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Donnerstag, 18.Oktober 2012 - 12:40 Uhr | Kategorie Wirtschaft

„Kein wirtschaftlicher Nutzen“

NG_Webseite

Titelbild: Seit einigen Tagen ist die Webseite der „NG Die Norderney Genossenschaft“ online.

(der) – Die Idee lag schon lange auf der Hand. Wenn Immobilien für Einzelne auf Norderney zu teuer werden, warum nicht zusammenlegen und gemeinsam investieren, um Norderneyer Häuser und Wohnraum zu erhalten und den Ausverkauf der Insel durch auswärtige Immobilienkäufer und Spekulanten zu verhindern.

Genau dieses hat sich die im September gegründete „NG Die Norderney Genossenschaft“ (NG) auf die Fahnen geschrieben. Bemerkenswert an der Gründung einer Genossenschaft zur Erhaltung von Wohnmöglichkeiten ist nicht der Vorgang an sich. Vielmehr die Ecke, aus der die Idee kommt. Dr. Peter Reuter, der Vorsitzende des Vorstandes der neuen Genossenschaft war früher Zahnarzt auf Norderney. Reuter hat einst gemeinsam mit Jann Ennen die Immobilienvermarktung auf Norderney für sich entdeckt und gehört quasi mit zu den Pionieren dessen, was heute gemeinhin unter dem Schlagwort „Ausverkauf der Insel“ abgehandelt wird. Fairerweise muss hinzu gefügt werden, dass heute gleich eine ganze Reihe von Akteuren einen hohen Marktdruck erzeugt.

Es werde vollkommen zu Recht geklagt, dass Investoren auf der Insel alles wegkaufen, sagt Peter Reuter in einem Gespräch, das auf Nachfrage zustande kam, nachdem andere Zeitungen bereits über die Gründung der Genossenschaft berichtet hatten.

Es sei Sinn und Zweck der Genossenschaft, so Reuter, preiswerten Wohnraum auf Norderney zu schaffen. Vor rund 30 Jahren beim Bau der Häuser „Up Süderdün“ sei schon einmal eine Genossenschaft gegründet worden, die aber lediglich den Bau der Häuser zum Zweck hatte und danach aufgelöst wurde. Bei der neuen Genossenschaft sei dies anders. Hier gehe es um den Kauf und die Nutzung von Immobilien durch Bewohner der Insel.

Zwei Arten von Investoren sollen von der „NG“ angesprochen werden: Menschen, die auf der Insel leben und hier in Wohnraum investieren möchten und solche, die sich Norderney verbunden fühlen und hier investieren möchten. Dies sei kein Problem für den Zweck der Genossenschaft, da jeder Anteilseigner nur eine Stimme habe, unabhängig davon, ob er einen oder zehn Genossenschaftsanteile besitzt. Zudem müsse der Vorstand eine Mitgliedschaft nicht unbedingt annehmen, so Reuter.

An die denkbare Variante, einen Teil der erworbenen Immobilien als Ferienwohnungen zu vermieten, um so eine Refinanzierung hinzubekommen, sei nicht gedacht. Auch nicht daran, Teile zu verkaufen, um eine schnellere Finanzierung hinzubekommen. „Das ist auch machbar und möglich, dies ohne Verkäufe oder Feriennutzung hinzubekommen“, sagt Jann Ennen, der als Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft agiert. Er habe dies immer schon gesagt.

Hilke Flessner, die als freiberufliche Finanzberaterin die Deutsche Bank auf Norderney vertritt, betont, dass hinter dem Genossenschaftsgedanken die Idee stehe, Objekte zu kaufen, die ein Einzelner nicht erwerben könne. Etwa Mischobjekte bei denen sich gewerbliche Nutzung (Laden) und Wohnungen in einem Haus befinden.

Peter Reuter bestätigt, dass es bereits „mehr als Ideen“ für Objekte auf Norderney gebe. Diese seien „schon durchgerechnet“. Zunächst müsse aber mal die Resonanz auf die neue Genossenschaft abgewartet werden. „Wir haben uns aufgegeben, dass wir mit mindestens 30 Prozent Eigenkapital an die einzelnen Objekte herangehen“, so Reuter. Nach der gesammelten Summe richte sich auch die Größe der Objekte und Investitionen. Es werde „eher konservativ“ gerechnet, so Reuter.

Wie bei anderen Bauvereinen und Genossenschaften auch, werden bei der Wohnungsvergabe oder auch bei Gewerbeimmobilien die Mitglieder bevorzugt. Der Einstieg ist mit 10.000 Euro für einen Genossenschaftsanteil möglich.
Hilke Flessner betont, dass sie keinen wirtschaftlichen Nutzen aus der Genossenschaft habe. Auch ihre Vorstandstätigkeit sei ehrenamtlich. Es gehe ihr wirklich darum, Gebäude für die Insel zu erhalten. Flessner: „Man kann es anders nicht steuern. Man sieht, wie schwierig es ist, politisch etwas zu machen.“

Seit dem Schritt an die Öffentlichkeit in der vergangenen Woche sind zu den bisher acht Mitgliedern sechs weitere hinzugekommen, erklärte Jann Ennen gestern auf Nachfrage. Seit einigen Tagen ist auch die Internetseite der Genossenschaft online. Sie ist zu erreichen unter: www.nggenossenschaft.de

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