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Mittwoch, 04.Juni 2014 - 15:13 Uhr | Kategorie Regionales

Kinderstube der Zwergseeschwalbe gestört

Mobile Zäune und Schilder kennzeichnen die Brutkolonien – Unbekannte zerstörten Absperrung und durchquerten Brutgebiet nördlich des Osthellerparkplatzes

(Norderney / Wilhelmshaven) – Mit 20 Zentimetern Länge und 45 Gramm Gewicht sind Zwergseeschwalben die kleinsten Seeschwalben der Welt. Im Frühjahr brüten sie an Stränden der Küsten und Flüsse, ab August fliegen sie tausende Kilometer bis Westafrika, wo sie den Winter verbringen. Zwergseeschwalben sind elegante Flieger und geschickte Fischer, ihre blitzschnellen Stoßtauch-Manöver sind faszinierend anzuschauen. Doch leider stehen sie weit oben auf den Roten Listen der bedrohten Tierarten.

Auch in Deutschland sind Zwergseeschwalben vom Aussterben bedroht. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist einer der letzten Rückzugsorte für eine erfolgreiche Brut und somit Erhaltung der Art. Geeignete Kinderstuben sind nahezu unbewachsene, offene Sandflächen in Wassernähe. In eine einfache Bodenmulde werden drei Eier gelegt. Beide Eltern betreiben die Brutpflege. Nach drei Wochen schlüpfen die Küken und laufen sofort umher. Nach weiteren drei Wochen sind sie flügge, brauchen aber noch einige Zeit, bis sie das Fischen erlernt haben.

„Wir sind froh über jedes Seeschwalbenpaar, das sich zur Brut niederlässt“ erklärt Bernd Oltmanns, Ornithologe und Inselbetreuer bei der Nationalparkverwaltung. „Die Tiere suchen sich von Jahr zu Jahr neue Brutplätze, wir müssen schnell und flexibel reagieren, um die Flächen gegen Störungen abzuschirmen“. In diesem Jahr haben sich vier Paare am Strand nördlich des Ostheller-Parkplatzes niedergelassen. Seeschwalben sind während der Brut- und Aufzuchtzeit sehr störungsempfindlich. Die Eier und Küken sind winzig und farblich gut getarnt, so dass sie leicht übersehen und zertreten werden. Ein mobiler Steckzaun und Hinweisschilder sollen dafür sorgen, dass die Fläche in dieser Zeit nicht betreten wird.

Brutpaare absichtlich gestört

Am vergangenen Wochenende kam es zu einem sehr unerfreulichen Vorfall in der Brutkolonie nördlich des Ostheller-Parkplatzes. Unbekannte haben ein Schild, das den Brutplatz der Zwergseeschwalben markiert, mit roher Gewalt abgerissen und sind durch das Brutgebiet gelaufen. Am nächsten Tag waren zwei der vier Brutpaare verschwunden.

Die Absperrung wurde bewusst überschritten. Jetzt fehlen zwei Brutpaare.

Die Absperrung wurde bewusst überschritten. Jetzt fehlen zwei Brutpaare.

„Den Fußspuren nach zu urteilen kamen 2 bis 3 Personen durch die Dünen gelaufen, haben im Sichtschutz eben dieser Dünen das Schild abgerissen und ihren Weg dann unbehelligt fortgesetzt“, berichtet Nico Erdmann, der sich als Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung auf Norderney um den Schutz bedrohter Arten kümmert. „Wie weit sie tatsächlich in die Kolonie gelaufen sind, kann ich nicht sagen. Ich bin den Fußspuren nicht gefolgt, um eine weitere Störung zu vermeiden. Tatsache ist, dass nach diesem Vorfall nur noch zwei der zuvor vier ansässigen Brutpaare auf der Fläche auszumachen sind.“

Kopfschüttelnd kommentiert Oltmanns den traurigen Vorfall auf Norderney: „Gäste und Einheimische haben hier im Nationalpark und Weltnaturerbe riesige Flächen und ausgedehnte Wegenetze, um die einmalige Natur zu erleben. Nur bei Bedarf sperren wir für wenige Wochen vergleichsweise winzige Teilgebiete, bis die Küken flügge sind. Wir wissen nicht, wem die Vandalen mit ihrer Aktion schaden wollten. Geschadet haben sie jedenfalls hilflosen Tieren und allen kleinen und großen Menschen, die sich an diesen hübschen, seltenen Vögeln erfreuen.“ Die Nationalpark-Wacht wird in den kommenden Wochen noch häufiger am Seeschwalben-Brutplatz präsent sein.

 

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