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Samstag, 03.März 2012 - 11:00 Uhr | Kategorie Kultur

Klaviertheater Santa: „Ihr dürft zuhören“

Klaviertheater_Santa_Netz

Titelbild: Balint Santa (li.) und Bärbel Ganster machen den Kindern der Grundschule vor, wie man sich richtig streckt – erst laut, dann lautlos.

von Bernd Dörner

Klassische Musik ist schon für viele Erwachsene kein Bestandteil ihres Alltags, sie Kindern zu vermitteln, ist sicherlich eine besondere Herausforderung. Der hat sich das „Klaviertheater Santa“ verschrieben, das am Freitag in der Grundschule zu Besuch war.

Das Klaviertheater besteht aus zwei Personen, Bärbel Ganster und ihrem Mann Balint Santa. Santa stammt aus Ungarn, ist von dort aber „geflüchtet“, wie er selbst sagt.

Den Kindern, die sich in der Turnhalle der Grundschule versammelt hatten, gab Santa gleich eine klare Richtung vor: „Ihr dürft zuhören.“ Darum ging es dann auch, um das Zuhören, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Stück zog. „Ist diese Musik fröhlich oder traurig?“ oder „wer tanzt zu dieser Musik, ein zartes Burgfräulein oder ein dicker Bauer?“ Gar nicht so einfach, diese Fragen zu beantworten. Entsprechend gespalten waren die Meldungen aus dem jungen Publikum. Erst im Kontrast zu einem wirklich fröhlichen Stück wurde klar, dass die richtige Antwort wohl „traurig“ gewesen wäre. Oder dass ein Burgfräulein eher wirklich zarte Töne bevorzugt und die gespielte Melodie daher wohl eher für einen Bauern als Tänzer sprach.

Ort der Handlung war ein Zimmer in Wien, in dem der Komponist Franz Peter Schubert, verkörpert durch Balint Santa, einzog. Dort traf er auf die Haushälterin Margarethe, gespielt von Bärbel Ganster, die zuvor beim Komponisten Ludwig van Beethoven gearbeitet hatte. Schubert aber brachte es fertig, Margarethe zu zeigen, das man alles, was man sieht und erfährt, in Musik ausdrücken kann.

An dieser musikalischen Reise nahmen die Kinder teil. Schubert spielte das Heideröslein und den Erlkönig, imitierte den Flug des Schmetterlings und das Bellen von Hunden, das Pferd, das auf der Wiese stillsteht und die Forellen im Bach. Nebenbei bringt Santa den Kindern bei, wie man sich in einem Theater richtig verhält: „Man darf im Theater lachen, weinen und denken.“ Essen ist nicht erlaubt, auch nicht sich mit dem Nachbarn zu unterhalten, aber: „In diesem Theater darf man auch singen, ausnahmsweise.“

Er habe „in Ungarn mit der Kodaly-Methode gelernt“, erzählt Santa nach der Vorstellung. Ziel dieser Methode sei es, alle Musik, die deutsche Merkmale aufwiese, aus Ungarn zu verbannen. Er habe aber keine ungarische Musik spielen wollen. Daher sei er dort aus der Musikschule geworfen worden.

Seit 17 Jahren machen er und seine Frau bereits Klaviertheater, sagt Balint Santa. Beide sind ehemalige Lehrer. Rund 4.000 Aufführungen hätten sie schon gehabt, „zwischen Südspanien und Wien“. Im Norden sind sie seltener.
Langsam wollen sie sich aber zur Ruhe setzen. „Wir suchen Nachfolger“, meint Santa. Um das pädagogische Konzept weiterzuführen, müssten es ein Klavierlehrer und eine Lehrerin oder Schauspielerin sein, die Kindern umgehen kann. Möglichst jung sollen sie sein und die Erfahrungen der Vorgänger erst mal akzeptieren, also nicht direkt alles neu machen wollen.

Vier fertige Theaterprogramme gibt es. Franz Schubert ist nur einer der dabei vorgestellten Komponisten. Zusätzlich gibt es Mozart, Bach und den bereits erwähnten Beethoven.

Ihre Botschaft sei, Kraft und Stärke zu vermitteln, so Santa. Musik sei eine eigene Sprache. Eine Fremdsprache könne man auch nicht an einem Tag lernen, sondern nur in vielen kleinen Schritten. Genauso sei es mit der Musik. Sie würden dabei die Hörerfahrung und die Hörfähigkeit der Kinder berücksichtigen. „Ich will den Kindern Lust machen auf die Musik“, meint Santa. Den Rest überlasse er ihnen selbst.

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