unter der Bedingung, dass der Kostenrahmen von 4,3 Millionen Euro nicht überschritten wird, wurde schließlich mit 12 Ja-Stimmen bei 4 Gegenstimmen angenommen.

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