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Dienstag, 22.Juli 2014 - 17:48 Uhr | Kategorie Allgemein

König Georg V stiftete das Grabkreuz

(war) – Fast genau vor 150 Jahren, am 18. Juli 1884, wurde auf dem alten Norderneyer Kirchhof der Matrose Giovanni Velcich aus Istrien (heute: Kroatien) beigesetzt. Aus diesem Anlass veranlasste das österreichische Schwarze Kreuz eine Restaurierung des Grabkreuzes, das nördlich der evangelisch-lutherischen Inselkirche auf dem historischen Friedhof steht (wir berichteten).

In einer kleinen Feierstunde wurde am Freitagvormittag Velcich gedacht und das restaurierte Grabkreuz in Augenschein genommen. Anwesend waren Manfred Mittelstedt, der örtlichen Beauftragte des Schwarzen Kreuzes für das k.k.-Marinegrab in Cuxhaven Ritzebüttel und seine Frau, sein Kamerad Hans Beitis nebst Gemalin, Pastor Stephan Bernhardt, Hanna Schulz vom Kirchenvorstand, Stadtarchivar Manfred Bätje, Norderney-Chronist Bonno Eberhardt, Malermeister Heiko Stolowski und seine Mitarbeiterin Mareike Schwarz, die mit der Restaurierung des Kreuzes beauftragt worden waren. Gut zehn Stunden bearbeiteten die beiden Maler mit großer Vorsicht das historische Eisenkreuz. Zunächst entfernten sie mit verschiedenen Werkzeugen den alten Farbauftrag und den Rost. Das war eine diffizile Angelegenheit. „Da mussten wir auch schon mal kleineren Drahtbürsten und mit ’nem Schraubenzieher in den Verzierungen den Rost entfernen“, erinnert sich Stolowski. Dann wurden ein Rostschutz und Farblack aufgetragen. Nun ist die Inschrift auf dem schwarzen Kreuz wieder klar zu erkennen, wenngleich die sterblichen Überreste des Matrosen damals an anderer Stelle des alten „Karkhoff“ (plattdeutsch für: Friedhof, Kirchhof) bestattet worden waren. Die Grabkreuze waren zwischenzeitlich umgesetzt worden.

Stadtarchivar Manfred Bätje konnte für die Feierstunde einige Fakten über das Begräbnis von Giovanni Velcich 150 Jahre zuvor beisteuern. Am 18. Juli 1864 erfolgte im Beisein des Königs Georg V auf dem evangelischen Friedhof der Inselkirche von Norderney die Bestattung. Auch stiftete König Georg V von Hannover das Grabkreuz. Alle Norderneyer Männer nahmen Velcich zu Ehren an der Beerdigung teil. Dies taten sie, weil er ein Seemann war, wie die Norderneyer eben auch zu damaligen Zeiten. Sämtliche Blumen, die auf der Insel abkömmlich waren, auch aus Gestecken zu Ehren des Königs, wurden für die Bestattung zum Friedhof geschafft. Weitere Recherchen im Kriegsarchiv in Wien werden das Bild über Giovanni Velcich weiter abrunden, versprach Manfred Mittelstedt.

Die Todesumstände von Velcich sind nie aufgeklärt worden. Der 22-Jährige Istrier stürzte aus ungeklärten Gründen am 21. Juni 1864 von der k.k. Fregatte „Radetzky“ vor Cuxhaven ins Meer. Die Fregatte war eingesetzt worden, um die seit Beginn des Jahres 1864 bestehende Seeblockade der Elbmündung durch die königliche dänische Marine zu brechen. Das Reich Österreich-Ungarn, zu dessen Herrschaftsgebiet auch Istrien gehörte, war früher eine große Seestreitmacht. Seine Schiffe kämpften 1864 zusammen mit Seestreitkräften Preußens gegen die Dänen.  Am 9. Mai 1864 kam es zu dem Seegefecht vor Helgoland.  Obwohl das Gefecht mit einem taktischen dänischen Sieg endete, hatte es keinen Einfluss mehr auf den Verlauf des Krieges. Bereits am 12. Mai trat ein allgemeiner Waffenstillstand in Kraft, und Dänemark hatte den Krieg verloren. Dies war das letzte offene Seegefecht, das mit Holzschiffen ausgetragen wurde, und gleichzeitig auch das letzte, an dem Dänemark beteiligt war (Quelle: Wikipedia). Giovanni Velcich war im Juni, also einen Monat später, vermutlich mit Reparaturarbeiten an der k.k Fregatte „Radetzky“ betraut worden. Er fiel aus ungeklärten Gründen ins Wasser. Früher konnten die meisten Menschen, auch Seemänner, nicht schwimmen. Der Leichnam trieb mit Tide, Wind und Strömungen ab und wurde vier Wochen später am Strand von Norderney aufgefunden.

Das Österreichische Schwarze Kreuz (ÖSK) ist ein überparteilicher österreichischer Verein, der sich mit der Errichtung, Pflege und Erhaltung von Grabstätten gefallener Soldaten, ziviler Kriegsopfer sowie von Flüchtlingen und politisch Verfolgten aller Nationalitäten beschäftigt.    (Foto: Rass)

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